Förster (Friedr.), histor. Schriftsteller, der Bruder des vorigen, geb. zu Münchengoßerstädt 24. Sept. 1791, besuchte das Gymnasium zu Altenburg und studierte zu Jena Theologie, wendete sich dann dem Studium der Archäologie und Kunstgeschichte zu und lebte zu diesem Zwecke eine In lang in Dresden. Infolge des Aufrufs Preußens trat er 1813 uin das Lützowsche Freikorps, wurde in den folgenden Feldzügen mehrmals verwundet und avancierte zum Offizier. Nach seiner Rückkehr aus Paris, wo er bei Zurückforderung der Kunstschätze thätig war, wurde er in Berlin Lehrer an der Artillerie- und Ingenieurschule, infolge der 1817 eingeleiteten demagogischen Untersuchungen als Verfasser mehrerer eulasier in der Nemesiso aus dem königl. Dienste entlassen, auch in seiner neuen Thätigkeit an der Universität gehemmt. Nachdem er seit 1821 die „Neue berliner Monatsschrifto, dann 1823—26 die Vossische Zeitungo und 1827 — 30 in Verbindung mit Häring (Wilibald Alexis) das neue Berliner Konversationsblatto redigiert hatte, unternahm er mit seinem Bruder Ernst I. eine Kunstreise nach Italien, erhielt nach seiner Rückkehr mit dem Titel als Hofrat eine Anstellung bei der königl. Kunstkammer in Berlin und wurde später zur königl. Hof⸗ und Nationalbibliothek versetzt, von wo er erst nach Gründung des Neuen Museums in seine here Stellung zurückkehrte. Von F.s frühern istor. Schriften sind zu erwähnen: Beiträge zur neuern Kriegsgeschichtes (Berl. 1816), Der Feldmarschall Blücher und seine Umgebungeno (Lpz. 1821), Friedrichs d. Gr. Jugendjahre, Bildung und Geisto (Berl. 1822), «Grundzüge zur Geschichte des preuß. Staatso (2 Bde., Berl. 1818) und Handbuch der Geschichte, Geographie und Statistik des preuß. Reichso (3 Bde., Berl. 1820 —- 22). Mit den Schriften «Albrecht von Wallenstein (Potsd. 1834) und Wallensteins Prozeßo (Lpz. 1844) hat er viel ur Aufhellung der Pläne und Absichten dieses Feldherrn und besonders der Motive zu seiner Ermordung beigetragen. Diesen Arbeiten reihen sich noch an die „Geschichte Friedrich Wilhelms J., Königs von Preußend (3 Bde., Potsd. 1834—35), und das Werk Die Höfe und Kabinette Europas im 18. Jahrh.y (3 Bde., Potsd. 1836—39). Später schrieb F. eine Reihe populärer histor, Werke, wie: Leben und Thaten Friedrichs d. Gr.y (2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1842), «Christoph Columbus»(2. Aufl., 3 Bde., Lpz. 1846), «Friedrich Wilhelm der Große Kurfürsto (4. Aufl., Berl. 1855), «Friedrich d. Gr., geschildert als Mensch, Regent und Feldherro (4. Aufl., Berl. 1860), Neuere und neueste preuß. Geschichtes (4. Aufl., 2 Bde., Berl. 1857 —61), „Geschichte der Befreiungskriege 1813, 1814 und 18155 (7. Aufl., 3 Bde., Berl. 1865). Seine Kriegslieder, Romanzen, Erzählungen und Legenden vereinigte F. in einer Sammlung unter dem Titel „Gedichtes (2 Bdchn., Berl. 1838). In Peter Schlemihls Heimkehry (2. Aufl., Berl. 1849) lieferte er eine ußerden zu der bekannten Dichtung Chamissos. Außerdem bearbeitete er mehrere Stücke Shakspeares und einige kleinere Lustspiele für die Bühne und verfaßte das histor. Drama Gustav Adolfo (Berl. 1832); auch wirkte F. mit bei der Herausgabe der Werke Hegels. F. ist der Gründer des Wissenschaftlichen Kunstvereins zu Berlin, dem er lebenslang als Sekretär angehörte. Seine letzten Lebensjahre widmete er fast ausschließlich der Bearbeitung der preuß. Geschichte, von welcher namentlich die den Befreiungskriegen gewidmeten Bände sehr großen Erfolg hatten. Er starb zu Berlin 8. Nov. 1868. Nach F.s Tode erschien der Anfang einer Selbstbiographie unter dem Titel «Kunst und Lebeno (herausg. von Kletke, Berl. 1873).