Felder (Cajetan, Freiherr von), bekannt als Bürgermeister von Wien und durch seine parlamentarische Thätigkeit, geb. zu Wien 19. Sept. 1814, entstammte einer unbemittelten Bürgerfamilie und erhielt, frühzeitig verwaist, seine erste Schulbildung am Gymnasium des Benediktinerstifts in Seitenstetten. Im J. 1841 an der wiener Universität promoviert, widmete er sich, nachdem er Europa zu Fuße durchwandert hatte, dem Lehramte und der Advokatur, fungierte aber auch als Gerichtsdolmetsch für roman. und german. Sprachen. Er supplierte mehrere Jahre die Lehrkanzeln für diplomatische Staatengeschichte, Völkerrecht und Statistik und wurde 1848 Hof⸗ und Gerichtsadvokat. Die Bewegung dieses Jahres führte F. ins öffentliche Leben ein. In den konstituierenden Gemeinderat gewählt, nahm er an der Feststellung der Grundsätze des für die 121 Ran da b günstigen Statuts +5 Anteil. Von da ab widmete er sich lediglich der Civilpraxis und unternahm zu naturwissenschaftlichen Zwecken mehrere Reisen in die Polar⸗ und Tropenzone. Erst als 1861 in Ssterreich wieder das Verfassungsleben be-Landt betrat F. die polit. Laufbahn. Als er in den andtag und in den Gemeinderat gewählt worden war, berief ihn ersterer in den ständigen Landesausschuß, letzterer zur Funktion eines Bürgermeister-Stellvertreters und 1868 zum Bürgermeister von Wien, welche Wahl noch dreimal sich erneuerte. Im J. 1869 erfolgte seine Berufung in das Herrenhaus als Mitglied auf Lebenszeit, 1878, nachdem er vom Bürgermeisteramt zurückgetreten war, die Erhebung in den Freiherrenstand und 1880 die Ernennung zum Landmarschall von Niederösterreich. Außerdem steht er an der Spitze der ersten österr. Eisenbahnunternehmung, der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn. In seiner Stellung als bewährter Anhänger der Verfassungspartei war F. in der Lage, mächtigen Einfluß auf die Neugestaltung Wiens zu üben, und er setzte auch für das Zustandekommen, die zweckmäßige und rasche Durchführung großartiger, der allgemeinen Wohlfahrt gewidmeter Bauwerke (Stadterweiterung, Hochquellenleitung, Donauregulierung) seine ganze Kraft ein. Die namhaften Fortschritte im Schul⸗, Sanitäts⸗, Armen⸗ und Ver ehrswesen, die Reformen, welche in allen Zweigen der Kommunalverwaltung der Stadt Wien stattfanden, sind der anregenden Initiative F.s zuzuschreiben. (S. Wien.) F. ist wirkliches Mitglied der kaiserl. Akademie der Wissenschaften und hat gemeinschaftlich mit seinem früh verstorbenen talentvollen Sohne Rudolf (gest. 1871) zahlreiche in das Gebiet der Entomologie gehörige Arbeiten veröffentlicht, deren bedeutendste der lepidopterolog. Teil des großen Prachtwerks «Reise der kaiserl. österr. Fregatte Novara um die Erdes (mit 140 Tafeln, Wien 1865—75) ist. F. schrieb ferner: 4 Die Gemeindeverwaltung der Reichshaupt⸗ und Residenzstadt Wien in den J. 1867— 70 2. Aufl., Wien 1872), welchem Werke noch zwei weitere Bände über die J. 1871—77 (Wien 1874—77) folgten. Vgl. „Die Entwickelung Wiens von 1848 — 725 (in Unsere Zeito, Lpz. 1873).