Fries (Jak. Friedr.), deutscher Philosoph, geb. 23. Aug. 1773 zu Barby, erhielt seine Bildung seit 1778 in der Brüdergemeine zu Barby, auf deren Seminar daselbst er auch seine theol. Studien machte. Um sich den philos. Wissenschaften zu widmen, ging er 1795 nach Leipzig, dann nach Jena, wo er 1801 die Erlaubnis zu Vorlesungen erhielt. Nachdem er 1803 und 1804 in Gesellschaft eines Freundes Deutschland, die Schweiz, Frankreich und Fealien durchreist hatte, folgte er 1805 dem Rufe als Professor der Philosophie und Elementarmathematik nach Heidelberg, von wo er 1816 als Professor der theoretischen Philosophie nach Jena zurückkehrte. Nach dem Wartburgfeste, welchem er beiwohnte, wurde er seiner angeblich demagogischen Ansichten halber von seinem Lehramte suspendiert und 1824 der Professur der Philosophie gänzlich enthoben; dagegen bekam er die Professur der Physik und Mathematik, die er bis zu seinem Tode, 10. Aug. 1843, bekleidete. F. gehörte zu den weiter strebenden Kantianern, ähnlich wie Joh. Gottlieb Fichte. Denn wie dieser, so nahm auch er an, daß zu den Kantschen Kritiken noch ein Prinzip der Systematik hinzugefunden werden müsse, suchte dasselbe jedoch im Gegensatze zu der durch Fichte begonnenen metaphysischen Richtung in einer psychologistischen, auf Erfahrung des innern Sinnes sich aufbauenden Begründung. Diese seine Grundansicht legte er nieder in seinem Hauptwerke, der Neuen oder anthropol. Kritik der Vernunfto(3 Bde., Heidelb.1807; 2. Aufl. 1828—31). Unter seinen zahlreichen Schriften verdienen außerdem noch Erwähnung: «Philos. Rechtslehre oder Kritik aller positiven Gesetzgebungo (Jena 1803), „System der Philosophie als evidente Wissenschafto (Lpz. 1804), «System der Logiko (Heidelb. 1811; 3. Aufl. 1837), Vom Deutschen Bund und deutscher Staatsverfassung; allgemeine staatsrechtliche Ansichteno (Heidelb. 1816; neue Aufl. 1831), «Handbuch der praktischen Philosophierv (2 Bde., Lpz. 1817—32), «Handbuch der psychischen Anthropologiex (2 Bde., Jena 1820—21; 2. Aufl. 1837—39), stem der Metaphysiko (Heidelb. 1824), (Geschichte der Philosophie, dargestellt nach den Fortschritten ihrer Entwickelungo (2 Bde., Halle 1837 — 40), „Versuch einer Kritik der Prinzipien der Wahrscheinlichkeitsrechnungo (Braunschw. 1842). Besonders beachtenswert aber sind seine Ansichten über Religion und Glauben, wie sie niedergelegt sind in Die Lehren der Liebe, des Glaubens und der Hoffnung, oder Hauptsätze der Glaubens⸗ und Tugendlehrey (Heidelb. 1823) und in dem philos. Romane (Julius und Evagoraso, oder die Schön98 der Seelen (2 Bde., Heidelb. 1822). Unmittelare Fortsetzer der F.schen Lehre waren Calker und Apelt. Von den Anhängern seines Systems gaben Apelt, Schleiden, Schlömilch, Fr. Francke und E. Schmidt «Abhandlungen der F.schen Schuley (2 Hefte, Lpz. 1848—49) heraus. Das Verhältnis von F. zu Fichte, Schelling und Hegel findet sich rinlich erörtert bei Kuno Fischer, «Die beiden kantischen Schulen in Jenay (Stuttg. 1862). Vgl. Henke, «Jakob Friedrich F. Aus seinem handschriftlichen Nachlasse dargestellt» (Lpz. 1867). Am 23. Aug. 1873 wurde ihm zu Jena am Fürstengraben eine Büste errichtet.