Alberoni (Giulio), Kardinal und span. Staatsminister unter Philipp V., wurde 31. Mai 1664 zu Fiorenzuola unweit Piacenza als der Sohn eines Winzers geboren. Zuerst Kirchendiener der Kathedrale zu Piacenza, gewann er die Gunst Barnis, des udenceftt von Ravenna, wodurch es möglich ward, in den geistlichen Stand zu treten. Später wurde er dem Herzoge von Vendöme bekannt, der das felben Heer in Italien befehligte. A. folgte demselben 1706 nach Frankreich und 1711 als Sekretär nach Spanien an den Hof Philipps V. Hier lernte er die einflußreiche Fürstin Orsini kennen, die den klugen und gewandten Mann für ihre Pläne zu benutzen hoffte. Durch ihren Einfluß wurde A. Geschäftsträger des Herzogs von Parma und vermittelte in dieser Stellung die zweite Ehe Philipps V. mit Elisabeth Farnese, der letzten ihres Hauses und Erbin von Parma. Gerade diese Ehe aber veranlaßte den Sturz der ränkevollen Fürstin, während sie A., der als Freiwerber des Königs die Prinzessin selbst aus Italien nach Spanien geleitete und ganz ihr Herz gewann, zur höchsten Würde im Reiche verhalf. Schon 1714 leitete er die Geschäfte; nach wenigen Jahren verlieh ihm der Papst den Kardinalshut. Seine rührige und aufgeklärte Verwaltung rief in Spanien neues Leben wach, aber seine ans Abenteuerliche streifende äußere Politik, die alle Kabinette Europas in Bewegung brachte, zog dem Staate neue Opfer und Wirren zu. Sein Ehrgeiz, oder mehr wohl der seines Königs und seiner Herrin, denen er dienen mußte, war, die europäische Macht des durch den Utrechter Frieden gebrochenen Spanien wiederherzustellen. Vor allem — A., die ital. Provinzen, die Osterreich zugefallen waren, wiederzugewinnen, da dieser Staat durch die türk. Angriffe seit Dez. 1714 vollauf beschäftigt schien. Seine Feindseligkeiten richteten sich aber auch gegen die andern Mächte, denen an der Aufrechthaltung der Utrechter Beschlüsse liegen mußte: England und Holland, ja auch Frankreich, wo mit der Regentschaft Philipps von Orléans ein den Ideen —11 XIV., für welchen Philipp V. als dessen Enkel eintrat, völlig entgegengesetztes System zur Herrschaft gekommen war. In enge Verbindung trat A. mit dem Grafen Görtz, der damals Schwedens Politik leitete. Ihr Plan war, zwischen Rußland und Schweden Frieden zu schlleßen, die schwed. Macht auf England zu stürzen, den Einfall des Prätendenten Jakob Stuart, Jakobs II. Sohn, in Schottland zu unterstützen und auch in Frankreich die gleiche Parteirichtung an die Spitze zu bringen. So kam es 90 der Verbindung der au degeailoen Mächte in er Quadrupleallianz, die den Frieden von Utrecht aufrechterhalten wollten (Sommer 1716). Der Angriff auf Italien, den A. im Sommer 1717 unternahm, versprach anfangs Erfolg. Sardinien ward occupiert, und 1718 Hebm sich eine zweite Meint in den Besitz von Palermo und der Stadt essina. Dann aber — —1— der Rückschlag. Die schwed. Schiffe, die Karl XII. nach England hatten bringen sollen, waren schon vor Stralsund vernichtet, der König selbst ward vor Frederikshall erschossen, der schott. Aufstand mißglückte, die span. Flotte aber ward von dem engl. Admiral Byn am sicil. Vorgebirge Passaro 10. Aug. 1718 fast vernichtet. Ssterreich machte sich durch den Frieden mit den Türken in Passarowitz die Arme in Italien frei; eine spanische, für Schottland bestimmte Flotte ward bei Kap Finisterre Opfer der Stürme, während die Engländer die Küsten Galiciens verwüsteten. Auch drang ein franz. Heer Anfang 1719 in Spanien selbst ein. Als nun so 910 Wafie Europa zum Kampfe gegen Spanien in ie Waffen gerufen war, willigten endlich Philipp V. und Elisabeth in ihres Ministers Entfernung, die von den Verbündeten als erste Friedensbedingung verlangt wurde. Am 5. Dez. 1719 erhielt A. den Befehl, das Land zu verlassen. Das päpstl. Gebiet, wohin er sich begeben wollte, wurde ihm von Clemens XI. verboten. Nachdem er sich ein Jahr lang in den Apenninen verborgen aufgehalten, auch eine glänzende Rechtfertigung seiner Politik geschrieben, nahm er nach dem Tode Clemens' XI. (1721) seinen Sitz im Konklave ein und beteiligte sich an der Wahl Innocenz' XIII., der ihm seine Gunst fortan zuwendete und nur zum Schein ihm auf kurze Zeit ein Kloster zum Wohnort anwies. Unter Benedikt XIII. (1724) fiel A. e neue in Un-Roma und zog sich von Rom auf sein Gut Castelomano zurück. Clemens XII. ernannte ihn dagegen 1734 zum Legaten von Ravenna, in welcher Stellung er ohne Erfolg versuchte, die Republik San-Marino dem Kirchenstaate einzuverleiben; der Papst selbst machte dies rückgängig. Zuletzt lebte er in Piacenza, wo er 26. Juni 1752 starb. Vgl. Rousset, „Vie d'A.v (Haag 1719); Bersani, Storia del Cardinale Giulio A.„ (Piacenza 1862).