FeedFehmarn
ErdkundeBrockhaus 1882

Fehmarn, preußische, zur Provinz Schleswig-Holstein gehörige Insel, s. Femern. ehme, s. Femgericht. ehmelwirtschaft, s. Plänterwirtschaft. ehnkolonien in Ostfriesland. Im nordwestlichsten Teile der preuß. Provinz Hannover, dem 3108,8 qkm großen Landdrosteibezirk Aurich (211652 Bewohner), einem Teile des ehemaligen Fürstentums Ostfriesland, sind 35 Proz. sruch bares Marschland, 32 Proz. Geest⸗ oder unfruchtbares Sandland und 25 Proz. Moorland. Die Fehne (holländ. veen, d. i. Moor, Reote sind Kolonien im Moore, planmäßig angelegte Torfgräbereien zum Zwecke der Torfgewinnung und der Kultur des Untergrundes und zu dem Ende mit einem Kanal versehen. Durch vier emdener Bürger wurde 1633 das erste, das Groß-Fehn, gegründet, 15 andere bis zum J. 1829. Auf denselben befanden sich 1864: 2850 Kolonaten, 1869 schon 2974, an Fläche 184,5 qkm umfassend, von denen 52,3 qkm noch unkultiviert waren. Die Gesamtlänge der Fehnkanäle belief sich auf 1112 Em. Man zählte 36 Schiffswerfte, 151 See-⸗ und Wattschiffe, 558 Torfschiffe, erstere mit 595, letztere mit 1089 Köpfen Bemannung. Seeschiffe waren vorhanden 156 zu 7062,5 Roggenlasten, Fluß⸗ und Wattschiffe 554 zu 4305 Lasten; 526 Personen fuhren auf Seeschiffen, 1003 auf Fluß⸗ und Wattschiffen. Die Seefahrer auf den Fehnen, ein ausgezeichneter Stamm für den deutschen Matrosenbestand, machten 24 Proz. aller Seefahrer Ostfrieslands aus. Im Gegensatz zu den Fehn-stehen die Moorkolonien, denen ein Kanal fehlt, welcher Entwässerung schaffen und schiffbare Verbindung bieten könnte; vielfach ist in ihnen Armut, Verkommenheit und Vagabundentum groß gezogen worden. Im J. 1869 betrug ihre Zahl 83, und es gehörte zu ihnen ein Grundbesitz von 17374 ha, von denen etwa zwei Drittel kultiviert waren. Die unergiebigen Geest- und Moorlande werden umzogen von einem 22—30 km, auch stellenweise nur 4 km breiten Gürtel von alluvialem Marsch- oder Kleiboden, von der holländ. Grenze in einem Bogen bis nach Jeverland ziehend; er begleitet die Ufer der Jümme, Leda und Ems, umkränzt den Dollart und füllt die westl. Ecke zwischen der Mündung der Ems und der Leybucht; dazu gehört fast das ganze Reiderland, das Krummhörn, die Polder der Leybucht und der nordwestl. und nördl. Teil des Norderlandes und Nordharlingerland, sowie der Küstensaum der Jade und der Boden von 703.desgesapler im ganzen 107 840 ha oder 34,6 Proz. des gesamten Areals. Zwischen Geest und Marsch macht gewöhnlich niedriges, schwarzbraunes Dargland oder Hammrichsland den übergang. Den besten und fruchtbarsten Boden Ostfrieslands aber bildet das neue Marschland der Groden, Polder- und Neulande. Vgl. J. F. de Vries und Th. Focken, «OOstfriesland. Land und Volk in Wort und Bildo (Emd. 1881). Fehrbellin, Städtchen mit (1880) 2072 überwiegend evang. E. (nur 88 Katholiken und 16 Juden) in der brandenb. Mittelmark, im osthavelländ. Kreise des preuß. Regierungsbezirks Potsdam, 52 km nordwestlich von Berlin und 13 kKm südlich von Neu-Ruppin, an dem vom Rhin durchflossenen havelländ. Luch gelegen, bildet mit der Kolonie Fehrbellin und dem Dorfe Feldberg, in dem die evang. Pfarrkirche sich hefindet, eine Kirchengemeinde, ist Sitz eines Amtsgerichts und eines Steueramts, Station der Bahn Paulinenaue-Neu-Ruppin, hat Torfstich, Ackerbau und Fabrikation von Holzpantoffeln. F. ist in der Kriegsgeschichte besonders merkwürdig durch die Schlacht am 18/28. Juni 1675, in welcher der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm einen entscheidenden Sieg über die Schweden unter Wrangel erfocht, durch welchen ersterer sein Land unter den bedenklichsten Umständen rettete. Den Schlüssel der brandenb Stellung in dieser Schlacht bildeten die Sandhügel bei dem Dorfe Hakenberg, zwischen F.und dem Hkm vom Städtchen entfernten, durch seine Torfstiche (die bedeutendsten des preuß. Staats) berühmten Dorfe Linum. Ein 15000 Mann starkes schwed. Heer stand seit 1674 in Brandenburg, gegen welches der Große Kurfürst 5. Juni aus Franken mit 8500 Mann Fußvolk und 6500 Reitern heranzog und 21. Juni Magdeburg erreichte. Die Schweden hatten schon Havelberg, Rathenow und Brandenburg genommen, auch Spandau angegriffen, weshalb der Kurfürst dieselben unverzüglich anzugreifen beschloß und 22. Juni abends Magdeburg mit 5500 Reitern (Kürassierregimenter Derfflinger, Mörner, Görtz, Anhalt, Kronprinz, Burksdorff, Oberst Prinz, Lütke, Prinz von Homburg, Leibregiment, Leibtrabanten), 800 Dragonern (Regimenter Derfflinger und Bomsdorf), 1200 enauf Wagn Mannschaften des Fußvolks, welche auf Wagen gesetzt wurden, und 14 Geschützen (darunter 10 nur dreipfündige Regimentsstücklein) in größter Heimlichkeit verließ und trotz sehr ungünstiger Witterung am 24. vor Rathenow eintraf, diese nur schwach besetzte Stadt am 25. erstürmte und auch Brandenburg besetzte. Der schwed. Generallieutenant von Wrangel beschloß darauf, hinter dem großen Luch über F. nach Havelberg zurückzugehen. Der Kurfürst folgte, erreichte am 26. Barnewitz, nahm am 27. Juni Nauen und ließ durch den mit 100 Reitern und 20 Dragonern auf Nebenwegen nach F. vorgesendeten Oberstlieutenant Hennigs die dortige Brücke im Rücken der Schweden zerstören. Am 28. erreichte die brandenb. Vorhut unter dem Prinzen von Homburg bei Tagesanbruch die Schweden, worauf der Kurfürst den Angriff beschloß, obwohl seine Infanterie weit zurückgeblieben war. Wrangel stellte sein Heer bei Linum auf und war 10600 Mann (darunter 4200 Reiter) und 38 Geschütze stark, ging jedoch in die Stellung von Hakenberg zurück und wurde von der beim Fichtenhügel aufgefahrenen brandenb. Artillerie heftig in der rechten Flanke beschossen. Ein gegen den Fichtenhügel unternommener Angriff der Schweden scheiterte an dem persönlichen Eingreisen des Großen Kurfürsten, der nun die ganze Reiterei von diesem Punkte aus zum Angriff vorgehen ließ, worauf Wrangel gegen 10 Uhr vormittags, nachdem seine Reiterei wiederholt zurückgeworfen und das tapfere Fußregiment Delwig niedergemacht worden war, den Rückzug antrat, den die Brandenburger in der Flanke begleiteten und mit ihrer Artillerie beschossen. Die schwed. Geschütze antworteten, und hierbei ging eine schwed. Kanonenkugel dicht über den Hals des vom Kurfürsten gerittenen Schimmels hinweg und zerschmetterte dem neben seinem Herrn reitenden Stallmeister von Froben das rechte Knie; Froben starb nach einer Stunde infolge dieser Verwundung. Dies Ereignis ist in vielen Geschichtswerken, sowie in poetischer Form und durch Gemälde unrichtig dargestellt worden; die Sage, daß Froben den Schimmel des Kurfürsten bestiegen und alsdann den Tod gefunden habe, entspricht nicht dem thatsächlichen Vorgange. Die Verfolgung der Schweden wurde eingestellt, als diese F. erreicht hatten; am 29. Juni wurde F. besetzt. Die Brandenburger verloren in der Schlacht und bei der Verfolgung gegen 500 Mann und erbeuteten acht Fahnen, zwei Standarten, sechs Geschütze und fast sämtliches Gepäck des Feindes. Der entscheidende Sieg bei F. über das als überaus tüchtig überall bekannte schwedische Heer legte den Grund zu dem Kriegsruhm des brandenburgisch-preußischen Heeres. Im J. 1800 wurde auf einer Anhöhe bei Linum von dem Domherrn von Rochow auf Rekahne ein Denkmal errichtet, welches die Inschrift trägt: „Hier legten die braven Brandenburger den Grund zu Preußens Größev; 1857 errichtete der Kriegerverein des Havellandes auf dem Schlachtfelde selbst ein zweites Denkmal; am 18. Juni 1875 (am Tage der 200jährigen Feier) wurde vom Kronprinzen des Deutschen Reichs auf den Höhen des Dorfes Hakenberg der Grundstein zu einem dritten Denkmal gelegt, welches am 2. Sept. 1879 enthüllt wurde. Es besteht aus einer turmartigen Säule mit achteckigem Unterbau, auf welcher sich ein Aufsatz in Form eines abgestumpften Kegels erhebt, der mit einer Victoria gekrönt ist. In der Vorderseite des Sockels befindet sich eine halbkugelförmige Nische, in welcher ein Brustbild des Großen Kurfürsten steht. Gelegentlich der Säkularfeier der Schlacht von F. erschienen mehrere Schriften, unter denen namentlich die aktenmäßige Bearbeitung derselben durch Major Kaehler (Der Große Kurfürsto, Berl. 1875), sowie die von Schottmüller (Berl. 1875) und von Witzleben und Hassel (Berl. 1875) hervorzuheben sind. eiertage, s. Festtage und Feiertage. eifelgeschwulst, Volksausdruck für eine geschwollene Ohrspeicheldrüse bei Haustieren. Teig, s. Feigheit.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 637Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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