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NaturlehreBrockhaus 1882

Fettsäuren, in der Chemie Bezeichnung für eine Gruppe von organischen, einbasischen Säuren, die sich von der Ameisensäure H.C0O0UH dadurch ableiten, daß das außerhalb der Carboxylgruppe stehende Wasserstoffatom durch Alkoholradikale vertreten ist. Es gehören hierher die folgenden Säuren: H.COOI1I Ameisensäure, CII..COOIèI Essigsäure, Methylcarbonsäure, C. H.. COOII Valeriansäure, Butylcarbonsäure, CsIII7.COOH Pelargonsäure, Nonylsäure, Cis Ha7-COOlII Myristinsäure, Cü9 II39.COOH Arachinsäure, C.1I.2.CO0lI Behensäure, Diese Säuren zeigen in ihren Eigenschaften sehr viel Gemeinsames. In ihrer Zusammensetzung unterscheidet sich die eine von der andern dadurch, daß die in der Reihe zunächst höher stehende jedesmal die Atomgruppe CU1 oder ein mehrfaches dieser Atomgruppe mehr enthält als die vorhergehende, was auf eine Substitution von je einem Methyl für ein Atom Wasserstoff des Radikals zurückzuführen ist. So wie die Essigsäure aus der Ameisensäure durch eine derartige Substitution hervorgeht, so entsteht die Propionsäure aus der Essigsäure, indem diese ein Atom Wasserstoff abgibt und dafür Methyl aufnimmt; hiernach ist die Propionsäure CII,CIL COOII u. s. f. Die vier ersten Glieder der Reihe, bis zur Buttersäure, sind scharf sauer schmeckende, mit Wasser in jedem Verhältnis mischbare Flüssigkeiten, die folgenden, bis zur Pelargonsäure, sind ölig, in Wasser kaum löslich, die übrigen starre, krystallisierende Körper, in Wasser ganz unlöslich und mit ihrem steigenden Kohlenstoffgehalt auch immer schwerer schmelzbar werdend; so schmilzt die Caprinsäure bei 30, die Stearinsäure bei 69˙, die Melissinsäure bei 91 C. Die Stearinsäure, die Palmitinsäure nebst der nicht in diese Reihe gehörenden Olsäure sind als Glyceride Bestandteile aller Fette (s. d.), und viele der kohlenstoffreichern Säuren sind ebenfalls als Glyceride in einzelnen Fettsorten nachgewiesen; so enthält z. B. die Butter Butyrin oder das Glycerid der Buttersäure. Jeder einzelnen dieser Säuren entsprechen Aldehyde, Alkohole, Ather, Ketone, und diese ganze große Klasse von organischen Verbindungen, von denen viele in isomeren Formen auftreten, faßt man mit dem Namen der Fettsäuregruppe zusammen, um sie von einer andern Klasse, der der Aromatischen Verbindungen (s. d.), zu unterscheiden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 745Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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