FeedStifter (Adalbert)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Stifter (Adalbert), deutscher Dichter und Schriftsteller, geb. 23. Okt. 1806 zu Oberplan im südl. Böhmen, der Sohn eines Leinwebers, wurde, von dem Pfarrer des Ortes vorbereitet, 1818 in die Benediktinerabtei Kremsmünster aufgenommen und bezog 1826 die Universität zu Wien, um die Rechtswissenschaften zu studieren. Doch wendete er sich bald den Staatswissenschaften, dann der Philosophie und Geschichte, endlich der Mathematik und den Naturwissenschaften zu. Nach Vollendung seiner Studien wurde er Lehrer des Fürsten Richard Metternich. Im J. 1848 wandte er sich von Wien nach Linz, wo er 1849 zum Schulrat für das Volksschulwesen Oberösterreichs ernannt wurde. Wegen andauernder Kränklichkeit im Nov. 1865 pensioniert, starb er 28. Jan. 1868. Die ersten dichterischen Arbeiten S.s, die Feldblumen» (1840), erschienen in dem Taschenbuch Iriso und „Der Condor in der ⸗Wiener Zeitschrifts‘(1841). Anderes folgte sehr bald in verschiedenen Blättern und Jahrbuchern. Gesammelt erschienen dieselben in den Studieno (6 Bde., Preßb. 1844—51; 8. Aufl., 3 Bde., 1870; neue Ausg., 2 Bde., Lpz. 1881), denen sich später Bunte Steiner (6. Aufl., Lpz. 1881), sowie die Romane Der Nachsommers (3. Aufl., 3 Bde., Preßb. 1877) und Witiko (3 Bde., Preßb. 1865—67) anschlossen. S. gehört mit seinem originellen Stil zu den besten Prosaikern seiner Zeit und erinnert an Leopold Schefer und Jean Paul. Die Motive, auf welchen seine Erzählung beruht, sind gewöhnlich dürftig, dagegen fesselt er durch eine reiche und originelle Naturanschauung und Naturschilderung, die auf der innigsten Hingabe an das Naturleben und einem tiefen Eindringen in den stillen Naturhaushalt beruht. Die Menschen bilden so in S.s Novellen fast nur die Staffage zur Landschaft, während er die umgebende Natur mit echtem Dichtergemüte zu beseelen weiß. Dabei tragen seine Arbeiten einen durchaus reinen und sittlichen Charakter. Vgl. E. Kuh, (Adalbert S. » (Wien 1868); derselbe, 4Zwei Dichter Österreichs: Franz Grillparzer und Adalbert S.» (Pest 1872). S.s 4Briefe o», Erzählungen », 4Vermischte Schrifteno gab J. Aprent (3 Bde., Preßb. 1869) heraus. Eine Ausgabe seiner sämtlichen Werke von demselben erschien ebendaselbst 1870 in 17 Bänden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 239Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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