Faunus war nach der unter griech. Einfluß umgestalteten röm. Sage ein uralter König in Latium, der Sohn des Picus, ein Enkel des Saturnus und Vater des Latinus, den ihm die Nymphe Marica gebar. Er lehrte seine Unterthanen den Ackerbau und die Viehzucht und ward deshalb nach seinem Tode als Wald- und Feldgott verehrt. F. war einer der altital. Hauptgötter. Als ein guter gnädiger Gott (der Name F. hängt mit faveo, günstig sein, zusammen) spendete er den Feldern wie dem Vieh und auch den Menschen Fruchtbarkeit. In dieser Eigenschaft ist er mit Inuus und Lupercus verwandt, während er sich als Waldgott mit Silvanus berührt. Das ihm zu Ehren auf dem Lande begangene Fest, Faunalia genannt, fiel auf den 5. Dez., an welchem Tage man ihm besonders Böcke opferte und alles Vieh frei herumschweifen ließ. Außerdem erscheint er noch als weissagender Gott, dessen Stimme man aus dem Dickicht des Waldes zu vernehmen glaubte. Als solcher hat er den Namen Fatuus, wie seine Tochter oder Gemahlin neben Fauna auch Fatua heißt, und hatte namentlich im Haine bei Tibur an der Quelle Albunea ein Heiligtum. In Rom hatte F. ein solches am Aventin und seit 196 v. Chr. einen Tempel auf der Tiberinsel. Als Hirten- und Waldgott, identifiziert mit dem griech. Pan (s. d.), vervielfältigte er sich in den Faunen, die mit den griech. Panisken verglichen und als mißgestaltete H mit krummen Nasen, kleinen Hörnern, spitzigen Ohren, Schwänzen und Bockfüßen dargestellt wurden. —— eine Bezeichnung des Orang-Utang