Maximilian (Ferdinand Joseph), Erzherzog von Ssterreich und 1864—67 Kaiser von Mexiko, geb. zu Wien 6. Juli 1832, der zweite Sohn des Erzherzogs Franz Karl aus dessen Ehe mit der Prinzessin Sophie von Bayern, bildete sich für das Seewesen aus und besuchte seit 1850 die Küstenländer des Mittelmeers und 1852 Madeira. Nachdem er 1852 das Kommando der Korvette Minerva geführt hatte, trat er 1854 als Kontreadmiral an die Spitze der österr. Marine, die unter seiner Leitung bedeutend verstärkt und gefördert wurde. Im Sommer 1855 machte der Erzherzog eine Reise nach Griechenland, Syrien und Agypten; 1856 besuchte er Paris und die See-Etablissements zu Cherbourg, Havre und Calais. Auf der Rückreise lernte er in Brüssel die Prinzessin Charlotte (geb. 7. Juni 1840), Tochter König Leopolds I. und der Prinzessin Luise von Orléans, kennen, mit der er sich 27. Juli 1857 vermählte, nachdem er schon vorher (im Febr. 1857) zum Generalgouverneur des Lombardisch-Venetianischen Königreichs ernannt worden war. Im Winter 1859 begleitete er seine Gemahlin nach Madeira und unternahm von dort aus eine Reise nach Brasilien. Nach der Rückkehr lebte er meist auf seinem Schlosse Miramar bei Triest, und erst die Ereignisse, welche sich an die Besitznahme Mexikos durch die Franzosen knüpften, bewogen ihn, aus dieser Zurückgezogenheit hervorzutreten. Eine in Mexilo von den Franzosen berufene, aus Klerikalen und Aristokraten bestehende Notabelnversammlung hatte 10. Juli 1863 beschlossen, M. die Kaiserkrone anzutragen, und derselbe sprach 3. Okt. gegen eine in Miramar erschienene Deputation die Geneigtheit aus, die Krone anzunehmen. M. entsagte 9. April 1864 jeder Anwartschaft auf die österr. Thronfolge und schiffte sich 14. April 1864 mit seiner Gemahlin nach Civitavecchia ein, empfing in Rom den Segen des Papstes und landete 28. Mai in Veracruz. Am 12. Juni hielt er seinen Einzug in die Hauptstadt Mexiko. In dem schon vorher abgeschlossenen Vertrag von Miramar ver-Herud sich Kaiser Napoleon, 25000 Mann in exiko zu lassen, bis M. aus Fremden und Einheimischen eine eigene Armee organisiert hätte. Aber unentschlossen zwischen der liberalen und der klerikalen Partei hin⸗ und herschwankend und von dem franz. General Bazaine, der franz. und persönliche Pläne verfolgte, abhängig, konnte M. im Lande keinen festen Fuß fassen und die unter dem Präsidenten Juarez kämpfende republikanische Partei nicht zur Unterwerfung bringen. Als vollends Napoleon III., von der amerik. Union gedrängt, den Befehl zur Rückkehr seiner Truppen gab, wurde Mis Lage hoffnungslos. Im Sommer 1866 begab sich diejKaiserin Charlotte nach Europa, um Napoleon zu weiterer Hilfe zu bestimmen und auch den Beistand des Papstes anzurufen. Sie vermochte jedoch keine Zurücknahme der gefaßten Beschlüsse zu erwirken und verfiel infolge der Aufregung während ihres Aufenthaltes zu Rom in Geisteskrankheit. Inzwischen verlor M., nachdem Anfang 1867 die Franzosen abgezogen waren, auch noch den Schatten selbständiger Regierungsgewalt. Er zog mit seinen Anhängern in die Bergstadt Queretaro, verteidigte dieselbe auf das äußerste, wurde jedoch daselbst von dem republikanischen General Escobedo eingeschlossen und fiel, von Oberst Lopez verraten, in dessen Hände. Ein zu Queretaro versammeltes Kriegsgericht verurteilte 14. Juni M. und die beiden mitgefangenen Generale Miramon und Mesia zum Tode, und 19. Juni wurde das Urteil an allen dreien durch Erschießung vollstreckt. M. starb mit männlichem Mute. (S. Mexiko.) Seine Witwe Charlotte, von unheilbarer Geisteskrankheit ergriffen, erhielt ihren Aufenthalt in Laeken bei Brüssel. Der Leichnam Mis wurde dem österr. Admiral Tegetthoff ausgeliefert und 18. Jan. 1868 in der Kaisergruft (Kapuzinerkirche) zu Wien beigesetzt. Ein Standbild M.s (von Meixner) ist 1871 auf dem Hauptplatz in Hietzing bei Wien errichtet, eine großartige Bronzestatue desselben (von Schilling in Dresden) auf der Piazza Giuseppina in Triest 3. April 1875, eine andere Statue M.s 29. Okt. 1876 in Pola enthüllt worden. Vgl. Lefevre, «Documents officiels recueillis dans la secrétairerie privée de Maximilieno (2 Bde., Brüss. 1869); Keratry, L'empereur Maximilien, son élévation et sa chuten (Lpz. 1867; deutsch, Lpz. 1867); Hellwald, „M. I., Kaiser von Mexiko, nebst Abriß der Geschichte des Kaiserreichso (2 Bde., Wien 1869); Basch, Erinnerungen aus Mexikoy (2 Bde., Lpz. 1868); Prinz Felix zu Salm Salm, Blätter aus meinem Tagebuch in Mexikor (2. Aufl., 2 Bde., Stuttg. 1869); Prinzessin Feliz zu Salm-Salm, „Zehn Jahre aus meinem Leben'? (3 Bde., Stuttg. 1875). Aus den nachgelassener Papieren Mis selbst erschien: «Aus meinem Leben, Reiseskizzen, Aphorismen etc.o (7 Bde., Ipz. 1867 2. Aufl., Bd. 1—4, 1867) und Mein erster Ausflug. Wanderungen in Griechenlando (Lpz. 1868).