FeedFeßler (Ignaz Aurelius)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Feßler (Ignaz Aurelius), bekannt durch seine mannigfaltigen Schicksale sowie durch sein Wirken als Geistlicher und Freimaurer, geb. 18. Mai 1756 zu Czurendorf in Niederungarn, erhielt durch seine Mutter, eine eifrige Katholikin, eine streng religiöse Erziehung und trat, nachdem er die Schulen zu Preßburg und Raab besucht, bereits 1773 in den Kapuzinerorden. Die folgenden Jahre verlebte er als Mönch, unter mancherlei Mißhelligkeiten mit seinen Vorgesetzten, in verschiedenen K östern zu Ofen, Großwardein und Schwechat. Im Sept. 1781 in das Kapuzinerkloster zu Wien verseßt, machte er in einem geheimen Schreiben dem Kaiser Joseph Mitteilungen über den damals in den Klöstern herrschenden Unfug, was zwar eine strenge Untersuchung derselben zur Folge hatte, aber für F. die erbittertsten Anfeindungen von seiten der Geistlichkeit veranlaßte. Endlich durch kaiserl. Dekret aus dem Kapuzinerorden entlassen, ward er 1784 zum Lektor und im November desselben Jahres zum ord. Professor der orient. Sprachen und der Hermeneutik des Alten Testaments in Lemberg ernannt. Als er 1787 sein Trauerspiel „Sidneyy auf das Theater in Lemberg brachte, klagten seine Feinde das Stück als gottlos und aufrührerisch an und nötigten ihn, sein Amt niederzulegen und sich im Jan. 1788 nach Schlesien zu flüchten. Hier fand er bei dem Buchhändler W. G. Korn zu Breslau Aufnahme und wurde dann bei dem Erbprinzen von Carolath angestellt, der ihm später den Unterricht seiner Söhne übertrug. F. trat 1791 zur prot. Kirche über. Seit 1796 lebte er in Berlin, wo er die sog. Mittwochs-und Humanitätsgesellschaft stiftete und von den Mitgliedern der dortigen Loge Royal-Vork beauftragt wurde, mit Fichte die Statuten und das Ritual dieser Loge zu reformieren. Bald darauf erhielt er eine Anstellung als Konsulent für die kath. neuerworbenen poln. Provinzen. Aus dem Freimaurerorden trat er 1802 wieder aus. Nachdem F. infolge der Schlacht bei Jena 1806 sein Amt verloren hatte, ließ er sich in Niederschönhausen bei Berlin, dann in Buckow nieder, wo er in dürftigen Verhältnissen lebte, bis er 1809 mit dem Charakter eines Hofrats als Professor der orientalischen Sprachen und der Philosophie an die Alexander-Newskij-Akademie nach Petersburg berufen wurde. Doch auch dieses Amt verlor er bald, weil man in seinen philos. Vorträgen atheistische Anschauungen finden wollte. Es erfolgte hierauf seine Ernennung zum Mitgliede der Gesetzgebungskommission, und zugleich erhielt er im März 1811 die Erlaubnis, nach Wolsk im saratowschen Gouvernement zu gehen, um dort die philanthropischen Ideen des Kollegienrats Slowin realisieren zu helfen. Zwar verlor er 1815 seinen Gehalt als Mitglied jener Kommission, erhielt ihn aber 1817 mit allen Rückständen wieder und wendete sich nun nach Sarepta, dem Hauptsitze der Herrnhuter in jenen Gegenden. Die mystische Richtung, die in F.s Wirksamkeit zu Tage trat hatte in Petersburg Aebei der⸗ Freunde, und dur diese gelang es ihm, bei der Errichtung der Provinzialkonsistorien Nov. 1819 Superintendent und Konsistorialpräsident der evang. Gemeinden in Saratow zu werden. Bei der Aufhebung des Konsistoriums zu Saratow gegen Ende 1833 wurde auch er seiner bisherigen Stellung entbunden; dafür aber erhielt er das Amt eines Generalsuperintendenten und Kirchenrats der luth. Gemeinde zu Petersburg, wo er 15. Dez. 1839 starb. hat außer einigen orientalisch-philologischen Abhandlungen zahlreiche belletristische, religiöskirchliche und Freimaurerschriften veröffent icht Sein bedeutendstes Werk ist jedoch die Geschichte der Ungern und ihrer Landsassen » (10 Bde., Lpz. 1812—25; 2. Aufl., unter dem Titel «„Geschichte von Ungarno, von Klein bearbeitet, 5 Bde., 1867 —83). Seine histor. Romane Mare Aurelo (3 Bde., Bresl. 1790 -92; 3. Aufl., 4 Bde., 1799), «Aristides und Themistokleso (2 Bde., Berl. 1792; 3. Aufl. 1818), Matthias Corvinuso (2 Bde., Bresl. 1793 —94; 2. Aufl. 1806) und «Attilar (2 Bde., Bresl. 1794; 2. Aufl. 1806) sind fast vergessen. Sehr interessant ist seine SWiaertchaltund Mückblicke auf meine 70jährige Pilgerschafto (Bresl. 1826; 2. Aufl., Lpz. 1851). eßler Jos.), Bischof von St. Pölten, geb. 2. Dez. 1813 zu Lochau in Vorarlberg, ward im Klerikalseminar zu Brixen gebildet, erhielt 1837 die Weihen, wirkte dann als Präfekt im adeligen Konvikt in Innsbruck und bereitete sich darauf in Brixen und zu St. Augustin in Wien auf das theol. Lehramt vor. Seit 1841 lehrte er Kirchengeschichte und Kirchenrecht am Seminar zu Brixen und ward 1852 Professor der Ent . 15018. an der wiener Universität. W den J. 1861—62 wirkte F. in Rom als Mitglied der Kongregation für die Angelegenheiten der orient. Kirchen, worauf der Fürstbischof von Brixen ihn abberief, um als Generalvikar den vorarlberger Anteil der brixener Diöcese zu administrieren. Gleichzeitig wurde er zum Bischof in partibus geweiht; 1863—64 war F. als Unterhändler der österr. Regierung in Sachen des Konkordats in Rom, im Sept. 1864 wurde er Bischof von St. Pölten. Beim vatikanischen Konzil fungierte F. als Generalsekretär und verteidigte es später in der Schrift: Die wahre und die falsche Unfehlbarkeit der Päpste. Zur Abwehr gegen Herrn Professor Dr. Schultes (Wien 1871). Sein Hauptwerk sind die Institutiones patrologicaes (2 Bde., Innsbr. 1850—52). Außerdem verdient Erwähnung die «Sammlung vermischter Schrifteno (Freiburg 1869). Er starb 25. April 1872. Vgl. Erdinger, Jos. Feßler» (Brixen 1874). est Feste, s. Festtage. esta (Costantio), ital. Komponist, geboren in Florenz, trat 1517 als Sänger in die päpstliche Kapelle und starb 10. April 1545. Er war der erste bedeutende Kontrapunktist Italiens und kann als Vorläufer Palestrinas bezeichnet werden. Von seinen Kompositionen sind Motetten, Litaneien, ein Tedeum und ein Credo erhalten. este (milit.), s. Festung. estenberg, Stadt in der preuß. Provinz Schlesien, Regierungsbezirk Breslau, Kreis Wartenberg, 21 km im WNW. von diesem Orte, ist Sitz eines Amtsgerichts und zählt (1880) 2211 CE., welche Tuch- und Möbelfabrikation betreiben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 714Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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