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AllerleiBrockhaus 1882

Fanarioten heißen im allgemeinen die griech. Bewohner des Fanar oder (türk.) Fener in der Altstadt von Konstantinopel, eines Stadtteils im Nordwesten, am Goldenen Horn, welcher von dem daselbst sonst befindlichen Leuchtturme (Phanarion) den Namen erhielt; hier war nach der türk. Eroberung der Hauptsitz der Griechen, und nach 1591 auch das Vatriarchat. Im engern Sinne bezeichnet man mit F. eine Art von Geburts- und Amtsaristokratie, die zunächst von den edeln griech. Familien ihren Ursprung ableitet, welche nach der Eroberung Konstantinopels teils sich in Stambul behaupteten, teils nun in den Vordergrund traten. Später bildete sich um die Nachkommen dieser Familien ein größerer Kreis vornehmer und kenntnisreicher Griechen. Denn aus der Mitte der F. wurden seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. die Dragomans oder Dolmetscher der Pforte und bis zum Ausbruche der griech. Revolution (1821) die Hospodare der Moldau und Walachei gewählt. Es entwickelte sich hierdurch für die Klasse der F. nicht nur ein bedeutender polit. Einfluß auf die Angelegenheiten der Pforte und der griech. Nation selbst, sondern auch ein polit. System, das sie nach innen und nach außen zu ihren Zwecken handhabten. Ohgleich die F. vieles zur Bildung ihrer Nation, z. B. durch Errichtung von Schulen u. s. w., sowie zur Erleichterung des auf den Griechen lastenden Drucks beigetragen haben, so galten doch Ehrgeiz und Egoismus, Hab- und Herrschsucht, sowie ein Hang zur Intrigue als unerfreuliche Züge ihres Charakters; sie waren im allgemeinen weder in Rumänien, noch als Kleriker unter den Bulgaren, noch auch bei ihren Landsleuten beliebt. Dieses Verhältnis zeigte sich auch bei und nach dem Ausbruche der griech. Revolution 1821, an welcher viele F. sich eifrig im nationalen Sinne beteiligten. Die Umtriebe der alten F., ihre Erpressungen, wobei sie mit den Bojaren der Moldau und Walachei gemeinschaftliche Sache machten, die Bestechungen und Ränte, wodurch sie sich so lange dort behaupteten, schilderte der Grieche Markos Zallony in seinem Buche «Essai sur les Fanarioteso (2. Aufl., Mars. 1830). Jetzt haben die F. den polit. Einfluß in Konstantinopel großenteils verloren. Viele sind nach i übergesiedelt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 561Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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