FeedGossee (Frangois Jos.)
MusikBrockhaus 1882

Gossee (Frangois Jos.), franz. Tonsetzer, geb. zu Vergnies (leinem Dorfe im Hennegau) 17. Jan. 1733, erhielt musikalische Bildung als Chorknabe an der Kathedrale von Antwerpen und ging 1751 nach Paris. Hier trat er zuerst als Vorspieler in die Privatkapelle des reichen Generalpachters La Popelinière und schrieb in dieser Stellung (um 1754) die ersten Symphonien im eigentlichen Sinne, welche Frankreich aufzuweisen hatte. Einige Jahre später ging er als Musikdirektor in die Dienste des Prinzen von Conti. Nachdem er seine ersten Quartette und sein berühmt gewordenes Requiem komponiert, begann er 1764 mit der Operette Le faux lordo für die Bühne zu arbeiten. Dieser folgten „Les pécheurso, Toinon et Toinetteo, Sabinusv, Théséer, MHylas et Sylvier, La reprise de Toulono u. s. w. Im J. 1770 errichtete G. ein Liebhaberkonzert, bei dem der berühmte Chevalier von Saint-Georges als Vorgeiger wirkte. Für dieses Institut schrieb er verschiedene seiner größern Symphonien und machte es überhaupt durch seine Bemühungen zum eigentlichen Ausgangspunkt für die Vervollkommnung der Orchester⸗-Exekutierung in Frankreich. Verdienstlich wirkte er auch durch seine Direktion der Concerts spirituels, die er 1773 übernahm und in Gemeinschaft mit Gaviniès und Ledue vier Jahre lang führte. Im J. 1784 erhielt er die Oberleitung der nach seinem Plane vom Baron von Breteuil gegründeten Ecole de chant et de déclamation, des ersten Keims zu dem nachherigen Konservatorium der Musik, nach dessen Errichtung 1795 er eine der Inspektorstellen und später eine Professur der Komposition erhielt. Während der Revolution erregten seine Hymnen auf die Göttin der Vernunft, sowie die zu Ehren des höchsten Wesens großen Enthusiasmus. Seine Thätigkeit am Konservatorium, die sich auch durch die Beteiligung an der Herstellung verschiedener Lehrbücher dieser Anstalt, z. B. der Gesangschule, des Solfége-Werks, äußerte, war unermüdlich und währte bis 1815, wo er in Pension trat. Seitdem lebte er in Passy, wo er 16. Febr. 1829 starb.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 217Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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