FeedFar (lat.)
ErdkundeBrockhaus 1882

Far (lat.), Dinkel, Spelt. Färäbi (Abü Nassrt Muhammed ben Muhammed ben Tarchän al), nach der Stadt Färab in Transoxanien, in welcher er gegen das Ende des 9. Jahrh. geboren wurde, einer der berühmtesten arab. Philosophen, reich an selbständigen Gedanten, welche zum Teil allerdings an die Ideenkreise der Mystiker (Ssüfis) erinnern, mit deren Lehren er sich in seiner Jugend sehr genau bekannt gemacht haben soll, ohne aber sich so durch dieselben beeinflussen zu lassen, daß die Klarheit und Nüchternheit der Aristotelischen Methode, der er sich mehr und mehr anschloß, darunter gelitten hätte. Er war schon früh nach Bagdad, dem berühmten Sitz der Künste und Wissenschaften unter den Abbasiden gekommen. Hier erhielt er seine Bildung und hier trat er als Lehrer der Philosophie auf. Später ging er nach Aleppo und nach Damascus, wo er 950 starb. Die Zahl seiner nur zum Teil im arab. Text (zum Teil auch in hebr. übersetzungen) auf uns gekommenen Schriften ist eine songroße. Wie er sich nicht nur mit Philosophie, sondern auch mit Politik, mit Musik u. s. w. tiefer beschäftigte, so behandeln auch seine Schriften diese verschiedenen Wissenschaften. Aber den breitesten Raum nimmt hier doch die Philosophie ein, in welcher er sich namentlich an Aristoteles anschloß, zu dessen Werken, namentlich dem „Organon », er verschiedene Kommentare schrieb. Den Hauptweck der Philosophie setzt er in die Erkenntnis des lrwesens ens primum), welches selbst die Ursache alles Existierenden ist. In seiner Lehre über das durch dieses, selbst keine Ursache habende und zu seiner Existenz keiner außer ihm liegenden Ursache bedürfende Urwesen (Gott) Bedingte schließt er sick ganz an die Emanationslehre der Ssufis an, wäh rend er im Gegensatze gegen diese Mystiker die Annahme der Möglichkeit einer mystischen Vereinigung des Menschen mit Gott in der schärfsten Weise verwirft und die praktische Aufgabe der Philosophie darein setzt, daß sie es dem Menschen möglich machen solle, soweit es seine Kraft erlaube, sich zur Ahnlichkeit mit Gott zu erheben. Von seinen Schriften (denen Ihn-Sina (Avicenna!] nach seiner eigenen Versicherung alles verdankte, was er geleistet) sind hervorzuheben: das sog. Ichssà al- ulümo (die Aufzählung der Wissenschaften), das ethische Werk AI-sira alfädhilav (der gute Lebenswandel), das Lehrbuch der Politik (Sijäsat al-madina), dessen Inhalt aber über den engen Rahmen seines Titels weit hinausgeht und beinahe ein Lehrbuch der theoretischen und praktischen Philosophie genannt werden kann. Mit dem Sinn und Talent für Fragen der spekulativen Philosophie verband F. ein sehr bedeutendes musikalisches Talent. Er soll nicht nur selbst ausübender Künstler ewesen sein und es verstanden haben, musikalische Instrumente selbst anzufertigen, sondern war auch groß in der Theorie der Musik. Die Analyse, welche Kosegarten (in der Vorrede zu seiner Ausgabe des «Kitäb alaghänio) von dem größern Werke des F. über die Musik nach einer leidener Handschrift gibt, zeigt den F. auch auf diesem Gebiete als selbständigen Denker. Neben der namentlich in bibliogr. Hinsicht sehr tüchtigen Abhandlung M. Steinschneiders über F. (in den «Mémoires de l'Académie des sciences de St. Pétersbourgo, 1859) ist namentlich eingehend der Abschnitt über F. von S. Munk in Meélanges de philosophie juive et araben (2. Lfg., Par. 1859), welcher zugleich eine sehr lichtvolle, auch noch nicht übertroffene Darstellung der hohen Bedeutung dieses bedeutenden peripatetischen arab. Philosophen gibt. Einzelne kleinere Abhandlungen F.s sind herausgegeben von Schmölders in Documenta philosophiae Arabum (Bonn 1846). Faräday (Michael), ausgezeichneter engl. Chemiker und Physiker, der Sohn eines armen Hufschmieds, geb. 22. Sept. 1791 zu Newington Butts bei London in der Grafschaft Surrey, kam 1804 nach London in die Lehre zu dem Buchhändler George Riebau, der zugleich Buchbinder war, und bei dem er neun Jahre arbeitete. In seinen Mußestunden fertigte er eine Elektrisiermaschine und andere Dinge dieser Art an und erhielt 1813 durch Davy den Posten eines Assistenten an dem physit. Laboratorium der Royal-Institution. Zu Ende desselben Jahres begleitete er Davy auf einer Reise nach dem Kontinent und kehrte 1815 zu seinen Arbeiten im Laboratorium zurück. Als Schriftsteller trat er zuerst 1816 auf und hat sich seitdem durch zahlreiche Entdeckungen im Gebiete der Chemie und Physik einen hohen Ruf erworben. Besonders sind in dieser Hinsicht zu nennen: seine Versuche über Legierungen des Stahls (1820 und mit Stodart 1822); die Verwandlung mehrerer bis dahin für permanent gehaltener Gasarten, wie Kohlensäure, Chlor u. s. w., in tropfbare Flussigkeiten (1823 und 1845); seine Darstellung verschiedener flüssiger Verbindungen von Kohlen⸗ und Wasserstoff, die bei gleicher Zusammensetzung mit dem ölbildenden Gas doch verschiedene Eigenschaften zeigen (1825 und 1826); die Darstellung eines zu optischen Zwecken tauglichen Glases aus Kieselerde, Borarsäure und Bleioxyd (1825—29); seine Studien über Thaumatropie (1831) und schwingende Platten (1831). Auch sein Werk über chem. Manipulationen (Lond. 1827; 3. Aufl. 1842) verdient als eine für den praktischen Chemiker nützliche Anleitung rühmliche Erwähnung. Das bedeutendste Aufsehen erregten indessen seine Entdeckungen der elektromagnetischen Rotationen (1821) und der Volta⸗ und Magneto-Induktion (1831), welch letztere gestattet, mittels bewegter Magnete elektrische Ströme zu erregen: 1835 entdeckte er den Nebenstrom im eigenen Leiter (Extrastrom) und 1833—34 folgten seine elektrohem. Untersuchungen. F. gab eine Reihe (auch in oggendorffs Annalen» übergegangener) trefflicher Abhandlungen (Experimental researchesv, zuletzt 3 Bde., Lond. 1855) über alle elektrischen Phänomene und deren Zusammenhang heraus und vereinigte sich mit Armstrong zu wissenschaftlicher Ausbeutung der Entdeckung von der Clektricität des Wasserdampfes (s. Elektrisiermaschine); 1845—48 folgten seine berühmten Versuche über den Diamagnetismus, und 1845 entdeckte er, daß jede durchsichtige diamagnetische Materie mittels Elektricität oder Magnetismus das durchgehende Licht kreisförmig polarisiere. Um diese Zeit hielt er in der Royal-Society eine Reihe von Vorlesungen üuber den Zusammenhang der Naturkräfte, welche als Lectures on light and ventilationo (Lond. 1843), Lectures on the non-metallic-elementso (Lond. 1853) und «Lectures on various forces of mattero (3. Aufl., Lond. 1862) erschienen. Seit 1833 Professor der Chemie an der Royal-Institution, wirkte F. 1829—42 auch als Lektor an der Militärakademie in Woolwich. Im Nov. 1835 verlieh ihm das Ministerium Melbourne in Anerkennung seiner Verdienste um die Wissenschaft eine Pension von 300 Pfd. St. F. starb 25. Aug. 1867 in Hampton-Court. Vgl. Dumas, Lloge historique de Michel F.v (Par. 1868); Bence Jones, «The life and letters of F.v (2 Bde., Lond. 1869; 2. Aufl. 1870); Tyndall, KF. as a discoverero (Lond. 1870; deutsch von Helmholtz, Braunschw. 1870); Gladstone, Michael F.r (deutsch, Glogau 1882). Jaraf sation, s. Elektrotherapie.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 565Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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