FeedFicoronische Cista
AllerleiBrockhaus 1882

Ficoronische Cista, die größte und schönste aller aus dem Altertum erhaltenen Cisten, wurde um 1744 unweit Palestrina, dem alten Praeneste, ben und 5 von dem röm. Antiquar Ficoroni erworen und dem Kircherschen Museum in Rom geschenkt, dessen größte Zierde sie noch ist. Diese Ciste ist, wie fast alle antiken Cisten, cylinderförmig und diente zum Aufbewahren von Toilettegegenständen und adeutensilien. Die ganze äußere Fläche ist mit eingravierten Ornamenten und mit Darstellungen geschmückt, welche sich durch Feinheit der Zeichnung wie durch geistvolle Komposition gleich sehr auszeichnen. Der bildliche Schmuck stellt eine Episode aus der Argonautenfahrt dar, und zwar zunächst die Landung des Schiffes Argo am bithynischen Gestade; dann Wprowihmt übung der Griechen; eine Quellscene; Verproviantierung der Argo mit Wasser, das in großen Amphoren aus der Quelle geschöpft wird; weiterhin zwei Helden in trautem Gespräch miteinander und endlich die Bestrafung des ungastlichen Bebrykenkönigs Amykos nach seiner Uberwindung im Faustkampf durch Polydeukes (Pollux). Auch der Deckel der Cista ist mit fein eingravierten Figuren geschmückt, welche Jagdscenen darstellen. Der aus drei Figuren bestehende Griff des Deckels (Dionysos zwischen zwei Satyrn) ebenso wie die Füße der Cista, sind von gänzlich verschiedener, derber Arbeit; ersterer durch eine darauf eingegrabene altlat. Inschrift aus dem 3. Jahrh. v. Chr. merkwürdig (Novios Plautios med Romai fecid; Dindia Macolnia fileai dedito), welche als Verfertiger des Griffs einen Novius Plautius zu Rom nennt. Die besten Reproduktionen des bildlichen Schmucks dieser Cista finden sich bei Bröndsted, Den Ficoronisken Cista »(Kopenh. 1847); Braun, Die Ficoronische Cistav (Lpz. 1849); O. Jahn, Die Ficoronische Cistar (Lpz. 1852).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 786Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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