Farbe ist in der Physik die Bezeichnung für die durch ihre Wellenlängen verschiedenen Schwingungen des Athers. (S. unter Farbenlehre.) Außerdem versteht man darunter auch die Beschaffenheit eines Körpers, infolge deren er von dem auf ihn fallenden farblosen Sonnen⸗ oder Tageslicht nur Schwingungen von gewissen Wellenlängen zurückwirft oder durchläßt, die übrigen Strahlen aber verschluckt oder absorbiert. Infolge dessen erscheint der Körper im auffallenden oder durchgelassenen Lichte mit einer Farbe, welche Absorptionsfarbe heißt. Substanzen, welche diese Eigenschaft in hervorstechendem Grade besithen und deshalb in der Malerei, Tapeten⸗ und Buntpapierfabrikation, in der Färberei und dem Zeugdruck Anwendung sinden, heißen Farbstoffe oder Pigmente (. d.; vgl. auch Farbe [Technikl). Schon frühzeitig nahmen die Maler für die Farbstoffe drei primäre Farben oder Grundfarben, nämlich Rot, Gelb und Blau, an, durch deren Mischung sich alle andern Farbstoffe erhalten ließen; so z. B. Orange aus Rot und Gelb, Grün aus Gelb und Blau, Violett aus Rot und Blau u. s. w., wobei wohl zu beachten ist, daß hier nicht von Spektralfarben (s. Spektrum), sondern nur von der Farbe der entsprechenden Pigmente die Rede ist. Um die Mischfarben zu dunkeln, dienten schwarze, um sie aufzuhellen, weiße Pigmente. Die durch die Praxis genährte Ansicht der Maler von den obengenannten drei Grundfarben erhielt eine weitere Stütze durch Brewster (1822), welcher auch die Farben des Spektrums (s. Dispersion) auf jene drei Grundfarben zurückzuführen versuchte. Indessen hat später Helmholtz nachgewiesen, daß Brewster bei seinen diesbezüglichen Spektralstudien Täuschungen unterworfen war. Auch die wissenschaftliche Farbenlehre nimmt drei Grundfarben an, aber diese beziehen sich auf drei Grundempfindungen, welche nach Young (1802 und 1807) Rot, Grün und Violett, nach Maxwell (1860) Rot, Grün und Ultramarinblau sind, und aus welchen sich die Empfindungen aller andern Farben, sowie ihrer Mischung zu Weiß ableiten assen. Die Versuche mit Farbenblinden deuten darauf hin, daß Rot, Grün und Blauviolett die drei Grundempfindungen für die Wahrnehmung aller Farben sein dürften. Auch die Wirkung der gemischten Pigmente beruht in letzter Instanz auf jenen drei Grundempfindungen. Jede durch Mischung von Pigmenten erhaltene Farbe kann durch kleinere oder größere Beimischung einer andern (man sagt dann, sie ziehe oder habe einen Stich in diese oder jene Farbe), 1„9 verschiedenen Glanz, verschiedene Lebhaftigkeit, Reinheit, Sättigung u. s. w. unendlich viele Schattierungen und Nuancen geben. Man bezeichnet die hauptsächlichsten dieser Nuancen entweder mit gewissen hergebrachten Namen oder nach gewissen Gegenständen, welche diese Nuancen am schärfsten zeigen, oder endlich durch Beisätze, wie: hell, dunkel, hoch, tief, brennend, grell, sanft, lebhaft, matt, fett, mager, schmutzig, rein u. s. w. Von besonderer Wichtigkeit sind die Begriffe Sättigungo, „Helligkeito und Ton oder Tintes der F. Ist eine F. von der Zumischung des weißen oder farblosen Lichts gänzlich frei, so nennt man sie vollkommen, agesättigto; je mehr weißes Licht sie enthält, desto weniger gesättigt oder blasser erscheint sie. Die KHelligkeito der F. bezieht sich auf ihre Lichtstärke oder Intensität, während ihr Tono oder Tinter auf ihre Schwingungszahlen oder ihre Lage im Spektrum sich bezieht. Für naturhistor. Zwecke, besonders für die F. als mineralog. Kennzeichen, hat man, um einige Übereinstimmung in Benennung der Farben zu erlangen, besondere