Falke (Johs. Friedr. Gottlieb), deutscher Geschichtsforscher, Bruder des vorigen, geb. 20. April 1823 zu Ratzeburg, besuchte die dortige Domschule und bezog im Herbst 1843 die Universität Erlangen, um Theologie und Philologie zu studieren, widmete aber schon hier seine Zeit fas ausschließlich dem Studium der Geschichte, sowie der deutschen Sprache und ältern deutschen Litteratur. Seit Herbst 1848 Lehrer im Hause des Naturforschers und Reisenden von Martius in München, fand er Gelegenheit, mit Hilfe der dortigen Staatsbibliothek seine histor. und altdeutschen Studien fortzusetzen. Nach fünfjährigem Aufenthalt zu München lebte er wieder einige Zeit in seiner Vaterstadt, bis er im Sept. 1855 einen Ruf als erster Sekretär an das Germanische Museum in Nürnberg erhielt, bei welchem er 1859 Konservator der Handschriftensammlung wurde. Angeregt und unterstützt durch die dortigen Sammlungen, wandte F. jetzt seine Aufmerksamkeit vorzugsweise der Kulturgeschichte zu und begann in Gemeinschaft mit Johs. Müller und seinem Bruder Jakob die Herausgabe einer «3eitschrift für deutsche Kulturgeschichtes (4 Bde., Nürnb. 1855 - 59), in der er die Geschichte der deutschen Volkswirtschaft als eines Hauptteils der deutschen Kulturgeschichte in den Vordergrund zu stellen suchte, auch selbst schätzbare Abhandlungen über älteres deutsches Zollwesen und über deutschen Handel niederlegte. Als Resultate seiner weitern Forschungen in dieser Richtung erschienen die Geschichte des deutschen Handelso (2 Bde., Lpz. 1859—60) und «Die Hansa als deutsche See-und Handelsmachty (Berl. 1862). Im Mai 1862 ging F. als Sekretär des Hauptstaatsarchivs nach Dresden und wurde später zum Archivar ernannt, in welcher Stellung er seine Studien vorzugsweise der sächs. Landesgeschichte zuwandte. Unter den Abhandlungen, die er in dem «Archiv für sächs. Geschichtes veröffentlichte, ist besonders die über die Geschichte der Erwerbung der Vogtlande durch Kurfürst Augusto von Bedeutung. Neben den Arbeiten für sachs Geschichte setzte er die geschichtlich nationalökonomischen Studien fort. Beides vereinigte er in dem Werke: Die Geschichte des Kurfürsten August von Sachsen in volkswirtschaftlicher Beziehung (Lpz. 1868). Sein Hauptwerk in dieser zweiten Richtung ist die „Geschichte des deutschen Zollwesenso (Lpz. 1869). Er starb 1. März 1876 zu Dresden.