Ferstel (Heinr., Freiherr von), hervorragender Baumeister, geb. in Wien 7. Juli 1828, widmete sich, nachdem er die technischen Studien in Wien absolviert und auch das Maurerhandwerk praktisch erlernt hatte, an der Akademie unter van der Nüll, Siccardsburg und Rösner der Architektur und trat 1851 in das Atelier seines Onkels Stache, um sich praktisch auszubilden. Zu seiner künstlerischen Ausbildung besuchte F. sodann Deutschland, Belgien, Holland und England. Von einem Reisestipendium, das er 1854 von der Regierung erhielt, machte er erst später Gebrauch, da er sich an der soeben vom Erzherzog Ferdinand Mar ausgeschriebenen Konkurrenz fur den Bau der Votivkirche beteiligen wollte. F. reichte seine umfangreichen Entwürfe der Kommission ein und trat dann, ohne den Erfolg seiner Arbeit abzuwarten, im März 1855 die längst vorbereitete ital. Reise an. In Neapel erhielt er die Nachricht von der Annahme seines Projekts für den Bau der Votivkirche, und kehrte im Herbst zurück, um die Vorarbeiten zum Bau zu treffen; 24. April 1856 wurde der Grundstein gelegt und 24. April 1879 fand die Einweihung der Kirche statt. Auch seine Konkursarbeit für den Bau des Bankgebäudes wurde acceptiert und wenige Tage nach der Grundsteinlegung der Votivkir he auch dieser Bau begonnen. Die Stadterweiterung gab Anlaß zu der in Gemeinschaft mit Eitelberger 1859 Aund da Broschüre: Das bürgerliche Wohnhaus und das wiener Zinshausv, deren Inhalt auch für andere große Städte von Wichtigkeit ist, da sie eine brennende Frage der Gegenwart be—⸗ leuchtet. In den J. 1860—64 entstand eine Reihe von Wohnhäusern und Villenbauten in Brünn und Wien, darunter auch das Palais des Erzherzogs Ludwig Victor im Renaissancestil, die Kirchen in Brünn und Schönau bei Teplitz. F. ward 1864 in das Kuratorium des österr. Museums für Kunst und Industrie aufgenommen und 1866 zum ord. Professor der Baukunst am Polytechnischen Institut erwählt. Seitdem entstanden die Bauten des k. k. österr. Museums, einer Villa des Erzherzogs Karl Ludwig in Reichenau bei Wien, der große Bau der Universität daselbst seit 1871, dessen Vollendung 1884 erfolgen soll, das Winterpalais des Erzherzogs Ludwig Victor zu Klesheim bei Salzburg 1880—82, der Gartenpalast des Fürsten Johann Liechtenstein in der Rossau in Wien, 1880—83 das Palais des Osterreichisch-Ungarischen Lloyd u. s. w. wurde 1879 vom Kaiser von Osterreich in den freiherrenstand erhoben und bekleidete den Rang eines Oberbaurats. Er starb 14. Juli 1883 in Grinzing bei Wien. F. war ein sehr Leritt er Architekt, wohl erfahren in den Formen der ital. Renaissancekunst, in der er sich maßvoll und zierlich zu bewegen wußte, ohne zum Genialen aufzureichen. Jedenfalls stand er in diesem Stile mehr auf seinem natürlichen Boden als in der Gotik, trotz des Erfolgs seiner Votivkirche, welche ein engl. Liebhaber sogar in seinem Vaterlande durch den Künstler wiederholen lassen wollte. Herte (La), mehrere Orte in Frankreich: