Wagner (Adolf Heinr. Daen md⸗ namhafter Volkswirt, Sohn des Physiologen Rudolf W. (s.d.), geb. zu Erlangen 25. März 1835, besuchte die Gymnasien zu Göttingen, wohin er mit seinen Eltern 1840 übergesiedelt war, und zu Bayreuth, studierte in Göttingen und Heidelberg Rechts- und Staatswissenschaften, promovierte dann auf Grund der Schrift „Beiträge zur Lehre von den Bankenv (Lpz. 1857) und folgte 1858 einem Rufe als Lehrer der Nationalökonomie an die Handelsakademie nach Wien. Im J. 1863 gab er diese Stellung auf, um eine Lehrstelle an der kaufmännischen Fortbildungsanstalt zu Hamburg anzunehmen, wurde dann 1865 als Professor der Statistik nach Dorpat, 1868 für die staatswissenschaftlichen Fächer nach Freiburg und 1870 nach Berlin berufen. Die wesentlichsten Arbeiten W.s sind: «Die Geld- und Kredittheorie der Peelschen Bankakte (Wien 1862), Die Ordnung des österr. Staatshaushaltso (Wien 1863), „Die russ. Papierwährunge (Riga 1868), Die Abschaffung des privaten Grundeigentums » (Lpz. 1870), «System der deutschen Zettelbankgesetzgebunge» (Freiburg 1870; 2. Aufl. unter dem Titel: „System der Zettelbankpolitiko, Berl. 1873), «Die Zettelbankreform im Deutschen Reiches (Berl. 1875). Der philos. Theorie der Statistik gehört die Schrift an: «Die Gesetzmäßigkeit in den scheinbar willkürlichen menschlichen Handlungend (Hamb. 1864). In der während des Krieges 1870 und 1871 rasch in sechs Auflagen erschienenen Schrift Elsaß und Lothringen » befürwortete er als einer der ersten die Wiedergewinnung des Reichslandes. Im J. 1871 übernahm er die Bearbeitung einer neuen Auflage des Rauschen «Lehrbuchs der polit. Okonomiev, von der aber nur ein Band («Finanzwissenschaft Io, Lpz. u. Heidelb. 1871 —72) dem ursprünglichen Plane entsprechend erschien. Dagegen begann er jetzt mit bloß äußerlicher Anknüpfung an das Rausche Werk die Veröffentlichung eines großen ganz selbständigen Lehrbuchs, von dem bisher erschienen sind: Bd. 1: 4Grundlegungo (Lpz. u. Heidelb. 1876; 2. Aufl. 1879), Bd. 5: Finanzwissenschafte (Lpz. u. Heidelb. 1877; 3. Aufl. 1884), Bd. 6; Fortsetzung der Finanzwissenschafte (Lpz. u. Heidelb. 1880). In diesem seinem Hauptwerke verfolgt W., wie schon früher in kleinern Schriften (zuerst in dem im Oktober 1871 gehaltenen Vortrage aliber die soziale soiialre Berl. 1872), eine Richtung, die er als «sozialrechtliches bezeichnet, und in der er eine kritische und positive Auseinandersetzung mit dem neuern wissenschaftlichen Sozialismus (besonders Rodbertus und Marx) erstrebt. Er zeigt sich dabei besonders den estaatssozialistischens Plänen günstig, so namentlich der Verstaatlichung der Eisenbahnen, für die er schon 1873 auf der eisenacher Versammlung des Vereins für Sozialpolitik (der «Kathedersozialisteno, s. d.) in einem Referat über das Aktiengesellschaftswesen eingetreten war, sowie (in einer in der Tübinger Zeitschrifte erschienenen Abhandlung) der Verstaatlichung des Versicherungswesens. Im allgemeinen steht W. in seinen sozialpolit. und sozialethischen Grundanschauungen mit den neuern Vertretern der histor. Nationalökonomie, besonders Schmoller, im Einklange, doch weicht er in manchen methodologischen und praktischen Fragen von derselben ab und hat sich auch von dem Verein für Sozialpolitik getrennt. Seit 1881 beteiligte W. sich auch lebhaft am polit. Leben in staatssozialistischer und christl.⸗sozialer Richtung. Er war 1882 —85 Mitglied des Abgeordnetenhauses und trat für das Tabaksmonopol als Grundlage einer umfassenden Arbeiterversicherung ein. Im Interesse seiner wissenschaftlichen Arbeiten nahm er jedoch 1885 ein neues Mandat nicht an. Sein Interesse Rodbertus veranlaßte ihn, sich an der Veröffentlichung des litterarischen Nachlasses dieses sozialistischen Denkers zu beteiligen. Schon 1878 gab er die „Briefe Lassalles an Rodbertuso heraus und später mit Kozak zwei Bände „Aus Rodbertus' litterarischem Nachlaßo (Berl. 1884—-85).