FeedFörster (Ludw., Ritter von)
BaukunstBrockhaus 1882

Förster (Ludw., Ritter von), Architekt, geb. in Bayreuth 8. Okt. 1797, Schüler der münchener Akademie, wandte sich von dort nach Wien, wo er ebenfalls die Akademie besuchte. Hier fand er an dem Italiener Nobile, welcher den strengsten Prinzipien der antikisierenden Richtung in der Baukunst huldigte, einen ausgezeichneten Lehrer. Indessen schlug F. doch bald in Sachen des Stils einen eigenen Pfad ein, indem er, unbefriedigt von der dürren und geistlosen Schablonenhaftigkeit, in welche der klassische Stil unter der Handhabung der baubüregukratischen Elemente in Osterreich verfiel, sich den blühenden Formen der ital. Renaissance zuwendete. Bereits 1844 entwarf er die ersten Grundprojekte einer Erweiterung des alten Wien, welche später so prachtvoll, wenn auch nach andern Ideen durchgeführt wurde. Durch geniale Schüler, wie van der Nüll, wurde 8 der Begründer der heutigen Architektenschule sterreichs, auch erwarb er sich durch das von ihm begonnene Fachorgan, die „Bauzeitungo (seit 1836), außerordentliche Verdienste. Seine eigenen Bauten sind die ersten Boten des Aufschwungs und müssen daher vom rela-1 tiven Standpunkte gewürdigt werden: so die prot. Kirche im Bezirk Mariahilf, die Elisabethbrücke (1854), der israel. Tempel. Auch am Arsenal war er mit Hansen beschäftigt. In der Anwendung mittelalterlicher Stile erwies er sich indessen entschieden unglücklich. F. starb 16. Juni 1863 in Gleichenberg in Steiermark.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 22Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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