FeedFriesland oder Vriesland
GeschichteBrockhaus 1882

Friesland oder Vriesland, eine der nördlichsten und zugleich reichsten Provinzen des Königreichs der Niederlande, zum Unterschiede von der preuß. Landdrostei Aurich oder Ostfriesland (s. d.) in Deutschland auch wohl Westfriesland. genannt, umfaßt 3320,4 dkm, zerfällt in die drei Gerichtsbezirke Leeuwarden, Heerenveen und Sneek, welche 14 Kantonalbezirke mit 43 Gemeinden (7 Städten) enthalten, und zählt (Ende 1880) 331515 E. Der Boden ist durchweg flach, an den Küsten so niedrig, daß er nur durch Dünen und Dämme gegen Überschwemmungen geschützt wird; zum Teil ist er dem Meere erst mühselig abgerungen, indem nach altfries. Praxis die Wadden, d. h. die zwischen den kontinentalen Stranddünen und der in geringer Entfernung von ihnen durch das Meer aufgeführten Reihe von Sandbänken und Inseln liegenden Teile des Meeresbodens, sobald sie durch Anlagerung und Anschwemmung fetten Schlammes eine gewisse Höhe erreicht haben, durch hohe starke Wälle gegen die Flut gesichert, durch Kanäle entwässert, so in Polder oder Kooge verwandelt werden und als neugewonnene Marschen den ältern See- und Flußmarschen sich anreihen und Nuh ihre große Fruchtbarkeit die Besitzer für ihre Mühen und Gefahren reichlich entschädigen. Solche herrliche Marschen bilden den größten Teil des Landes; nur gegen Süden und Osten hin finden sich ausgedehnte Strecken von Sand-, Heide- und Moorboden und bei dem Mangel an Holz überaus wichtige Torflager. Eine große Menge von fischreichen Seen, hier Meere genannt, wie das Tjeuker⸗, Sloter⸗, Heeger⸗, Sneeker⸗ und Bergumermeer, von kleinen Flüssen (Lauwers, Kuinder, Boorn, Linde u. a.), Entwässerungs⸗ und Schifffahrtskanälen bieten ebensowohl reichliche Bewässerung als vielfache Kommunikationsmittel dar. Unter den letztern ist am wichtigsten der Trekschuitenkanal, welcher den ganzen nördl. Teil von F. durchzieht, von Harlingen über Franeker nach Leeuwarden, dann in zwei Zweigen nach Dokkum und nach Groningen führt. Auch ist jetzt Leeuwarden mit Harlingen und Groningen durch eine Eisenbahn verbunden. Das Klima des Landes ist feucht, doch gesund. Ackerbau und Viehzucht wird in großem Umfange und mit ausgezeichneter Sorgfalt betrieben. Man gewinnt Getreide, Hülsenfrüchte und Kleesamen, zieht außer Rindvieh, Schweinen und Schafen auch viele Pferde und bereitet in manchen Jahren für 1 Mill. Fl. Butter und 4—5 Mill. Pfd. Käse. Von dem Ertrage dieser blühenden Landwirtschaft wird vieles ausgeführt. Mit dem Produktenhandel, der Flußschiffahrt, der Reederei, dem Schiffbau, mit Fischfang und Torfstecherei sind ebenfalls viele Einwohner beschäftigt; dagegen ist die Industrie, namentlich die Fabrikthätigkeit nur von untergeordneter Bedeutung. Die Einwohner, Nachkommen der alten Friesen (s. d.), sind größtenteils Reformierte. Dieselben hängen an ihrer alten Sprache, Tracht und Sitte, sind ebenso fleißig und freiheitsliebend wie die Holländer, aber mutiger, offener und mitteilsamer, von anerkannter Rechtlichkeit und Treue und unerschrockene Schiffer. do Wohlstand ist sehr groß. Die Hauptstadt ist eeuwarden (s. d.), die bedeutendste See⸗ und Handelsstadt Harlingen (s. d.); die bedeutendsten andern Orte sind Franeker (s. d.), Dokkum (s. d.), Sneek mit großem Butter- und Käsemarkt, Bolsward, die Küstenstädte Stavoren, Workum und Hindelopen an der Zuydersee. Die Bewohner der Inseln Ameland und Schiermonnikoog in der Nordsee treiben meist Schiffahrt und Fischfang.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 362Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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