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TechnikBrockhaus 1882

Filter, die zum Filtrieren (s. d.) dienenden Vorrichtungen. ilterpresse, ei ss lch Abs ilterpresse, eine Presse, welche zur onderung feiner, pulverähnlicher Substanzen aus Flüssigkeiten, resp. zur Trocknung fester Stoffe mit vorzüglichem Erfolg angewendet wird. So benutzt man 5 ur Entsaftung des sog. Scheideschlammes in der Zuckerfabrikation, zur Entwässerung der Stärke, zum Auspressen von Stearin, Hefe, Graphit, auch zur Filtration von Brauereiprodukten, sowie der Produkte chem. Fabriken. Im allgemeinen bestehen dieselben, wie aus der beistehenden Abbildung ersichtlich, welche die F. in ihrer einfachsten Form darstellt, aus einer Anzahl Platten b und zwei Kopfstücken rund ri, von denen die erstern beiderseitig, die letztern nur an der Innenseite vertieft, gerippt, mit durchlochten Blechen überzogen und mit sorgfältig gehobelten Dichtungsrändern versehen sind. Zwischen die Platten werden Filtertücher gespannt, und in den durch die Vertiefungen gebildeten Räumen sammeln sich die festen Bestandteile als sog. Kuchen, während die Flüssigkeit durch die Hähne n, deren jede Platte in der einen untern Ecke einen besitzt, in die Rinne c abläuft und aus dieser durch den Ansatz d fortgeleitet wird. Zur Einführung der zu filtrierenden Masse, sowie von Dampf oder Wasser befinden sich in der Mitte und in einer Ecke jeder Platte Löcher, welche nach erfolgter Zusammensetzung Kanäle bilden, an welche sich die in dem fesistehenden Kopfstücker befindlichen Ventile h und di anschließen. Die einzelnen Platten haben seitliche Ansätze und SWedilde mit Hilfe deren sie nacheinander auf die Verbindungs⸗ und Zugstangen a aufgesetzt werden; mittels der Druckspindel p und des Handrades E werden sie fest aneinander gepreßt, sodaß die Plattenränder einen dichten Verschluß bilden. Der Schlamm tritt durch das Ventil h ein und füllt die Zwischenräume der Platten; die festen Bestandteile werden von den Filtertüchern zurückgehalten, während die Flüssigkeit den oben beschriebenen Weg nimmt. Sobald die ganze Presse mit Schlammkuchen gefüllt ist, was sich durch langsames Tröpfeln der benlbg n oder Abblasen des Sicherheitsventils s bemerkbar macht, wird da, wo es sich um die Gewinnung der Flüssigkeit handelt, noch ein Wasserstrom durch die Presse eschickt, um die im Schlamm noch enthaltene Faussigteit durch das Wasser zu verdrängen. Nach beendigter Operation muß die Presse auseinander genommen, entleert, gereinigt und mit neuen Filtertüchern versehen werden. Von den vielfachen Modifikationen dieser Grundform der F. ist die gebräuchlichste Konstruktion diejenige mit Anwendung von Rahmen außer den Platten, wobei die als Unterlage der Filtertücher dienenden gelochten Bleche in gleicher Höhe mit den Dichtungsrändern der Platten liegen und die Kuchen sich in den Rahmen bilden, mittels welcher sie nach erfolgter Füllung bequem bmen iud wit werden können. Platten, sowie Rahmen sind mit Hähnen, der Unterscheidung wegen mit verschieden langem Küken versehen; bei dieser Konstruktion fällt meist der Mittelkanal fort und der Eintritt des Schlamms erfolgt gleichfalls in einem durch Eck-Fällen soll der abfiltrierte Stoff gesammelt werden, das Filtrat ist wertlos; oder aber es kommt auf die Sammlung des abfiltrierten Stoffs sowohl wie auf die des Filtrats an, beide sind gleich wertvoll. Hiernach müssen die zum F. dienenden Vorrichtungen gewählt werden. Im chem. Laboratorium bedient man sich meistens der aus Papier gefertigten Filter, welche zu kreisförmigen Scheiben geschnitten und nach zwei sich rechtwinkelig kreuzenden Durchmessern gefaltet werden, wodurch beim Aufklappen ein Konus von 60° gebildet wird. Als Träger des Filters dient ein Glastrichter, in welchen der mit der Spitze abwärts gerichtete Papierkonus so gesteckt wird, daß das Papier sich überall gleichmäßig an die Trichterwandung anschmiegt; die Größe des Trichters ist so zu wählen, daß der Rand desselben wenigstens um einige Millimeter über den Rand des Filters hervorragt. Der Trichter wird entweder unmittelbar auf ein flaschenförmiges 1* gesetzt oder von einem Stativ getragen, um das Filtrat in einem Becherglase, an anseat Innenwandung sich die Spitze des Trichters anlegt, zu sammeln. Um die Filtrationsgeschwindigkeit zu beschleunigen, wendet man Apparate an, bei welchen die Mündung des Trichters in einen luftleer gemachten Behälter endet; es ruht dann das ganze Gewicht der Atmosphäre auf dem Spiegel der im Filter befindlichen Flüssigkeit und preßt diese durch die Poren des Papiers. Ein solcher von Bunsen konstruierter Apparat ist in umstehender Fig. 1 dargestellt. Ein starkwandiger Glaskolben K ist mittels eines zweimal durchbohrten Kautschukstöpsels verschlossen. In die eine Durchbohrung ist ein rechtwinkelig gebogenes Glasrohr eingefügt, welches mittels des Gummischlauches Rmit einer Wasserluftpumpe oder einer sonstigen Saugvorrichtung kommuniziert; die zweite Durchbohrung nimmt dicht schließend das Ablaufrohr des Trichters Tauf. Da bei dem starken Drucke leicht die weiche, frei in dem Trichterhals schwebende Spitze des Filters durchbrochen wird, so gibt man dieser einen Schutz in Form eines ganz kleinen, aus dünnem Platin angefertigten Konus. Flüssigkeiten, welche das Papier angreifen, wie starke Säuren, Alkalien u. dgl., filtriert man durch Schichten von Asbest, Glaswolle, Glaspulver. In der Technik, wo es sich darum handelt, saen Mengen von Flüssigkeit zu klären, benutzt man Spitzbeutel von Leinen, Filz oder der Beschaffenheit der Flüssigkeit angepaßtem Material, die frei schwebend in viereckigen Holzböcken aufgehängt werden, oder gewirkte Schläuche, welche, unten geschlossen, am obern Ende an Rohrstutzen befestigt sind, von denen letztere in den Boden eines kastenförmigen Behälters eingeschraubt sind. Die zu filtrierende Flüssigkeit wird aus einem höher stehenden Reservoir in den Behälter geleitet, fließt durch die Schläuche, das Filtrat sammelt sich in einem unter den Schläuchen befindlichen Reservoir. Zum Sammeln von Niederschlägen und zum Auswaschen derselben bedient man sich im Großbetriebe der Seihbottiche. Es sind Behälter, von Holz oder Metall angefertigt, die dicht über ihrem eigentlichen Boden einen zweiten durchlöcherten oder geschlitzten Boden haben, der mit Zeug überspannt ist. Die Flüssigkeit, in welcher der Niederschlag verteilt ist, wird in den Bottich gebracht, der Niederschlag bleibt von dem Filter getragen zurück, während das Filtrat durch eine zwischen beiden Böden angebrachte Offnung abfließt; durch wiederholtes Aufgießen von Wasser wird der Niederschlag gewaschen. Auch hier läßt sich die Operation sehr verkürzen, indem man die Abflußöffnung mit einem luftleer gemachten Behälter verbindet. In umfangreichstem Maße wird die Filtration zur Klärung des Flußwassers behufs der Wasserversor-H gung der roßen Städte ausgeführt. Erfahrungsgemäß beläuft sich der Wasserbedarf pro Kopf der l estädtischen Bevölkerung auf 120—150 U in 24 Stunden, und ein derartiges Auantum muß da, wo natürliche Quellen nicht zur Verfügung stehen und durch „Brunnen nicht in genügender Reinheit zu beschaffen ist, durch Filtration des stets mehr oder weniger trüben Flußwassers geklärt werden. Das filtrierende Material ist hier stets gut gewaschener, von thonigen Bestandteilen befreiter Kies und Sand, der in großen slachen, in Cement gemauerten Filterbetten schichtenweise, mit dem Gröbsten zu unterst und feinem Sand zu oberst ausgebreitet wird. Das Wasser fließt durch die einzelnen Schichten, setzt die trübenden Bestandteile ab und wird klar durch Sammelröhren, die in der untersten Kiesschicht liegen, abgeleitet. Ein solches Filterbett ist in nachstehender Fig. 2 dargestellt. Der gemauerte Kanal II führt das Wasser zu, und dieses wird nach Eröffnung des Schützen R durch das Rohr O und den Hahn 8 in das Filterbett LIL geleitet, durchrieselt die Sand- und Kiesschichten und fließt geklärt durch die Sammelröhren bei g ab. Durch das Rohr R kann bei eingetretener Verschlämmung des Filters Wasser von unten aufsteigend zugeleitet werden, die hierdurch zu erzielende Fortspülung des Schlammes ist jedoch eine sehr unvollkommene und wird daher nur noch selten ausgeführt. Zur Filtration des Trinkwassers im Hausgebrauch sind vielfache Apparate konstruiert worden, deren filtrierendes Material aus porösem Sandstein, aus mit Kohle vermischtem, bei Luftabschluß gebranntem porösen Thon, aus Schichten von Eisenschwamm u. dgl. besteht. Alle diese Vorrichtungen haben jedoch den übelstand, daß sie je nach der Beschaffenheit des Wassers nach kürzerer oder längerer Zeit unbrauchbar werden, da sich ihre Poren verstopfen. Da wo man gezwungen ist, davon Gebrauch zu machen, sollte immer ein Reserveapparat vorhanden sein, der zu benutzen ist, We der andere gereinigt wird. Vielfach wird mit der Filtration eine chem. Einwirkung auf die zu filtrierende Flüssigkeit bezweckt, so können gefärbte Flüssigkeiten entfärbt werden, indem man sie durch le niepen von Holzkohle oder besser von Knochenkohle ließen läßt. Es geschieht dies im größten Maßstabe in der Zuckerfabrikation, und zwar sowohl zur Entfärbung der Rübensäfte bei der Rohzuckerfabrikation, wie auch ganz besonders in der Zuckerraffinerie.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 807Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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