FeedFaucher (spr. Fohscheh, Jul.)
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Faucher (spr. Fohscheh, Jul.), namhafter deutscher Volkswirt, Mitbegränder der Deutschen Frei⸗ ö handelspartei, wurde aus ursprünglich franz. Familie 13. Juni 1820 zu Berlin geboren und studierte daselbst Philosophie und Nationalökonomie. In seinen ersten litterarischen Arbeiten vertrat er als Anhänger Adam Smiths mit großer Wärme die Richtung Cobdens und der engl. Freihändler. Darauf übernahm er 1846 die Redaction der in Stettin erscheinenden «Börsennachrichten der Ostseev und vertrat 1848 in dem zu Frankfurt a. M. tagenden sog. Zollparlament der Handelsstände die unth We Kaufmannschaft, siedelte aber bald darauf nach Berlin über, wo er unter dem Namen „Die Abendposto das erste in Deutschland erschienene Organ der reinen Freihandelslehre begründete. Gleichzeitig bildete F. mit H. Beta, E. Wiß, J. Prince-Smith, C. Noback u. a. den ersten Deutschen Freihandelsverein, aus welchem später die berliner Voltswirtschaftliche Gesellschaft hervorging. Rachdem unter dem Ministerium Manteuffel-Westphalen die «Abendpost o 1850 unterdrückt worden war, ging F. nach England und trat dort 1856 in die Redaction des «Morning Starv, der ersten ganz billigen londoner Zeitung, welche die engl. Freihandelspartei durch Cobden, Bright und Milner Gibson gegründet hatte. Nach der Thronbesteigun Wilhelms I. kehrte F. im Frühjahr 1861 na Deutschland zurück und begann nun eine bedeutende agitatorische Thätigkeit fur die Ausgleichung der bürgerlichen Gesetzgebung in allen deutschen Staaten in Bezug auf Gewerbefreiheit, Freizügigkeit und internationale Handelsfreiheit. Im preuß. Landtage, in welchen ihn 1861 der Wahlkreis Bitterfeld-Delitzsch wählte, schloß er sich der Fortschrittspartei an und nahm lebhaften Anteil an ihrem Kampfe gegen die Armeereorganisation. Im F. 1863 gründete er in Berlin mit Hilfe der noch lebenden Mitarbeiter der «Abendposto (vorzüglich Otto Michaelis) die 4Vierteljahrsschrift für Volkswirtschaft, Kulturgeschichte und Politiko. Nach Beendigung des Deutschen Kriegs von 1866 veranlaßten F. und Otto Michaelis im Verein mit Lette und Rud. von Bennigsen die Zusammenkunft der ständigen Deputation des Kongresses der deutschen Volkswirte, sowie der Ausschüsse des Deutschen Nationalvereins und des Deutschen Handelstags in Braunschweig, welche die erste Annäherung von Liberalen an das Ministerium Bismarck und die Gründung der nationalliberalen Partei zu Stande brachte. F. wurde nun von dem rhein. Wahlkreise Waldbröl-Gummersbach in das preuß. Abgeordnetenhaus gewählt, dem er bis 1870 angehörte. Im Deutsch-Französischen Kriege begleitete F. das deutsche Heer als Berichterstatter der londoner „Daily Nevso. Später verwendete F. seine Zeit teils auf die Herausgabe seiner « ierteljahrsschrifto, teils auf Besuche Englands, teils auf Reisen nach den Bädern am Mittelländischen Meere, welche er in Ein Winter in Italien, Griechenland und Konstantinopelv (2 Bde., Magdeb. 1876) beschrieb. Außerdem schrieb F. noch: Vergleichende Kulturbilder aus den vier europ. Millionenstädteno (Hannov. 1877) und «Streifzüge durch die Küsten und Inseln des Archipels und des Jonischen Meerso (Berl. 1878). Er starb 12. Juni 1878 in Rom.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 604Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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