Faye (Auguste Etienne Albans), franz. Astronom, geb. 1. Okt. 1814 zu Benoit-du-Sault, war Schüler Aragos, zuerst Adjunkt an der pariser Sternwarte, dann Professor der Astronomie an der Polytechnischen Schule, seit 1847 Mitglied der pariser Akademie, sodann auch Mitglied des Bureau des longitudes. Seine astron. Arbeiten beziehen sich zum großen Teil auf Fragen der physischen Konstitution des Sonnenkörpers. Er entdeckte 22. Nov. 1843 einen Kometen, der wegen seiner kurzen Umlaufszeit von nur 7,4 Jahren besonderes Interesse in der Astronomie erregte. Jayenee oder Halbporzellan ist eine irdene, mit einer Glasur überzogene Töpferware, die in der Geschichte des Betriebs der ältern Kunst⸗ und Luxusindustrie eine eigentümliche Erscheinung bildet und sich durch Schönheit und Mannigfaltigkeit der Formen, Farben, Glasuren und Verzierungen merkwürdig auszeichnet. Die Araber an der Nordküste von 2 Ient verstanden schon im 9. Jahrh. (vermutlich lernten sie es von den Indiern), ihre irdenen Geschirre mit blei⸗ und zinnhaltigen Glasuren zu schmücken, und brachten ihre Fabrikationsweise nach dem von ihnen eroberten Spanien, wo sie zahlreiche Proben des vorgeschrittenen Zustandes ihrer Töpferkunst hinterlassen haben, unter welchen die Vasen der Alhambra die berühmtesten Stücke sind. Nur eine derselben ist ganz erhalten. Dagegen sind die Wände der Alhambra noch in den Lambris mit Fayencefliesen (Azulejos) bedeckt. Eine Eigentümlichkeit der span.⸗-maurischen Fayencegefäße besteht in dem metallischen Glanze. Derart ist aus dem 14. und 15. Jahrh. und noch aus späterer Zeit der Mauren vieles erhalten, entweder in dunkelbraunem oder in gelblichem oder in rotem Glanze. Im 15. Jahrh. kam die Fabrikation dieser 1eu. 9 F. von der Insel Masorca aus nach Italien, wo sie davon den Namen Majolika erielt und an den Sforza, Herren von Pesaro, eifrige 1. Mpuil l fand. Aus einer Verordnung vom 1. April 1486, welche den Töpfern zu Pesaro Privilegien erteilt, geht hervor, daß die Töpferwaren dieser Stadt schon eine große Berühmtheit sowohl in Italien als im Auslande erlangt hatten. Die s riken von Urbino, Gubbio, Castel-Durante tanden damals in gleichem Rufe mit den Fabriken von Pesaro. Diese erste ital. Majolika, die sog. Mezza-Majolika (Halbmajolika) hat in der Glasur denselben Glanz mit schillernden Metallreflexen, den man an den Arbeiten der span.⸗arab. Töpferkunst als charakteristisches Merkmal wahrnimmt. Als im Anfange des 15. Jahrh. Luca della Robbia (s. d.) zu Florenz das weiße Email aufgefunden und als überzug bei seinen Bildhauerarbeiten aus gebrannten Erden angewendet hatte, waren die Fabriken zu Faenza die ersten, die ihre Töpfereien mit einer Glasur von weißem Email überzogen, und daher kommt es ohne Zweifel, daß man den Namen F. (von Faenza) allen emaillierten F. italienischer und auswärtiger Fabriken beigelegt hat. Erst gegen das Ende des 15. Jahrh. begannen die Fabriken in Urbino, Gubbio, Castel-Durante und Pesaro das weiße Email zu gebrauchen, um die Glasur ihrer Töpferfabrikate zu bilden und den Grund abzugeben für die schönen Malereien, wodurch sich der Ruhm der italienischen F. des 16. e Wei so weit verbreitete. Nachdem man auf diese Weise für die Aufnahme der Farben einen viel bessern Grund als den bei der Mezza-Majolika gebräuchlichen weißen Firnis gefunden und die eigentliche Majolika (majolica fina) begründet hatte, suchte man die Fabrikation der bekannten Farben zu vervollkommnen und neue zu entdecken. Namentlich fanden die Töpfermeister ein Zinnoberrot und ein Grün, das die verschiedenen Farbentöne des Laubes annahm. Dies Zinnoberrot war aber allein bei der Fabrik zu Gubbio in Gebrauch, wo es der Meister Giorgio Andreoli 30 Jahre lang anwendete. Derselbe war es auch, der die echte Majolika mit dem irisierenden oder opalisierenden Metallglanze zu schmücken verstand, wie ihn die mauresken Gefäße oder die Majoliken zeigen. Seit dem Anfang des 16. Jahrh. fingen tüchtige Künstler an, sich auf das Bemalen der F. zu tverlegen, wobei sie sich nicht begnügten, dieselben mit Wappen, Blätterwerk, Ornamenten oder ein⸗ „zelnen Figuren zu schmücken, sondern sie verstiegen „sich bis zum Nachbilden histor. Gegenstände und kopierten Kartons, die ihnen von namhaften Mei⸗ „stern geliefert wurden. Die Malereien auf den „Majoliken vor 1530 haben noch etwas Hartes und 9Trockenes. Von dieser Zeit an machte aber die „Kunst beständig Fortschritte, und die F. aus den rFabriken in Pesaro, Urbino und Gubbio hatten in nBezug auf Töpferei ihre Vollkommenheit erreicht, als 1538 Guidobaldo II. souveräner Herzog des uHerzogtums Urbino wurde. Leidenschaftlich eingenommen für die schönen Erzeugnisse der Töpferkunst, welche den Ruhm der vornehmsten Ortschaften seines Ländergebietes ausmachten, ließ dieser Fürst den Majolikafabriken Schutz und Beistand jeglicher Art angedeihen und bestrebte sich vorzüglich, den Stil der Malereien zu verbessern, sodaß aus diesen .7 Kunstgegenstände wurden. Zu diesem Behuf sammelte er viele Handzeichnungen von Rafael und dessen Schülern und gab diese als Vorbilder den sanden. Man unter denen sich ute Zeichner befanden. Man trifft bisweilen auf Majoliken offenbar von Rafael herrührender Kompositionen, die anderweitig weder gemalt noch gestochen sind, oder auch Kopien von dessen bekannten größern Werken, die in einigen Punkten abweichen. Ohne Zweifel wurden diese Majolikamalereien nach verloren gegangenen Skizzen jenes Meisters ausgeführt, und dies gab Veranlassung zu der Sage, daß Rafael selbst, aus Liebe zu einem schönen Mädchen, auf Majolika gemalt habe. Guidobaldo verbreitete auch Marce Antons und ieß in die Töpferwerkstätten seines Landes und ließ sich bald nicht mehr an Kopien genügen, sondern wollte auch die Majolikagefäße mit Originalmalereien verziert sehen. Er beauftragte daher den venet. Maler Battista Franco, den er nach Pesaro berufen hatte, Kompositionen zu zeichnen als Muster für Majolikamaler, und bestellte zu demselben Zwecke auch Kartons bei geschickten Meistern der röm. Schule. Man begreift, daß es mit solchen Mitteln dem Herzog gelang, Fayencemaler von großem Verdienst heranzubilden. Unter den berühmtesten ist ganz besonders Orazio Fontana aus Urbino zu erwähnen. Derselbe arbeitete 1540—60 für den Herzog von Urbino und brachte die Emailmalerei auf Majolika zum höchsten Grade der Vollkommenheit. Fontana malte die Geschirre für Guidobaldos Haushaltung und die Prachtgefäße, welche dieser Fürst den hohen Potentaten zum Geschenk verehrte. Nach dem Tode des letzten Herzogs von Urbino, Francesco Maria II., wurden die Geschirre aus dem Guidobaldoschen Palast nach Loreto gebracht, wo sie noch jetzt zu sehen sind. Die Königin Christine von Schweden war bei ihrem Besuch in Loreto davon so entzückt, daß sie anbot, dieselben gegen eine gleiche Anzahl silberner Geschirre einzutauschen. Die Blütenperiode der Malerei auf Majolika erstreckt sich von 1538 bis etwas über 1560 hinaus. Bald nachher verließen die Fayencemaler im allgemeinen die Kompositionen höhern Stils bei ihren Nachbildungen, und der Tod des Herzogs Guidobaldo (gest. 1574) versetzte diesem Kunstzweige den empfindlichsten Schlag. Zwar blieben später noch einige Künstler den guten Traditionen ihrerVorgänger getreu und andere leisteten noch Meisterhaftes im Landschafts- und Arabeskenfach; aber nunmehr auf größern Absatz und vielfacheres Produzieren angewiesen, geriet jene Luxusindustrie unter dem Einfluß von Privatinteressen in schnellen Verfall und wurde im Laufe des 17. Jahrh. im Herzogtum Urbino ganz aufgegeben. Zu Pesaro bestand 1718 nur noch eine einzige Töpferfabrik, die bloß gemeine F. für den gewöhnlichen Hausgebrauch verfertigte; die Majolika war ganz abhanden gekommen. Nur in den Abruzzen und zu Neapel versuchte man 1700 eine Wiedererneuerung der Majolikenfabrikation, wobei verschiedene Mitglieder der Familie Grue sich auszeichneten. Aber diese sehr häufig vorkommenden neapolit. Majolilen erreichen nicht die Schönheit der alten Urbinaten; obwohl meist gut gezeichnet, sind sie zu blaß und schwach im Effekt. Viele haben landschaftliche Motive. Italien nahm dann ebenfalls die weiße porzellanartige F. an. Eine in ihrer Art einzige Kunsttöpferware ist die feine französische F. des 16. Jahrh., im Kunsthandel F. de Henri II benannt und aus einer feinen weißen Pfeifenerde verfertigt, sodaß die Masse nicht, wie bei der italienischen F., mit einer undurchsichtigen Glasur verdeckt zu werden brauchte und die dabei angebrachten Verzierungen im zierlichen Renaissance eschmack bloß mit einem sehr dünnen, etwas gelblichen, aber transparenten Firnis glasiert sind. Diese äußerst zierlichen Ornamente sind in die ebenso zierlichen, schön geformten Gefäße graviert oder vielmehr in Blättchen mit vertiefter Zeichnung aufgelegt, und die Vertiefungen sind mit andersfarbiger Erde gelb, braun, rot, schwarz) ausgefüllt. Es ist also nkrustation. Sie tragen die Embleme Franz' 1., einrichs II. und der Diana von Poitiers, wurden also ohne Frage gegen die Mitte des 16. Jahrh. verfertigt. Fabrikationsstätte war das Schloß Oiron in der Touraine, wo sie unter eigentümlichen Umständen durch die Schloßdame Helene von Genlis, Gräfin von Carabas, und deren Bibliothekar (daher die Ornamente ganz buchverzierungsartig sind) mit Hilfe eines Töpfers entstanden. Sie sind daher höchst selten (man kennt jetzt etwa 70 Stück) und sehr teuer; man bezahlt sie bis 50000 Frs. Gleichzeitig mit dieser eigentümlichen Töpferei entstand eine andere, nicht minder originelle Art von F., nach ihrem Erfinder Bernard Palissy (geb. zu Saintes 1519, gest. zu Paris 1589) genannt und berühmt. Palissy, eigentlich Geometer und Naturkundiger, wollte majolikaartige Ware erfinden, und gelangte endlich zum Ziele nach jahrelangen Mühen und Leiden, die er in seiner mehrmals herausgegebenen Selbstbiographie höchst interessant und lehrreich beschrieben hat. Seine Art besteht aber nicht in bemalter Fläche, sondern in farbig glasiertem Relief, sowie in eigentümlichem Naturalismus. Er bedeckt seine Gegenstände mit verschiedenen Pflanzen und Tieren aus der Gegend von Paris, mit Fischen, Insekten, Krebsen, Eidechsen, Muscheln u. s. w., die in Form und Farbe höchst vortrefflich über die Natur abgeformt und nachgebildet sind. So ist alles nur Luxusgerät, aber von großer technischer Kunst und dekorativer Schönheit. Seine Nachfolger schufen auch andere Gefäße in ähnlicher Technik, auch Porträtbüsten und Statuetten, wovon einige (die Amme, der Orgelspieler) berühmt geworden sind. Die Nachahmungen, die verschiedentlich gemacht wurden, unterscheiden sich durch die größere Schwere. In Frankreich versuchte man auch die Nachahmung ital. Majoliken, so zu Nevers. Im 16. Jahrh. wurden ferner in Deutschland, namentlich in Nürnberg, Gefäße in F. gebildet, die farbig und mit Reliefs verziert zwischen den Palissy-Arbeiten und den ital. Majoliken in der Mitte stehen. Sie sind am meisten unter dem Namen des nürnberger Künstlers Hirschvogel bekannt. Dieselbe Art ist zahlreich für Sfen angewendet worden, sowohl in Nürnberg wie in Oberösterreich und ganz besonders auch in der Schweiz, wo sich noch heute die größte Zahl der Fayenceöfen erhalten hat. Im 17. Jahrh. änderte sich überall die Fayenceart. Damals war das chines. und japanes. Porzellan reichlich nach Europa gekommen und die F. trachtete ihm gleich zu werden. Da es nicht sofort gelang, die Porzellanmasse zu erfinden, so strebte die F. in Weiße der Glasur, in Feinheit der Masse und in Malerei den asiat. Vorbildern gleichzukommen, anfangs auch mit japan.⸗chines. Zeichnung, dann aber auch mit ganz freier Ornamentation. Für diese Art nimmt Holland und insbesondere die Stadt Delft (daher in England * Name für F. geblieben) den ersten Rang ein. Die holländischen F. wurden vielfach in Deutschland und Österreich nachgeahmt zu mitunter sehr schönem Tafelgeschirr. Auch rankreich arbeitete sehr schöne F. dieser Art, die eute wieder nachgeahmt werden, besonders die von Rouen und Moustiers, beide mit leicht erkennbarem Ornament. In Schweden wurden im 18. Jahrh. zwei amen Mörstem gegründet, die zu Berühmtheit kamen, Rörstrand und Gustavsberg. Heute sind alle diese F. von den Sammlern und Kunstfreunden wieder aufgesucht, sie werden beschrieben, ihre Marken gezeichnet, eine ganze Litteratur ist über sie entstanden und erweitert sich fortwährend. Ebenso haben sie (mit den Majoliken und den orientalischen F.) einen ganz neuen Fabrikationszweig (Deck und viele andere in Frankreich, Minton und andere in England) hervorgerufen, der aber vorzugsweise Luxusware produziert. Vom eigentlichen Tischgebrauch sind die F. meistens durch das elegantere und solidere Porzellan verdrängt worden; in England und zum Teil auch in Norddeutschland, Holland etc. ist jedoch das gewöhnliche Tafelgeschirr durchgängig noch F. (Uber die technische Herstellung der F. s. Thonwarenfabrikation.) Vgl. außer Brogniarts Traité des arts céramiqueso (2. Aufl., 2 Bde., Par. 1855, mit Atlas von 60 Kupfern) folgende Spezialwerke: Demmin, Histoire de la céramique en planches phototypiques inaltérableso (Par. 1868 fg.); Chaffers, The keramic gallerys (2 Bde., Lond. 1871) Marschal, Les faiences anciennes et modernes, leurs marques et déêcorso (Par. 1873); Jaquemart, «Histoire de la céramiques (Par. 1873); Ris-Paquot, «Histoire générale de la faience ancienne française et étrangères (Par. 1874).