FeedFarben bei der Ausschmückung der Zimmer
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Farben bei der Ausschmückung der Zimmer, Herstellung von Kleiderstoffen für die Frauen und überhaupt auf dem Gebiete der Kunst und Industrie. Allein als Grundlage eines allgemeinen Gesetzes der Farbenharmonie kann der Satz von der angenehmen Wirkung der Komplementärfarben nicht angenommen werden, weil es auch Fälle gibt, wo die Kontrastwirkung der Farben in ästhetischer Beziehung nachteilig ausfällt. Dagegen gibt es wieder viele Farbenkompositionen, welche sehr wohlgefällig aufgenommen werden, ohne komplementär zu sein. Nach alledem wurde bisher ein oberstes allgemeines Gesetz nicht entdeckt, aus dem sich alle bereits bekannten und auch neue Thatsachen der F. theoretisch ableiten ließen, sondern es ergaben sich höchstens Regeln aus der Erfahrung, deren Geltung zum Teil noch schwankend ist. an unterscheidet bei den Farbenzusammenstellungen nach Brücke (1866) die kleinen und großen Intervalle. Die Farben mit einem kleinen Intervall liegen einander in der Farbenleiter oder im Spektrum (s. d.) ganz nahe und lassen sich als ein und dieselbe Farbe mit etwas verschiedener Lichtstärke auffassen, so z. B. Grün und Gelblichgrün, Dunkelblau und Cyanblau u. dgl. m. Die kleinen Intervalle beziehen sich also auf benachbarte Tinten einer und derselben Hauptfarbe; sie kommen in der Natur häufig vor, stellen sanfte und kaum merkliche Darben mu gron vor und wirken meist angenehm. arben mit großem Intervall nennt man solche, welche durch einen größern Abstand in der Farbenskala oder im Spektrum voneinander getrennt sind, so z. B. Rot und Gelb, Rot und Grün oder Blau u. dgl. m. Von den Farben mit großen Intervallen wirken im allgemeinen die Ergänzungsfarben als Verbindung angenehm; es gefallen jedoch auch andere Farbenkombinationen gut. Es läßt sich bezüglich der Farbenzusammenstellung im allgemeinen nur sagen, daß die gewählten Farben in der Reihe der Farbenleiter oder des Spektrums einander nicht zu nahe stehen dürfen. Andererseits lehrt dagegen auch die Erfahrung, daß Farbenmassen mit großen Intervallen höchstens zu je drei Farben kombiniert werden können, wenn sie noch Wohlgefallen erregen sollen. Dazu können sich noch Weiß, Schwarz und Grau mit gutem Erfolg gesellen. Litteratur. über die harmonierenden und disharmonierenden Farbenpaare und Farbentrias vgl. das obengenannte Werk von Chevreul; ferner: Brücke, Die Physiologie der Farben für die Zwecke der Kunstgewerber (Lpz. 1866 mit Litteraturangaben, S. 9); Bezold, «Die Farbenlehre im Hinblick auf Kunst und Kunstgewerber (Braunschw. 1874, mit Litteraturverzeichnis); Ewald, «Die Farbenbewegung » (1. Abteil. Gelbo, 1. Hälfte, Berl. 1876); Farbenkreis in 15 Abstufungen und 20 Anwendungstafeln. Nach Professor Brückes Physiologie der Farben unter dessen Anleitung zusammengestellto (Wien 1877); Rood, «Die moderne Farhenlehre mit Hinweisung auf ihre Benutzungen in Malerei und Kunstgewerbes (Lpz. 1880); Guichard, Die Harmonie der Farber (mit 765 Farbentafeln, 3 Bde.; deutsche Ausgabe mit Text von G. Krebs, Frankf. a. M. 1882). ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 571Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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