Gesellschaftsinseln oder Societätsinseln nennt man eine Inselgruppe Oceaniens, welche, zwischen 16 und 18 südl. Br., 225 und 2307östl. L. in der Richtung von NW. gegen SO. ausgebreitet, außer mehrern kleinen Eilanden aus 11 Hauptinseln besteht, durch eine breite Meeresstraße in zwei Abteilungen, die 9 eigentlichen Gesellschaftsinseln (nach ihrer Lage zum Passatwinde auch Leeward-Islands oder Inseln unter dem Winde) im NW., und die 5 Georgischen oder Tahiti-Inseln (engl. Windward-Islands oder Inseln im Winde) im SO., geschieden und nach der größten von allen, Tahiti d.), auch im ganzen als Tahiti-Archipel bezeichnet wird. Obgleich zum Teil schon von Quiros 1606 entdeckt, dann 1722 von Roggeveen, 1767 von Wallis und 1768 von Bougainville besucht, sind diese Inseln doch zuerst von Cosk 1769—78 gründlich erforscht worden, der sie zu Ehren der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu London benannte. Die Leeward—⸗ inseln nehmen einen Gesamtflächeninhalt von 437 qkm ein, Seuln 5165 E. und bestehen aus den Eilanden: 1 Bellingshausen (Ururutu), 10 qkm groß; 2) Scilly (Fenuaura), 15 akm; 3) Lord Howe (Mopiha oder Motuhea), 15 akm; 4) Maupiti (d.i. zwei Berge), 12 akm; 5) Tubai (Motu-iti), 12 qkm; 6) Borabora (Bolabola, früher Fa arui, d. i. großes Thal), 24 4km; 7) Tahaa oder Otahaa, 82 qEm; 8) Raiatea (Ulietea oder Princesa), 194 qkm; 9) Huahine, 73qkm groß, welches letztere wiederum aus zwei Inseln: Huahine nui(Großhuahine) und Huahine iti (Kleinhuahine), besteht. Zu den Windwardinseln, die insgesamt 1213,32 àkm mit 11172 E. umfassen und zu denen nur eine kleinere Laguneninsel gehört, rechnet man: 1) Maiaoiti (früher Tabuaem anu sauch Tapamanoa] oder Charles⸗-Saundersinsel), 34 gkm groß; 2) Moorea (Eimeo oder Duke of Vork), 132,37 akm; 3) Tahiti oder Porionun, auch Tahiti-nui (frz. Taiti, früher Sagittaria, King George, auch Nouvelle Cythere genannt), die größte der Inseln mit einem Flächeninhalt von 1042/½15 akm und 9745 E.; 4) Tetuaroa (die ferne See, oder Tethuroa, 2 qkm groß, aus drei Inselchen bestehend), und 5) Matia oder Mehetia Boudoir, San-Christoval), 3 qkm groß. Die Insel Moorea zählt auf 132,37 ꝗkm 1427 E.; die Tetuaroa-Inseln sowie Matia werden nur von einigen Eingeborenen bewohnt. Die zum Archipel gehörigen Eilande sind von großen Korallenriffen umgeben, hinter denen schöne, doch schwer zugängliche Häfen liegen. Der Archipel gehört zu den hohen, gebirgigen Inseln Polynesiens. Der höchste Berg ist der 2400 m I1 Orohena auf Tahiti. Auf den übrigen Inseln übersteigen die höchsten Spitzen kaum die Höhe von 900 m. Die Gehirge sind dicht bewaldet, die Küstenebenen durch Gebirgsbäche reichlich bewässert und bei der Fruchtbarkeit des Bodens, der Milde und Gleichmäßigkeit des Klimas mit einer reichen Vegetation bedeckt. Die Erzeugnisse des Pflanzenreichs sind meist die der übrigen Südsee-Inseln, namentlich treffliche Nahrungspflanzen, wie Brotfruchtbäume, Vams⸗, Arum-⸗und andere Wurzeln, Süßkartoffeln, Pisang, Kokosnüsse, Feigen, eine eigene, sehr ergiebige Art Zuckerrohr, ferner Mirobalanen- und Papiermaulbeerbäume, sowie auch, von den Europäern hierher verpflanzt, Orangen, Citronen, Ananas, Kürbisse, sowie Baumwolle, Kaffee, Tabak u. s. w. Von einheimischen Quadrupeden finden sich nur austral. Hunde, Schweine und Ratten, aber, durch die Engländer eingeführt, auch europ. Haustiere. Ferner hat man Hühner, Tauben, wilde Enten, Eisvögel, Papageien und Reiher, im Meere Wal- und Haifische, Krabben und Austern. Das Mineralreich liefert Eisen, Thonerde, schwarzen Basalt, Schwefel und in den Seen Salz. Die Zahl der Bewohner wurde von Cook und Forster zwar übertrieben auf Hunderttausende geschätzt, war aber jedenfalls bei weitem bedeutender, als sie infolge der von den Seefahrern eingeschleppten ansteckenden Krankheiten und Laster jetzt ist. Diese Eingeborenen sind von großem, schönem polynes. Schlage, im Außern wie in Sitten und Lebensweise im ganzen den Eingeborenen der nahen Freundschafts⸗ und Schifferinseln ähnlich. Auf den eigentlichen G. bauen sich die Bewohner bequeme Wohnhäuser, schmieden kunstgemäß ihr Eisen, zimmern Schoner von 18—20 t Last und haben deren oft 810 zugleich auf den Werften. Ihre religiösen Vorstellungen kamen vor der Einführung des Christentums mit denen der übrigen Inselwelt überein. Sie standen zur Zeit der Entdeckung unter kleinen erblichen Königen, deren Einfluß jedoch durch die Macht des Adels sehr beschränkt war. Ihr Charakter zeigte sich seit der ersten Berührung mit den Europäern fortwährend in großer Milde, Freundlichkeit und Gutmütigkeit, ja selbst Schwäche, und wenn es ihnen dabei auch an Kriegslust nicht ganz fehlte, so kontrastierte er doch immer sehr gegen die Wildheit und Kampflust anderer, ihnen nahe verwandter Stämme der Südsee. Der Bildung der Europäer erwiesen sie sich von Anfang an überaus geneigt und nahmen deren Sitten mit Vorliebe auf. Einzelne Europäer ließen sich zuerst im ganzen Ocean in Tahiti nieder, und es wurde bereits 1797 durch die londoner Missionsgesellschaft die erste prot. Mission in der Südsee gegründet. Der Götzendienst wurde 1815 beseitigt, nicht ohne Widerstand der Bewohner; 1817 setzten sich die Missionare hier fest, und jetzt sind alle Insulaner Christen. Uüberall hat man Kapellen und Schulhäuser erbaut und das Volk ist in seinen Sitten und Gewohnheiten, in Kleidung und Lebensweise wesentlich umgewandelt. Bis 1835 waren es hauptsächlich prot. Missionare, welche auf den G. wirkten, und der Protestantismus war Landesreligion. Französische Jesuiten, welche später Bekehrungsversuche machten, wurden von den Eingeborenen vertrieben, sodaß Ludwig Philipp als Rächer seiner beleidigten Kirche und zugleich der franz. Nationalehre aufzutreten sich bewogen fand und 1838 den Admiral Dupetit-Thouars mit der Fregatte Venus deshalb absandte. Die ein-Bermauae Königin Pomare mußte sich den harten edingungen fügen, und so maßten sich die Franzosen das Protektorat über die Inselgruppe an. Der sog. französische Schutzstaat Tahiti (1179,52 qkm) mit dem Hauptort Papete umfaßte die Windwardinseln, mit einziger Ausnahme von Maiaoiti oder Tapamanoa, während die Leewardinseln noch nominell unter der unmittelbaren Herrschaft der heimischen Könige blieben. Am 29. Juni 1880 wurde vom König Pomare V. und dem Kommissar der franz. Republik auf den G. ein Vertrag unterzeichnet, durch welchen die volle und ganze Souveränetät über alle von der Krone von Tahiti abhängenden Gebiete (also die Inseln Tahiti, Moorea, Tetuaroa und Matia, 1179,52 qkm mit 11 172 E., davon 6411 männliche und 4761 weibliche) an Frankreich cediert wurde. Ein Gesetz vom 30. Dez. 1880 erklärte die Insel Tahiti und die davon abhängenden Archipele für eine franz. Kolonie und gewährte den sämtlichen ehemaligen Unterthanen des Königs von Tahiti die franz. Nationalität mit allen Rechten der letztern. Durch Erlaß vom 28. März 1881 wurden die Häfen Papete und Port-Phaeton auf Tahiti, sowie Papetogi auf Moorea dem auswärtigen Handel geöffnet. Das jährliche Budget dieser franz. Kolonie beträgt 1 Mill. Frs. Der Wert der Einfuhr belief sich 1879 auf 3212000 Frs., derjenige der Ausfuhr auf 1216000 Frs. Es liefen in derselben Zeit 64 Schiffe ein, dagegen 32 aus. Vgl. Oberländer, «Oceanien, die Inseln der Südseer; C. Meinicke, Die Inseln des Stillen Oceans (2 Bde., Lpz. 1875—76).