Fidschi-Inseln oder Fidji-Inseln (engl. Fiji-Islands), richtiger Viti- oder Witi-Archiel, im ONO. von Neucaledonien, zwischen den meuen Hebriden und den Freundschaftsinseln (15 47 bis 21 4 südl. Br., 176 51 westl. L. bis 175 38 Pöstl. L. von Greenwich) gelegen, heißt die umfangreichste, fruchtbarste, der Lage nach wichtigste und überhaupt die wertvollste Inselflur Polynesiens, gebildet von acht Gruppen, welche 255 Inseln verschiedener Größe, zusammen 21 168 qkm mit (1881) 2293 Weißen und 124999 Eingeborenen, Mischlingen u. s. w. enthalten. Nur kaum 100 Inseln sind bewohnt. Die acht Gruppen werden gebildet durch die vier größten Inseln mit den sie umgebenden kleinern, und zwar; Vitilevu (Großviti), die größte und politisch bedeutendste Jusel (11760 qkm), Kandavu, die schönste und reichste Insel (560 qkm), Vanualevu (das große Land, 6492 akm), Taviu ni (560 qkm); weiterhin liegen im W. des Archipels: die Wasavakette und im O. die Ringgold-, die Exploring⸗-(oder Vanuam-Balavu-) Gruppe mit den Lakemba-⸗Inseln und Viti-i-Loma (das innere Viti), d. h. die centralen Inseln. Die größern Inseln sind gebirgig und hoch (Vitilevu im Pickering-Peak über 1600 m), zum Teil vulkanischen Ursprungs, die kleinen Eilande niedrig, wahrscheinlich auf Korallengrund ruhend. überhaupt liegt der ganze Archipel in einem vollständigen Korallenpark, und sämtliche Inseln sind ganz oder teilweise von Korallenbänken, Riffen und Klippen umkränzt, sodaß in Verbindung mit heftigen Strömungen das Anlanden der Schiffe sehr erschwert ist. Das Klima ist sehr warm, aber nicht ungesund, der Boden fruchtbar, die Vegetation reich und üppig. Die Produkte der Südsee-Inseln sind hier in größter Mannigfaltigkeit vorhanden, und außerdem hat der Archipel eine Menge Pflanzen, die ihm eigentümlich zu sein scheinen: Brotfruchtbäume in neun Varietäten, Bananen, Kokos- und Sagopalmen, Vams, Bataten, Arrowroot u. s. w. liefern reichliche Nahrung. überdies kultiviert man Zuckerrohr, Baumwolle, Tabak und den Papiermaulbeerbaum. Auch hat man gelungene Versuche mit dem Anbau von Kaffee, Reis, Mais und Indigo gemacht. Der berühmte Sandelholzwald auf Vitilevu, aus welchem früher die Europäer ganze Schiffsladungen ausführten, ist harte völlig verschwunden. Dagegen sind andere harte, zum Schiffbau und zur Ausfuhr geeignete Hölzer vorhanden. Auch fehlt es nicht an gutem Weideland. Schweine, Hunde, Hühner und anderes Geflügel, sowie Schildkröten, Vampyre und Ratten gibt es in Menge. Von hohem Werte und nebst dem Kokosnußöl die wichtigsten Ausfuhrartikel sind Trepang, der als Leckerbissen nach China geht, und das Schildpatt. Die Bewohner des Archipels nehmenin authropnl. und linguistischer Hinsichtgewissermaßen eine vermittelnde Stellung zwischen der östl. und westl. Familie der malaiisch-polynes. Völker ein. Sie sind ein Mittelschlag zwischen den Melanesiern und Polynesiern, größer und dunkelfarbiger als die benachbarten Insulaner und von kriegerischem Ansehen. Ihr wolliges Haar lassen sie sich frühzeitig besenförmig ausbreiten. Wie an Tapferkeit ffert es ihnen auch nicht an Scharfsinn und Kunstfertigkeit. Aber sie sind in Götzendienst und Aberglauben versunken und werden als die ärgsten Menschenfresser geschildert. Dieser Kannibalismus, hauptsächlich an erschlagenen Feinden, Kriegsgefangenen und Schiffbrüchigen ausgeübt, hat dem Archipel den Namen Cannibal-Islands zugezogen. Mord, Fehden und Raubzüge haben die Bevölkerung seit einem halben Jahrhundert um ein Drittel, in manchen Bezirken sogar um die Hälfte gemindert. In neuerer Zeit weichen durch die seit 1835 auf Lakemba begonnene und später auf andere Teile des Archipels mit Erfolg ausgebreitete Wirksamkeit der wesleyanischen Missionare die blutdürstigen und wilden Gewohnheiten der Einwohner mehr und mehr. Da einem Vierteljahrhundert wurde ein Drittel der Bevölkerung, 1854 auch der Oberkönig nebst seinem Hofe zum Christentum bekehrt. Der Archipel wurde 6. Febr. 1643 von Tasman entdeckt, welcher die Eilande Prins Willemsinseln und Hemskerksdroogten benannte, 1773 teilweise von Cook wieder aufgefunden, 1789 und 1792 von Bligh durchsegelt. Umfassendere Kenntnis verdankt man aber erst Dumont d'Urville (1827) und der nordamerik. Expedition unter Wilkes (1840). In neuerer Zeit hegte man das Projekt, eine große Auste und Handelsroute zwischen Europa und Australien via Centralamerika direkt über diesen Archipel zu leiten. König Thakombau bot 1858, um einer Züchtigung durch die Vereinigten Staaten von Amerika zu entgehen, seine Herrschaft der Krone England an. Am 24. Dez. 1859 legten Thakombau und die übrigen Häuptlinge die Regierung in die Hände des brit. Konsuls Will. Thom. Pritchard. Allein die brit. Regierung lehnte auf Anraten des Gouverneurs von Neusüdwales und des zur Untersuchung der Inseln abgesandten Obersten Smythe 1861 dies Anerbieten ab, weil sie bedeutende Kosten, die Konlmten eines Kriegs mit den Insulanern und Konflikte mit den übrigen Seemächten befürchtete. Am 5. Juni 1871 ward Thakombau zum König der 0 ausgerufen; aber schon nach wenigen Jahren stellte sich die Notwendigkeit heraus, die auf den V9½½% lebenden brit. Unterthanen zu schützen und den in den dortigen Gewässern stattfindenden Menschenhandel zu unterdrücken, und so wurden 30. Sept. 1874 die F. für eine engl. Kronkolonie mit einer der australischen ähnlichen Verfassung erklärt. Zwölf der Regierung verantwortliche und von derselben bezahlte Oberhäuptlinge vermitteln die Regierung des Landes, ihnen stehen 26 einheimische Magistratspersonen zur Seite. Von Levuka hat man neuerdings den Sitz der Regierung nach Suva, einem vortrefflichen Hafenplatz an der Südküste von Vitilevu verlegt. Thakombau starb 1. Febr. 1883 auf der Insel Levuka. Reiseberichte über die F. haben in neuerer Zeit besonders Rowe (1858), Seemann (1862) und Smythe (1864) geliefert. Vgl. Oberländer, Oceanien, die Inseln der Südseer (Lpz. 1873); Meinicke, Die Inseln des Stillen Oceanso (2 Bde., Lpz. 1876); Gordon und Goteh, The Australian handbook for 18825; Cumming, «At home in Fijis (Lond. 1882).