FeedHolzstifte
TechnikBrockhaus 1882

Holzstifte, hölzerne Schuhstifte, die zur Verbindung des Schuhsohlleders mit dem Oberleder dienenden, aus Birken-oder Ahornholz gebildeten Nägel. Dieselben haben eine Länge von 10 20 mm und einen prismatischen Schaft von quadratischem Querschnitt und 1—3 mm Stärke, an den sich die verschieden gestaltete Spitze anschließt. Je nach der Form der Spitze unterscheidet man amerikanische und deutsche (berliner) Stifte. Bei erstern sind alle vier Seiten zugeschärft, sodaß die Spitze eine vierseitige Pyramide bildet; bei letztern sind nur zwei Seiten zugespitzt und die Spitze hat halso Keilform. Die deutschen Stifte haben den amerikanischen gegenüber den Vorzug, daß sie ver-u möge ihrer keilförmigen Spitze das Leder und die b Leisten mehr schonen und die Arbeit erleichtern. Der Grund, weshalb eine Zeit lang die amerik. Stifte 9 hauptsächlich Anwendung fanden, lag in der bessern Funktionierung der zur Fabrikation derselben be-n nutzten Maschinen und in dem unbedingten Erfor⸗ d dernis sorgfältiger Herstellung bei den deutschen H. 1 Die Fabrikation dieses Massenartikels wird ausschließlich mittels Maschinen Lanaßdtelden uit nen ausgeführt. Die den Rohstoff desselben bildenden Baumstämme werden durch eine Pendelsäge in Längen von ungefähr 2 mzerschnitten und diese Stücke mittels geeigneter Transportvorrichtungen einer Kreissäge zugeführt. Diese Säge, welche den Stamm in lauter einzelne Scheiben (Querschnitte) von der Länge der fertigen Stifte zerlegt, hat selbstthätigen Vorschub der löcke parallel zur Achsenrichtung der Säge und ist mit Vorrichtungen versehen, durch deren genaue Einstellung immer gleichstarke Scheiben abgeschnitten werden. Diese gelangen hierauf zur Spitzmaschine, um auf einer Seite mit Spitzen versehen zu werden. Sollen Stifte mit pyramidenförmigen Spitzen rgestellt werden, so müssen die Scheiben —1 ängs der Furchen als auch senkrecht zu denselben ausgehobelt, also einmal gewendet werden; bei den deutschen Stiften mit keilförmigen Spitzen ist nur ein Hobeln in einer Richtu nötig. Eine Spitzmaschine i in den beistehenden Fig. 1—3 abgebildet. An den Seitenwänden a und ai des Gestells sind die Laufschienen b angeschraubt, auf denen sich ein aus 21 Platten bestehender Tisch bewegt; die Platten sind derart durch Scharniere miteinander verbunden, daß der Tisch c eine Kette ohne Ende bildet (Kettentisch). Zum Nachstellen des Kettentisches dienen die Rollen d di da d.. Auf der innern Seite sind sämtliche Platten mit Zähnen versehen, in welche die Vorschubgetriebe eingreifen, die mittels des Schneckenrads h, der Schnecke i, der stehenden Welle j und der konischen Räder K und 1 von der Betriebswelle maus bewegt werden. In den an die Füße des Gestelles angegossenen Lagern o und oi rotiert die Welle m, welche durch die Kurbelstange p die Bewegung auf den doppelarmigen Hebel d qr, die Zugstange r und den Support s überträgt; letzterer leitet infolge dessen auf der prismatischen, an zwei Böcken u und un festgeschraubten Schiene t hin und her. Am Support ist der Stichelhalter drehbar befestigt, sodaß er beim Rückgang desselben in die Höhe klappen kann und dadurch jede unnötige Reibung der Schneide des an ihm befestigten Stichels im Holze vermeidet. Der stählerne Stichel ist mit einer halbrunden Nut versehen, um die Schneiden recht hohl schleifen zu können, was den guten und glatten Schnitt wesentlich befördert. Die Gummiwalzen w haben den Zweck, die gespitzte Holzplatte fest auf den Kettentisch anzudrücken, um dadurch ein sicheres Mitnehmen der erstern zu erzielen. Um auch verschieden große Spitzen anfertigen zu können, sind die Böcke u und un verstellbar gemacht; auch kann eine Veränderung der Feinheit des Schnittes 0 Auswechselung des Schneckenrads h und der Schnecke i bewerkstelligt werden. Die vorstehend besprochene Maschine hobelt mittels ihres Stichels feine Streifen aus der untergelegtenHolzplatte aus, sodaßaus dem stehenbleibenden Material die entweder keil-oder pyramidenförmigen Spitzen gebildet werden. Diese Platten kommen alsdann zur Spaltmaschine, mittels deren die Spitzenreihen voneinander abgetrennt und in einzelne Holzstifte zerlegt werden. Die hierbei zur Verwendung kommende Maschine arbeitet, indem ein an Linealen befestigtes zweischneidiges Messer mittels Excenter und Zugstangen in die unter ihm aufgespannte gespitzte 9.er Lang einschneidet. Letztere wird einmal in ihrer Längenrichtung auf den Tisch gelegt, um einzelne Reihen abzuspalten, dann in ihrer Querrichtung, um die gebildeten Reihen in einzelne Stifte aufzulösen. Um beim ersten Spalten ein vollständiges Auseinanderfallen der Platte in einzelne Reihen zu vermeiden, wodurch das zweite Spalten erschwert würde, wird der Hub des Messers derartig gestellt, daß das Messer beim ersten Spalten (Vorspalten) nur die Hälfte der Plattendicke, beim zweiten Spalten dagegen drei Viertel der Dicke durchdringt; auch sind die Platten während des ersten Spaltens mit einem Lederriemen umbunden. Damit das Messer regelmäßig in den Grund der Spitze einschneidet und nie sie selbst trifft, wird der Vorschub mit Walzen bewirkt, deren Riffelung genau der Entfernung je zweier aufeinander folgenden Zähne entspricht und die, von dem Messerantriebe dewegt, in die Spitzen der Platte eingreifend, die letztere nach jedem Spalten um eine Spitzenweite vorschieben. Die durch das Spalten der Platten entstandenen einzelnen Stifte sind naß und haben gewöhnlich eine rötliche Färbung. Zur Beseitigung der letztern werden dieselben durch schweflige Säure gebleicht. Man schüttet sie hierzu in eine mit doppelten Wandungen versehene Trommel, deren innerer Boden durchlöchert ist und durch Gummischläuche mit einem Gefäß in Verbindung steht, in welchem Stücke Schwefel brennen und durch einen mittels Ventilators zugeblasenen schwachen Luftstrom im langsamen Verbrennen zu schwefliger Säure unterhalten werden. Die gebleichten Stifte werden dann noch in mit feiner Drahtgaze umzogenen Trommeln, welche sich in Behältern befinden, die mit warmer Luft geheizt sind, getrocknet und schließlich auf den Siebmaschinen von den mit ihnen gemischten Splittern befreit. Die Siebmaschine besteht aus einem an einem Gestell aufgehängten Siebkasten, der mittels Kurbelbetriebes in hin- und Sobmmarchen Bewegung versetzt wird und dessen iebmaschen etwas kleiner als die Querschnitte der zu siebenden H. sind. Beim Sieben fallen die bei-Verunn ße Holzsplitter durch, während die zum erkauf fertigen Stifte auf dem geneigt liegenden Siebe hinabgleiten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 362Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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