FeedFarnése
GeschichteBrockhaus 1882

Farnése, ein ital. Fürstenhaus, dessen Stammbaum bis zur Mitte des 13. Jahrh. hinaufreicht und dessen Kastell F. südlich vom See von Bolsena liegt. Die Familie gab der Kirche und der Reublik Florenz mehrere tapfere Krieger, darunter 65 etro F., gest. 1363, florentin. Heerführer im riege gegen Pisa. Die Größe des Hauses schreibt sich her von Alessandro F., Papst Paul III. (s. d.). Dieser machte seinen natürlichen Sohn, Pier Luigi, zum Herzog von Castro und Ronciglione, dann 1545 zum Herzog von Parma und Piacenza. Willkür und wüstes Leben Pier Luigis, aber auch Reisserrant des eigenmächtigen Schaltens des Adels veranlaßten eine im Einverständnis mit lnd, 3 Gonzaga, Karls V. Statthalter in Maiand, angezettelte Verschwörung mehrerer Edelleute, als deren Opfer der Herzog 10. Sept. 1547 fiel, worauf Gonzaga im Namen des Kaisers Piacenza besetzte. — Ottavio F., geb. 1520, Sohn und Nachfolger Pier Luigis, geriet über den Versuchen, Piacenza wiederzugewinnen, in arges Zerwürfnis mit seinem Schwiegervater, Karl V., dann, als er sich Heinrich II. von Frankreich anschloß, auch mit Papst Julius III., sodaß er selbst mit dem Verlust Parmas bedroht war, aber endlich zu ehrenvollem Vergleich gelangte. Seine Gemahlin, Margaretha von Parma (s. d.), söhnte sich mit dem Hause Osterreich aus. Nachdem er hierauf 30 Dawur eines ungestörten Friedens genossen, den er enutzte, um das Glück seiner Unterthanen zu befördern, starb er 1585. Ihm folgte in der Regierung sein ältester Sohn, Alessandro F., geb. 1546, von seiner thatkräftigen Mutter ganz zum ½ erzogen. Unter Don Juan d'Austria, seinem Oheim, focht er 1571 bei Lepanto. Später folgte er seiner Mutter nach den empörten Niederlanden, wo er 31. Jan. 1578 den Sieg bei Gemblours über die Geusen erkämpfen half. Bei Belagerungen fester Plätze zeigte er ebenso viel Talent wie Mut, namentlich vor Oudenaarde 1582 und bei der Belagerung von Antwerpen 1585. Bisher stets vom Glücke begünstigt, kränkte ihn um so mehr das Mißlingen der Expedition nach England auf der sog. Armada s. d.), an deren Spitze ihn Philipp II. gestellt atte. Nach seiner Rückkehr nach den Niederlanden erhielt er den Oberbefehl des zum Beistande der Katholiken nach Frankreich bestimmten Heeres, wo er durch seine Ankunft Heinrich IV. nötigte, die Belagerung von Paris aufzuheben. Doch schlecht unterstützt, mußte er der Übermacht weichen und starb bald darauf 3. Dez. 1592. Ihm folgte sein ältester Sohn, Ranuzio I. F., eb. 1569, gest. 1622, ein finsterer, habsüchtiger Farst. Die Unzufriedenheit des Adels mit seiner Regierung benutzte er, den Häuptern der angesehensten Familien eine Verschwörung anzudichten und sie 19. Mai 1612 hinrichten und ihre Güter einziehen zu lassen. — Sein Sohn und Nachfolger, Odoardo F., geb. 28. April 1612, gest. 12. Sept. 1646, besaß Talent und Bildung, aber noch mehr Dünkel und Eigenliebe. Sein Krieg gegen Kam Urban VIII., aus Anlaß des von der päpstl. Kammer zur Deckung der farnesischen Schulden mit Beschlag belegten Herzogtums Castro, legte den Verfall der ital. Kriegführung des 17. Jahrh. an den Tag. Die letzten des Hauses, Ranuzio II., Francesco (gest. 26. Febr. 1727) und Antonio (gest. 20. Jan. 1731), mit welchem die F. erloschen, waren ohne acmn un Nach Antonios Tode kam Parma zunächst an Don Carlos, Sohn König Pbilipps V. von Spanien und Clisabeth F.s. (S. unter Parma. Der Name der Familie F. knüpft sich auch an mehrere berühmte Kunstwerke. Der Farnesesche Palast, ein für Papst Paul III. als Kardinal durch Antonio da Sangallo den Jüngern unternommener Bau, bildet ein freistehendes, gleichseitiges Viereck an dem Platze F. in Rom. Die Vollendung erfolgte durch Michel Angelo, von dem namentlich das reichverzierte Hauptgesims und das große Fenster über dem Eingange der Vorderseite, sowie der Hof mit Ausnahme der Loggia an der Hinterseite herrührt, welche letztere von Giacomo della Porta angegeben wurde. Der Palast gehört u den vorzüglichsten in Rom. Nach dem Aussteren der F. kam er mit dem Allodialbesitz an Köni Karl III. von Neapel, zweiten Sohn Girabeth 6.3, und ward 1861 von dem vertriebenen König ranz II. bezogen. Die antiken Bildwerke sind jetzt meist im Museum zu Neapel. Von großem Narmait ist die Galerie mit den Fresken Annibale arraccis, dem umfangreichsten und wichtigsten Werke dieses Malers. Sie stellen in ihren Hauptstücken den Triumph des Bacchus und der Ariadne, den opfernden Pan, Aurora und Kephalos, die Entführung des Ganymed, Luna und Endymion und andere mytholog. Geschichten dar. Die Farneseschen Gärten auf dem Palatin, welche den zur Anlage der romulischen Stadt und in der Kaiserzeit zu jener der Paläste Tibers, Caligulas und der Flavier verwendeten Teil des Hügels umfassen, gingen in den Besitz Napoleons III. Über, welcher dort bedeutende Ausgrabungen unternahm, die seit 1870 von der ital. Regierung fortgesetzt werden. Baldassar Peruzzi für Agostino Chigi, den reichen sienesischen Bankier und warmen Kunstfreund der Zeit Papst Julius' II. und Leos X., erbaute Villa in Trastevere, die durch Kauf an Kardinal Alessandro Farnese, Bruder Ottavios, gelangte und zuletzt als Erbpachtgut dem Herzog von Ripalda, Salvator Bermudez de Castro (gest. 1883), gehörte. Berühmt ist sie vor allem durch die Fresken Rafaels. Am Gewolbe der großen Halle ist nach seinen Zeichnungen die Geschichte der Rahe in einem anstoßenden Saale das unter dem Namen der Mee bekannte Gemälde ausgeführt, welches die Meeresgöttin darstellt, wie sie in ihrem Muschelwagen in Begleitung von Tritonen und Rymphen über die Fluten fährt. Auch finden sich in der F. noch Fresken von Peruzzi, Seb. del Piombo und Sodoma.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 586Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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