Finckenstein (Karl Wilh., Graf Finck von), preuß. Minister, geb. 11. Febr. 1714, studierte in Genf und trat 1735 als Legationsrat in den preuß. Staatsdienst. Er wurde zunächst Gesandter in Stockholm,‚, 1740 in Kopenhagen, 1742 in London, 1744 wieder in Stockholm und 1747 in Petersburg. Hierauf ernannte ihn Friedrich d. Gr. 1749 um Kabinettsminister und F. blieb bis zum Tode es Königs dessen vertrautester Rat. Auch unter Friedrichs Nachfolgern bewahrte F. seine Stellung bis zu seinem Tode 3. Jan. 1800. indelhäuser sind Anstalten, in denen Findlinge, d. h. Kinder, welche von ihren Eltern verlassen und ausgesetzt und von andern gefunden werden, auf öffentliche Kosten Aufnahme, Verpflegung und Erziehung erhalten. Schon frühzeitig nahm sich die christl. Kirche der Findelkinder an, und bereits im 6. Jahrh. soll zu Trier eine Art von Findelhaus bestanden haben. Beweggrund für die Einrichtung der F. war das Bestreben, das Leben neugeborener Kinder gegen gefährliche Aussetzung und Kindesmord zu schützen. Mit Bestimmtheit läßt sich jedoch erst das Vorhandensein eines Findelhauses 787 zu Mailand nachweisen. Später traten F. auch anderwärts auf, z. B. 1070 zu Montpellier, 1200 zu Eimbeck, 1317 zu Florenz, 1331 zu Nürnberg, 1362 zu Paris, 1380 zu Venedig, 1687 zu London. Nachdem sich diese Anstalten fast allerwärts verbreitet, verschwanden sie nach und nach in den meisten german. Ländern wieder, und zwar namentlich in den protestantischen. Nur in einzelnen derselben, in den roman. Ländern und in Rußland dauerten sie in beträchtlicher Zahl fort. Die F. wurden einerseits zu sehr begünstigt, andererseits aber auch hart getadelt. Alle Statistiken ergeben, wie schnell in fast allen Ländern die unehelichen Kinder, und an vielen Orten, wo Elend das Los der arbeitenden Klasse ist, auch die ehelichen Kinder der letztern dahinsterben. Wenn bei solchen Zuständen sich warme Fürsprecher der F. finden, so läßt sich das begreifen. Die Nachteile der F. sind freilich sehr große. Sie fördern die eschlechtliche Ausschweifung, indem sie die Sorge für die unehelichen Kinder abnehmen; sie erleichtern die Zerreißung der Familienbande und schaffen eine große 6 dant von Menschen, welche isoliert im Staate dastehen, die weder Blutsverwandtschaft noch Heimat haben; sie belasten die Gemeinde und den Staat mit enormen Ausgaben und ausgedehnter Verwaltung. Außerdem hat die Erfahrung ergeben, daß die Findlinge selten tüchtige, brauchbare Menschen werden. Ludwig XIV. bestimmte die männlichen Findelkinder der Armee, Napoleon I. der Marine; in neuerer Zeit hat man sie als Kolonisten nach Algier schicken wollen. Stets stellte sich aber heraus, daß sie schlechte Soldaten, Matrosen, Kolonisten waren. Dagegen ergeben sie sich leicht einem liederlichen Leben und vermehren die Zahl der Landstreicher und Verbrecher. Indes stellen sich dergleichen Resultate nicht nur bei den F., sondern auch bei den Waisendaften heraus, sodaß die Schuld oft der mangelhaften Einrichtung dieser Anstalten zugeschrieben werden muß. Dies ist auch den Verwaltungen nicht entgangen, und man hat sich darum (3. B. 1847 eine königl. Spezialkommission in Belgien) für die Unterbringung der Findelkinder bei Familien der ländlichen Bevölkerung ausgesprochen. Daß die Sterblichkeit in den F. sehr groß ist, erklärt sich nicht nur aus der Schwierigkeit, Säuglinge und ganz junge Kinder in großen Pflegeanstalten aufzuziehen, sondern auch daraus, daß viele Findelkinder bereits bei ihrer Aufnahme siech und leidend sind. In Berz betrug die Sterblich—⸗ keit unter den Findelkindern ungefähr 70 Proz., in England (nach Webbs Angaben) zwischen 60 und 80 Proz.; nur das von den Barmherzigen Schwestern geleitete, bei Oxford belegene Findelhaus hatte (mit etwa 40 Proz.) günstigere Ergebnisse aufzuweisen. Die Einrichtung der F. setzt meistenteils voraus, daß den Eltern der Kinder nicht nachgeforscht wird. In Frankreich ist man aber noch weiter gegangen und hat an den Anstalten Drehcylinder (tours) angebracht, vermittelst welcher die Kinder von Ungesehenen eingeliefert werden können. Diese Erleichterung der Aussetzung vermehrt aber außerordentlich die Zahl der Findelkinder, wie der Umstand beweist, daß da, wo der Dreheylinder unterdrückt wurde, sofort eine beträchtliche Verminderung der Aussetzungen erfolgte. Eine andere Maßregel, welche ebenfalls die Aussetzungen bedeutend mindert, ist das sog. Deplacement, die Versetzung der Findlinge in entfernte Teile des Landes. Es hatte dies sogar die Zurücknahme schon ausgesetzter Kinder zur Folge. Aus Deutschland sind die F. verschwunden; eine 1860 an das preuß. Abgeordnetenhaus gerichtete, die Errichtung eines Findelhauses bezweckende Petition ward verworfen. Die neuere Meinung der Sachverständigen ist sowohl vom Standpunkt der Gesundheitspflege (Pappenheim) als der Volkswirtschaft Max Wirth) den F. entschieden feindlich. Aus neuerer Zeit verdient das Statut für die niederösterr. Gebär-und Findelanstalt zu Wien vom 1. April 1870 erwähnt zu werden. Vgl. Hügel, «Die F. und das Findelwesen Europasv (Wien 1863). [delhäuser.