FeedFauche-Borel (Louis)
GeschichteBrockhaus 1882

Fauche-Borel (Louis), Unterhändler der Bourbons 61142 der ersten franz. Revolution, war zu Neuchätel 12. April 1768 geboren und wurde Buchdrucker. Als er sich zu Anfang der Revolution in Paris befand und ein Pamphlet gegen die Königin zum Druck erhielt, übersendete er ihr dasselbe. Die verbindlichen Worte, die er dafür erhielt, bestimmten ihn, sein Leben der unglücklichen königl. Familie zu widmen. Zunächst druckte und verbreitete er die Manifeste der Prinzen und Emigranten. Sodann bediente man sich seiner zu den Verhandlungen mit Pichegru, zu welchem Zwecke er sich in Straßburg als Buchhändler niederließ. Hier wurde er zwar auf Befehl des Direktoriums 1795 verhaftet, da man aber bei ihm keine verdächtigen Papiere fand, bald wieder freigelassen. Als Pichegru nach England geflohen, trat F. mit Barras wegen der Restauration der Bourbons in Unterhandlung, und von Ludwig XVIII. bevollmächtigt, machte er auch mehrere Reisen an die befreundeten Höfe, bis der 18. Brumaire plötzlich alle seine Pläne vernichtete. Pichegru schickte ihn indessen wieder nach Frankreich, um mit dem General Moreau anzuknüpfen. Die Unterhandlung wurde plötzlich durch die Gefangennahme F.s unterbrochen. Nach 18 Monaten erhielt er durch die Fürsprache des preuß. Gesandten seine Freiheit wieder unter der Bedingung, die sranz. Grenze zu meiden. Dessenungeachtet wagte er nach der Thronbesteigung Napoleons das Manisest Ludwigs XVIII. an die franz. Nation zu verbreiten. Er zog 1814 mit den Verbündeten in Paris ein, wo er nun von dem Fürsten Hardenber zu geheimen Unterhandlungen gebraucht wurde. Rach der Rückkehr Napoleons erhielt er von Wien aus eine Sendung an Ludwig XVIII. nach Gent, wurde aber in Brüssel festgenommen und erst auf Verwenden des preuß. Gesandten in Freiheit gesetzt. Hierauf brachte er wieder längere Zeit in England zu, wo er, wie in Preußen, Heimatsrecht besaß und auch eine Pension erhielt. Später schickte man ihn als preuß. Generalkonsul nach Neuchätel. Die Bourhons bewiesen sich gegen F., der ihnen Leben und Vermögen geopfert, sehr undankbar; erst Karl X. gewährte ihm eine Pension von 5000 Frs. In der letztern Zeit seines Lebens beschäftigte er sich mit der Landwirtschaft und starb 4. Sept. 1829 durch einen vielleicht unfreiwilligen Sturz aus dem Fenster. Nach seinem Tode wurden seine Mémoireso (4 Bde., Par. 1830) veröffentlicht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 604Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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