Faßfabrikation (frz. fabrication des tonneaux, engl. coop-manufacture), die fabrikmäßige Herstellung der Fässer, d. h. aus Dauben bestehender, durch Reifen zusammengehaltener und mit zwei kreisrunden Böden versehener Holzgefäße in einer von der Mitte aus nach oben und unten sich verjüngenden Form. Die Anfertigung von Fässern aller Art war seit den frühesten Zeiten der industriellen Entwickelung Gegenstand eines eigenen, von den Faßbindern (in vielen Teilen Deutschlands auch Böttcher, Büttner oder Küfer genannt) zunftmäßig betriebenen Handwerks; noch um 1860 bildete dieselbe in allen Kulturländern einen Zweig des Kleingewerbes. In Amerika begann man um diese Zeit die Herstellung der Fässer im großen mit Hilfe geeigneter Spezialmaschinen zu betreiben, und die wiener Weltausstellung des J. 1873, welche die amerikanische F. mit ihren gewaltigen Hilfsmitteln zum ersten mal zur allgemeinen Anschauung brachte, regte auch in Deutschland zu gleichartigen Bestrebungen an. Gegenwärtig hat diese noch junge Industrie schon eine hervorragende wirtschaftliche Bedeutung erlangt, welche den Arbeitsprozeß derselben zu einem der interessantesten macht. Dauben und Böden werden meist aus utem Eichenholz, für manche Zwecke (Cementässer u. s. w.) auch aus geringwertigern Hölzern verfertigt; die Reifen werden entweder aus olz oder Eisen hergestellt. Das in Deutschland zur F. verwendete Eichenholz wird meist von österr. Händlern aus den Karpathen eingeführt. Ein wesentlicher Vorteil der F. nach deutscher Methode vor der amerikanischen besteht darin, daß bei der erstern die Dauben durch Spalten der Stämme hergestellt werden und somit die Holzfaser nicht verletzt wird, während die Amerikaner ihre Dauben meist mit der Säge aus ganzen Blöcken zuschneiden, weshalb die amerik. Dauben bei weitem nicht so widerstandsfähig wie die deutschen und viel eher zum Brechen geneigt sind. Auf der Tafel: Faßfabrikation sind die nach deutscher Methode erforderlichen Maschinen, wie sie von der Maschinenfabrik von Anthon u. Söhne in Flensburg gebaut werden, zusammengestellt. Die gespaltenen und getrockneten Daubenstäbe werden zuerst auf einer Daubenabkürzsäge O 1) zu der genau der Faßgröße entsprechenden änge geschnitten. Die außerordentlich schnell rotierende Sägewelle trägt zwei Kreissägen, welche nach der Länge der erforderlichen Dauben einzustellen sind. Eine zweite Welle trägt zwei nach der Lage der Kreissägen verstellbare Scheiben, deren Umfang ein regelmäßiges Polygon mit zahnartigen Erhöhungen darstellt; diese Scheiben haben den doppelten Zweck, beim Schneiden dicht an den Sägeblättern eine feste Unterlage für das Holz zu bilden und durch Vorsprünge (Nasen) die aufgelegten Daubenstäbe beim Schnitt gegen die Sägescheibe vorzuschieben. Die mit der Daubenabkürzsäge vorgerichteten Stäbe kommen in eine Maschine zum Behobeln beider Breitseiten (Fig. 2), die die innere und äußere Faßfläche werden sollen, für welchen Zweck die öfters stark windschief gespaltenen Stücke eine besondere Anordnung der Messerwellen und Fuhrungswalzen erfordern. Von hier gelangen die gehobelten Dauben auf die Daubenfügemaschine (Fig. 3). Die Antriebswelle derselben ist auf einem esten Hohlgußgestell gelagert; die Antriebsscheibe iegt in der Mitte des Sägebocks. Vor den Scheiben befinden sich, vor ihrer ganzen Breite hergehend, Böcke, welche an die Vorlage einer Handdrehbank erinnern und zum Auflegen der Dauben dienen; die Auflagekanten sind gegen die Messerscheiben, die Böcke in ihrer Höhe verstellbar. Je höher die Böcke stehen, desto flacher werden die Dauben. Letztere werden durch Klauen, auf welche ein Trethebel wirkt, fest auf die Unterlage gepreßt und mit dieser gegen die Messerscheibe bewegt. Bei gewöhnlichem, dünnem Holz wirkt die Preßvorrichtung so kräftig auf die Dauben, daß jede etwa vortommende Windschiefe auf der Unterlage verschwindet und die Daube in der Weise gefügt wird, wie es isch spätere Lage im fertigen Faß verlangt. Bei schwerern Stäben dagegen, wie solche zu Bier- und Spritfässern verwendet werden, ist es unmöglich, die Windschiefe während der Fügearbeit vollständig zu beseitigen; die Stäbe dieser Gattung müssen daher, um mit Sicherheit ein dichtes Faß Baucherr zu können, auf der gewöhnlichen in den öttcherwerkstätten gebräuchlichen Fügebank nachgearbeitet werden. Diese Operation ist jedoch sehr einfach und erfordert keine große Geschicklichkeit, da die Maschine den Hauptteil der Arbeit verrichtet hat und gewöhnlich 1—2 Striche mit dem Messer hinreichen, um die richtige Fügung herzustellen. Für viele Faßarten wird es genügen, die Fügeseiten der Dauben durch Sägeschnitt herzustellen; diesem Zweck dient die in Fig. 4 dargestellte Daubenfügesäge. Um stets die richtige Schmiege der Schnittfläche zu erhalten, ist vor der Sägescheibe ein Auflagetisch angeordnet, der sich in einer quadratisch gebogenen Führungsleiste schlittenartig bewegen läßt. Die Dauben liegen beim Sägen auf an dem Tisch befestigten, gebogenen und mit Haken versehenen Flacheisen, wodurch sie von der Hand des Arbeiters leicht zu führen und genau zu schneiden sind. Aus den so vorbereiteten Dauben werden die Fässer zusammengesetzt, bei welcher Arbeit man sich der Aufsetzform (Fig. 5) bedient. Dieselbe besteht aus einem horizontalen Gußeisenring auf Rollen, mit einem Ansatz gleich dem innern Durchmesser des zu bildenden Faßkopfendes. Auf diesen Ansatz wird ein schmiedeeiserner Ring (der sog. Arbeitsring) gelegt und über die an dem Gußring sitzenden, mit beweglichen Knaggen versehenen Arme ein weiterer hölzerner Arbeitsring gezogen. Hierauf paßt man die Dauben in die Arbeitsringe möglichst dicht ein und hilft eventuell durch Schlagen nach. Erfordert es die Stärke der Dauben oder die Härte und Unbiegsamkeit des Holzes, so werden die einseitig zusammengepaßten, mit zwei Arbeitsreifen versehenen Dauben einem Dämpf- oder Eintaucheverfahren ausgesetzt, um auf der folgenden Maschine die Zusammenbiegung auf die vollkommene Faßform zu erleichtern. Iu Fig. 6 ist die Faßbiegemaschine abgebildet. Der wirkende Teil derselben besteht aus einem Drahtseil, welches, da die Maschine im Ruhezustand gezeichnet ist, auf einer Gabel ruht. Dieses Seil bildet eine Schlinge, deren eines Ende fest an dem Gestell der Maschine sitzt, während das andere an einer Kette befestigt ist, die, um die losen Faßdauben gelegt, beim Anziehen die Dauben —1. Faßform zusammenwindet. Nach beendetem Winden kommt das Faß zum Trocknen über ein Feuer, das sich in einem gußeisernen Heizkörper (der Hitzhaube) befindet und mit den bei der Fabrikation abfallenden Spänen unterhalten wird. Da leichte Fisser beim Winden öfters schief gezogen werden, bringt man dieselben nachträglich noch auf eine besondere Egalisiermaschine (Fig. 7). Der wesentlichste Teil derselben besteht aus zwei kreisförmigen Scheiben, von denen die eine fest am Gestell, die andere durch eine Schraube und die auf dieser befindliche Mutter in horizontaler Richtung verschiebbar ist. Nach dem Trocknen und Cgalisieren, bei großen Fässern auch teilweise vor dem Trocknen, werden die Arbeitsreifen angezogen. Für mittlere und große Fässer bedient man sich zu dieser Operation der Arbeitsreifen-Aufziehmaschine (Fig. 8). Dieselbe besteht aus einem in der Höhe des Bodens befindlichen Tisch, durch welchen vier bis sechs in Haken endende, etwas gebogene Anzieheisen gehen; die letztern sind an einem gemeinschaftlichen Querhaupt befestigt, welches, auf einer Schraubenspindel sitzend, durch Drehung derselben gehoben und gesenkt werden kann. Das Aufziehen der Reifen erfolgt in der Weise, daß man das Faß auf den Tisch bringt und durch Einrücken einer Friktionsscheibe die Senkung der Anzieheisen beliebig weit eintreten läßt. Für kleine Fässer werden Maschinen konstruiert, mittels deren sich die Arbeiten des Egalisierens und Reifenanziehens gleichzeitig ausfuhren lassen. Die übrigen noch zur F. dienenden Vorrichtungen bewirken die Bildung und Befestigung der Böden. Die erste derselben ist die Maschine zur Herstellung der Kröse zur Aufnahme des Bodens (Fig. d). Auf einem starken Gestell sind zwei Zahnräder drehbar elagert, welche je nach der Länge der zu krösenden