Fibrin (Faserstoff), ein zu der Klasse der Proteinstoffe (s. d.) gehörender Körper, der sich aus gerinnendem Blut, Lymphe, Ersudaten ausscheidet, ohne aber in diesen präformiert zu sein. (S. lut.) Im reinen Zustande erhält man es, indem man Plasma gerinnen läßt, oder indem man frisch gelassenes Blut heftig quirlt, wobei es sich, mit wenig Blutkörperchen gemengt, als Fasern abscheidet, die in fließendem Wasser durch Abspülen von Blutkörperchen befreit werden. Zweckmäßig kann man auch Blut mit so viel konzentrierter Kochsalzlösung mischen, bis das Gemisch 4 Proz. Kochsalz enthält und dann im Eisschrank stehen lassen, bis die roten Körperchen sich abgesetzt haben. Wird die klar dekantierte Flüssigkeit mit viel Wasser vermischt, so scheidet das F. sich ab. Das ewaschene F. bildet eine faserige, hoch elastische, chwach durchscheinende, farblose Masse, die beim Trocknen zu harten, brüchigen, hornartigen Gebilden zusammenschrumpft. In verdünnten Alkalien ist es unter Bildung von Alkali⸗-Albuminat, namentlich beim Erwärmen löslich; beim vorsichtigen Neutralisieren mit Säuren wird es aus dieser Lösung gefällt; ein überschuß von Säuren löst es wieder und verwandelt es in Syntonin. Beim Erwärmen in Wasser schrumpfen die Fibrinflocken bei 72° C. und gehen dann in eine andere Modifikation über, die sich in chem. Beziehung von dem F. quillt und löst sich bei Blutwärme in mehrern Salzlösungen, z. B. Salpeter, das erhitzte ist darin unlöslich. Das gewöhnliche zersetzt eine Lösung Wasserstoffsuperoxyd unter lebhafter Entwickelung von Sauerstoff; das erhitzte F. verhält sich indifferent gegen diese Flüssigkeit. Als Pflanzenfibrin bezeichnete Liebig den in Alkohol unlöslichen Teil des Klebers (s. d.) der Getreidesamen, doch wird dieser Körper jetzt meist Gluten-Casein genannt.