FeedFandango
MusikBrockhaus 1882

Fandango heißt der älteste und beliebteste span. Nationaltanz. Derselbe wird immer nur von einem Paare getanzt und mit Guitarrespiel, selten auch mit dem Tamburin, begleitet, während die Tänzer mit Castagnetten, die Zuschauer, welche nebst dem Guitarrespieler in einem Kreise um das tanzende Paar zu sitzen pflegen, durch Händeklatschen den Takt (Sechsachteltakt) angeben. Die Melodie des F. ist sehr eigentümlich, monoton, mit schleppenden Cadenzen. In Andalusien, der eigentlichen Heimat des F., werden zu dieser Melodie teils von den Zuschauern, teils von den Tänzern stets improvisierte coplasd (Couplets) gesungen; auch ist es dort Sitte, daß die Tänzerin nach beendetem Tanz in dem Kreise der Zuschauer herumgeht, um von jedem Manne den «abracitos, eine flüchtige Umarmung, zu erhalten. Der Charakter des F. ist anfangs sanft, zärtlich und hingebend, dann steigert er sich allmählich zum Extrem südl. Leidenschaft. Er schildert mimisch den Kampf zwischen glühender Liebe und weiblicher Zurückhaltung, zwischen Sehnsucht nach Genuß und Sittsamkeit. Alle 18 0 der Gestalt und der Stellung werden hier aufs höchste entwickelt. Man nähert sich mit tausend verführerischen Wendungen, man flieht sich wieder, bald scheint die schmachtende Schöne sich dem siegenden Jünglinge hinzugeben, bald entschlüpft sie ihm wieder und slieht vor ihrem zärtlichen Verfolger. Dabei halten sich die Tanzenden nicht umfaßt, sondern bewegen sich einander gegenüber in gewisser Entfernung. Der F. ist ein echter Volkstanz, denn in den gebildeten Ständen wird er nicht getanzt. Balletmäßig eingerichtet und mit veränderter Musik wird er als Bolero (s. d.) auf den Theatern aufgeführt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 561Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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