Sailer (Joh. Michael), berühmter kath. Kanzelredner und ascetischer Schriftsteller, geb. 17. Nov. 1751 zu Aresing unweit Schrobenhausen in Bayern, studierte zu München Theologie und trat 1770 zu Landsberg in den Jesuitenorden. Nach der Aufhebung des Ordens (1773) vollendete er in Ingolstadt seine philos. und theol. Studien, und nachdem er hier drei Jahre öffentlicher Repetitor gewesen, wurde er 1780 zweiter akademischer Professor der dogmatischen Theologie, verlor jedoch 1781 seine Stelle und kam 1784 als Professor an die damals bischöfl. augsburgische Universität in Dillingen. Im J. 1791 als nicht zuverlässig orthodox abgesetzt,‚ ebte er teils zu München, teils zu Ebersberg in Oberbayern. Im J. 1799 wurde er Professor an der Universität zu Ingolstadt und, als diese im folenden Jahre nach Landshut verlegt ward, ord. Professor der Theologie, 1821 Domkapitular zu Regensburg, 1822 Bischof von Germanicopolis und Koadiutor des Bistums Regensburg, später bayr. geistlicher Rat, auch Generalvikar, 1825 Dompropst an der Kathedrale zu Regensburg und 1829 Bischof daselbst. Allgemein geachtet auch von andern Konfessionsverwandten, starb er 20. Mai 1832. Die Zahl seiner Schriften ist sehr groß, und es haben insbesondere die ascetischen durch ihre tiefe, innige Mystik wie durch —* Gleichgültigkeit gegen die sog. kirchlichen Werke ebenso sehr für einen milden, toleranten Geist als für die Erweckung wahrer Religiosität unter den Katholiken trefflich gewirkt. Die größte Verbreitung fand sein (Gebetbuch für kath. Christen o6, das noch immer im Gebrauch ist. Eine Sammlung seiner „Sämtlichen Schrifteno hat Widmer (40 Bde., Sulzb. 1830— 42) besorgt. Vgl. die Biographien S.s von Bodemann (Gotha 1856) und Aichinger (Freiburg 1865).