FeedFetis (Francois Jos.)
MusikBrockhaus 1882

Fetis (Francois Jos.), belg. Musiktheoretiker und Komponist, geb. 25. März 1784 zu Mons, wo sein Vater Organist war, wurde von diesem mit so glücklichem Erfolg unterrichtet, daß er schon in seinem 10. Jahre eine Organistenstelle seiner Vaterstadt vertreten konnte, und kam 1800 in das pariser Konservatorium. Nach einer längern Reise, auf der er mit deutscher und ital. Musik sich vertraut gemacht hatte, nach Paris zurückgekehrt, machte er dort Studien über die Geschichte der Musik, zog sich aber 1811 in die Provinz zurück, worauf er 1813 Organist und Professor der Musikschule zu Douai wurde. Im J. 1818 kam er als Professor des Konservatoriums der Musik nach Paris und gründete 1827 die erste kritische musikalische Zeitschrift in Frankreich, die cRexue musicalev, die bald eine Autorität wurde. F. folgte 1833 dem Rufe nach Brüssel als Kapellmeister des Königs und Direktor des Konservatoriums. Außer mehrern theoretischen und methodischen Werken, die F. verfaßte, waren es besonders musikgeschichtliche Arbeiten, die seinen Ruf begründeten. Seine erste größere Schrift: «über die Verdienste der Niederländer um die Tonkunsty (Amsterd. 1829) erhielt (zugleich mit einer ähnlichen Arbeit von Kiesewetter) den von der Niederländischen Musikgesellschaft ausgesetzten Preis. Das Hauptwerk von F. ist die reichhaltige „Biographie universelle des musiciens et bibliographie générale de la musiquen (8 Bde., Brüss. 1835—44; 2. Aufl., Par. 1860—65). Die Behandlung desselben Materials als Histoire genérale de la musique (5 Bde., Brüss. 1868 — 75), welche er noch im hohen Alter unternahm, ist weniger glücklich geraten und geht nur bis ins 15. Jahrh. Seine geschichtlichen Studien führten ihn auf die Idee der histor. Konzerte, welche seitdem in Belgien, England und Deutschland Nachahmung fanden. Weniger Anerkennung als seine geschichtlichen und theoretischen Werke fanden seine Kompositionen für Kirche, Kammer und Theater. Doch wurden seine Opern«aL'amant et le mario und La vieillep sehr oft im Theater Feydeau aufgeführt. Mit Moscheles gab F. ein großes Studienwerk für das Pianoforte, «Méthode des méthodes de pianop, heraus. F. starb zu Brüssel 26. März 1871. Sein Sohn Edouard Louis Frangois F., geb. 16. Mai 1812 zu Bouvignes bei Dinant, beteiligte sich an der Redaction der KRevue musicaley seines Vaters und wurde später Bibliothekar der brüsseler Bibliothek; er gab heraus Les musiciens belgesv(2Bde., 1848). Derjüngere Sohn, Adolphe Louis Eugene, geb. 20. Aug. 1820 zu Paris, gest. als Musiklehrer daselbst 20. März 1873, hat einige Klavierkompositionen veröffentlicht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 741Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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