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PflanzenreichBrockhaus 1882

Fenchel, Foeniculum, eine Gattung der Doldengewächse (Umbelliferen), dem Dill von Ansehen ähnlich, aber von ihm durch den steifern Habitus, die schön glatten Stengel und durch die walzenrundliche, ze den 6 maah verschieden, noch deutlicher durch den Geschmack, indem alle Teile der Pflanze ein ätherisches Ol enthalten. Von den Arten dieser Gattung ist die bekannteste F. vulgare oder officinale, im südl. Europa einheimisch und auf der Insel Madeira so häufig, daß die Stadt Funchal ihren Namen davon ableitet. Die Früchte, gewöhnlich Fenchelsamen genannt, dienen als Gewürz und als Heilmittel. Durch Destillation mit Wasser gewinnt man von ihm das in der Medizin vielfach angewandte Fenchelwasser (Aqua foeniculi). Die Fenchelsamen werden auch ben und Verdun verordnet und bei Brustkatarrhen und erdauungsschwäche, namentlich kleiner Kinder, angewendet, weil sie die Absonderung der Milch, des Harns sowie des Schleims in den Luftwegen befördern sollen. Kleinen Kindern, welche mit Kuhmilch aufgezogen werden, gibt man Fenchelthee, wenn sie an Verdauungsbeschwerden leiden. Murrel, und gilt als ein die Sehnerven stärkendes ittel, und ein weingeistiger Auszug des F. bildet den Hauptbestandteil des Romershausenschen Augenwassers. Eine Kulturform des gemeinen F., von manchen für eine besondere Art gehalten, ist der üße, italienische oder Bologneser Fenchel (E. dulce, Finocchio dolce). Diese Form unterscheidet sich von der Stammart durch eine kräftige Entwickelung der Stengel und Blattstiele, welche letztere am Grunde fast fleischig werden. Man pflegt diesen F. vorzugsweise in Paris, wo er einen Marktartikel bildet, durch Behäufeln zu bleichen und dadurch für den Genuß annehmbarer zu machen. Schon Tabernaemontanus (1588) berichtet, daß der süße F., immer wieder aus echn Samen nachgezogen, schon in der dritten Generation in den gemeinen F. zurückgehe. Die Früchte dieser Form sind länger und blasser. Eine andere Fenchelart, F. piperitum, in Italien Eselsfenchel (Einocchio d'asino) genannt, besitzt einen weit stärkern, fast beißenden Geschmack. Feuchelholz, s. Sassafras. Feuchelöl, das ätherische Ol des Fenchels, Anethum foeniculum ., wird durch Dampfdestillation der zerquetschten Früchte gewonnen. Es ist eine Lösung von Anethol (s. d.) in einem Camphen von der Zusammensetzung Co HIg. Im frischen Zustande farblos, färbt es sich an der Luft gelb bis braun, wobei sein spezifisches Gewicht von 0,58s bis zu 1,020 steigt. Es hat einen starken, eigentümlichen Geruch und süßlichen Geschmack. Es findet Verwendung in der Pharmacie und der Liqueurfabrikation.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 671Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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