FeedAureng-Zeyb
GeschichteBrockhaus 1882

Aureng-Zeyb (richtiger Awreng-Sib, d. i. Zierde des T hrons), Großmogul 1658—1707, geb. 20. Okt. 1619, ein Sohn des Großmoguls Schah-Dschihan, war neun Jahre alt, als sein schwacher und unglücklicher Vater zur Regierung gelangte. Früh schon von Herrschsucht enthrannt, suchte er seine weitgehenden Pläne durch die Pflege religiöser Übungen und durch anscheinende Zurückhaltung zu verbergen. Im 20. Jahre zeichnete er sich im Kriege seines Vaters gegen die Fürsten von Visiapur und Golkonda durch Mut und strategische Einsicht aus und erhielt 1638 die Statthalterschaft vom Dekan. Einen Aufstand der Vasallen dieses Reichs schlug A. 1656 3 — nieder. Nachdem er seine Brüder Dara, Sudjah und Murad besiegt und den Vater gefangen genommen hatte, bestieg er 2. Juli 1658 den Thron zu Delhi und nahm den Namen Alum-Ghir, d. i. überwinder der Welten, an. Obgleich A. seine Brüder ermorden und halten Vater bis zu dessen Tode in Agra gefangen halten ließ, regierte er, doch mit Weisheit und Gerechtigkeit. Einen seiner Söhne, die versucht hatten, sich eine Partei im Staate zu machen, ließ er 1666 vergiften, während der zweite nach Persien floh. Er führte viele glückliche Kriege im Dekan (1668), mit den Bergvölkern von Kabul und Kandahar (1669, 1673) und den Radschputen (1678) und erweiterte 1683—87 durch völlige Einverleibung der Vasallenstaaten Visiapur und Golkonda sein Reich sehr bedeutend. A. war ein großer Freund der Europäer und liebte Pracht und Lurus, wie einfach und mäßig er in seinen eigenen Bedürfnissen auch war, besaß eine umfassende Bildung, begünstigte die Künste, gründete Bibliotheken und Schulen und zog viele Gelehrte an seinen Hof, blieb jedoch bis zu seinem Tode ein fanatischer Anhänger des Islam. A. starb 21. Febr. 1707 zu Ahmednagar; ihm folgte in der Regierung sein Sohn Schah-Alum, unter dem das Reich sehr bald in Verfall geriet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 231Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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