FeedFeizi
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Feizi, eigentlich Scheich Abu A-Feiz, mit dem poetischen Beinamen F. (der Überfluß Habende), in Indien lebender pers. Dichter, Sohn des Scheich Mubärak aus Nägur, einer Stadt im NW. von Adschmir, des Verfassers eines großen Korankommentars (gest. 1593 im 90. Jahre). Der Großvater war aus Rel in Siwistän (Sindh) gekommen, der Ahnherr aber soll aus dem arab. Hidschaz stammen. F. wurde 1547 zu Agra, wo sich sein Vater niedergelassen hatte, geboren, kam schon im 20. Jahre an den Hof des Mogulkaisers Akbar (s. d.), der ihn zum Erzieher seines Sohnes Muräd machte (1579), zum Hofpoeten ernannte, ihm wichtige Stellungen im Staatsdienst übertrug und ihn seines persönlichen Umgangs würdigte. Sein drei Jahre jüngerer Bruder Abu 'l-Fazl (geb. 1551, gest. 1602), der Verfasser einer Geschichte Akbars (des «Akbar-nämeho) und des «A'in-i Akbario (einer Art Statistik des Reichs des Großmoguls), wurde von F. an den Hof ebracht und stieg bis zum Minister. Beide Brüder aben großen Anteil an den Thaten und Maßnahmen Akbars; so gelten auch beide für die besten pers. Schriftsteller Indiens. Als Akbar, am Islam zweifelnd, eine aus dem Brahmanismus und Zoroastrismus kombinierte Lehre einzuführen suchte, bediente er sich stets der Ratschläge F.s, welchen die Orthodoxen samt seinem Bruder als Atheisten, Sonnenanbeter und Anstifter des Abfalls Akbars und der Sektiererei des Din-i Ilähi (göttlicher Glaube), wonach Atbar der Stellvertreter (Chalifah) Gottes ist und worin indische und zoroastrische Riten an die Stelle der moslem. Gebete treten, zu brandmarken suchten, wie sie schon den Vater verfolgt hatten wegen seiner Sympathie mit den Mehdewis oder Anhängern der Lehre vom Mehdi oder Propheten der letzten Tage des Islam, der am Ende eines Millenniums als Wiederhersteller des gesunkenen Glaubens erwartet wird und der offiziellen Theologie feindlich ist. F. übertrug die „Liläwativ, eine in Sanskrit verfaßte Schrift über Algebra und Geometrie von dem berühmten Bhäskara Atschärja (Mitte des 12. Jahrh.); das Original ist 1832 in Kalkutta gedruckt, eine engl. übersetzung lieferte John Taylor (Bombay 1816) und Colebrooke (Lond. 1817); F.s Übersetzung erschien zu Kalkutta 1828. Andere Werke F.s sind die arabisch geschriebenen «Sawätiu '-ilhämo (Strahlen der Eingebungeno), ein Korankommentar, worin er der Größe seinen Talents unwürdige Buchstabenkünste anbringt; die Mawärid ul-kilamy (Pfade zur Tränke der Wortey), ein lexikographisches Werk ohne Interesse (Kalk. 1825). Der Ruhm F.s als zweitgrößter pers. Dichter Indiens (als größter gilt Amir Chusrau von Delhi) gründet sich auf seinen von ihm selbst ausgewählten und etwa 9000 Doppelverse enthaltenden Diwano. Die Absicht, nach dem Vorbilde des Nizämi einen Cyllus von fünf epischen Gedichten Chamsah), nämlich „Markaz-i adwärv (Mittelpunkt der Kreisey), KSalomo und Balkiso (Königin von Saba), Nal und Damajantiv, Die sieben Erdgürtelo und «Akbarnämehe herauszugeben, kam nicht zur Ausführung, nur das erste derselben wurde 1587 und die aus dem Sanskrit in 4000 pers. Reimpaare übersetzte Geschichte von Nal-Daman 1595 vollendet (lithographiert, Kalk. 1831; Lucknow 1846). Der Diwano enthält zahlreiche Kassiden (Lobgedichte) auf Akbar, Elegien, das Dzarrah u Churschido (Das Atom und die Sonne», die Liebe des Menschen wird von den Mystikern mit dem Stäubchen verglichen, welches im Sonnenstrahl tanzt), ein mystisches Gedicht, worin der pers. Sufismus mit der zoroastrischen Lichtlehre und dem brahmanischen Pantheismus vermählt erscheint; ferner Ghaselen und Rubek i oder Vierzeilen (lithographiert Delhi 1845). Zahlreiche Gedichte hat F.s Bruder Abu 'l-Fazl in seine Geschichte Akbars eingefügt, ja die von Akbar geprägten Münzen haben Vierzeilen F.s als Legenden. Übersetzungsproben Hrodei Gedichte findet man in Hammers „Schönen Redekünstens (Wien 1818½ und in The Ain-i Akbari translated by H. Blochmanne (Kalk. 1873). F. starb 1595 an einem asthmatischen Leiden und wurde in dem Mausoleum bei Agra beigesetzt, wo auch sein Vater, Bruder und eine Schwester, die Gemahlin eines Statthalters von Bengalen, ihre Ruhe fanden und welches erst in neuester Zeit zerstört worden ist. Seine 4600 Bände starke Handschriftensammlung, zum Teil Autographen der Verfasser und kostbar ausgestattet, wurde der Bibliothek Akbars einverleibt. Fejer (Georg), ungar. Historiker, geb. zu Keszthely im Zalager Komitat 23. April 1766, sndierte in Pest und Preßburg (bis 1790), war Erzieher in adeligen Familien, 1802 —4 Professor der Dog⸗- matik in Stuhlweißenburg, 1808 Professor desselben Fachs an der pester Universität, später Domherr von Großwardein, Studienoberdirektor des raaber Schuldistrikts und seit 1824 Bibliothekar der königl. Universität in Pest. Er starb zu Pest 2. Juli 1851. F. war ein sehr fruchtbarer Schriftsteller auf dem Gebiete der Theologie, der Moral, Psychologie, Asthetik, Geographie und Geschichte. Von seinen histor. Arbeiten hat ihm sein Codex diplomaticus Hungariae (Ofen 1829 — 44) in 40 Bänden ohne die Register das dauernde Andenken gesichert. Obgleich diese Urkundenpublikation erhebliche Mängel und Gebrechen aufweist, so bildet sie doch den Ausgangspunkt und die fortbenutzte Grundlage einer wissenschaftlichen Behandlung der Geschichte Ungarns. Unter den vielen milden Stiftungen seines Testaments befindet sich auch eine Summe von 60000 Fl., welche dem landwirtschaftlichen Institut von Keszthely gewidmet ist. Fejum, ägypt. Provinz, s. Fayum.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 645Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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