Finkenwärder, Insel in der untern Elbe, unterhalb Altonas. Ein kleiner Teil derselben gehört zur preuß. Provinz Hannover, der größere Teil zur Landherrenschaft der Marschlande Hamburgs. Die zu Hamburg gehörige Ortschaft Finkenwärder, km im W. von Hamburg, zählt (1880) 2824 C. und hat Schiffbau, Schiffahrt und Fischerei. Das Dorf Finkenwerder, Provinz Hannover, Landdrostei Lüneburg, Kreis Harburg, zählt 718 evang. E. Rentum⸗ (finn. Suomi oder Suomenmaa), Großfürstentum, seit dem Frieden von Fredrikshamn 1809 mit Rußland vereinigt, bildet jedoch hinsichtlich seiner Verfassung, Gesetzgebung und Verwaltung einen besondern Staat. Das Land grenzt im S. an den Finnischen, im W. an den Bottnischen Meerbusen, Schweden und Norwegen, im N. an Norwegen, im O. an Rußland, liegt zwischen 59 48 und 70 nördl. Br. und 38 bis 50° 30“ östl. L. (von Ferro) und umfaßt 373 603,8 qgkm. überaus reich an Binnenseen, hat das Land ein ganz eigentümliches, auf der ganzen Erde kaum wiederholt vorkommendes Aussehen. Vom ganzen Areal kommen 12 Proz. auf diese Binnenseen, außerdem aber auch 20 Proz. auf Sumpfstrecken und Moorgebiete. Obwohl der Boden steinhaltig und mit Hügeln und Höhenzügen besetzt 165 2 0 F. keine Berge von namh im Gebiete Lapplands, nänlich Pallastunturi hafter Bedeutun 23 Die höchsten darunter befinden (857m), Ounastunturi und Peldoivi. Von Osten her senkt sich das Land allmählich nach der Meeresküste zu, sodaß die äborder Weer⸗ innern F. durchschnittlich etwa 100 meüber der Meeresfläche ausmacht. Die niedern Bergrücken, die das Land nach verschiedenen Richtungen durchkreuzen, bilden die Grenzscheiden zwischen den großen See⸗ und 7 Flußsystemen. Unter ihnen am wichtigsten ist Maan-Selkä (Landrücken), welcher von den Bergrücken Norwegens auslaufend, zuerst unter dem Namen Lapintunturit in östl. Richtung Lappland durchzieht und sich dann egen Süden längs der russ. Grenze erstreckt. Bei Jonterinkipi (64 nördl. Br.) biegt dieser Höhenzug nach Südwest, bildet die Grenze zwischen Osterbotten im Norden und Karelien, Sawolax, Tawastland und Satakunda im Süden. Gegen Süden zu en sich von ihm vier Höhenzüge ab, durch weiche die drei größern Wassersysteme begrenzt werden. Diese sind: 1) das Sawolax-Karelische, aus 120 größern (Kallavesi, Pielisjarvi u. s. w.) und mehrern tausend kleinern Seen bestehend, die sich zum großen Saimasee vereinigen. Aus diesem strömt die Wassermasse durch den gewaltigen Wasserfall Imatra (35 mehoch) und den Wuoxenstrom in den Radogaser Um dieses Wassersystem direkt mit dem Finnischen Meerbusen zu verbinden, wurde 1844—56 der 56 km lange Saimakanal zwischen Lauritsala und Wiborg erbaut. 2) Das Ost-Tavastländische Wassersystem mit dem 202 km langen Centralsee Päijäne, der durch den Kynumenestrom in den Finnischen Meerbusen sich ergießt. 3) Das West-Tavastländische System mit den großen Seen Näsijärvi, Pyhäjärvi u. s. w. gelangt durch den wass erreichen Kumostrom zu dan Bottnischen Meerbusen. Im nördlichen F. befinden sich noch mehrere größere Flüsse und Seen, wie der Uleastrom, der dem großen Binnensee Oulujärvi zum Ausfluß dient; ferner Kemi⸗ und Torneästrom (Grenzfluß gegen Schweden). Zum lappländischen Gebiete gehört der bedeutende Enaresee, der durch den Strom Patsjoki in das Eismeer sich fane Die finn. Flüsse sind wegen der Wasserfälle und Stromschnellen nur zum Teil schiffbar; meistenteils können sie jedoch zur Flößung der Holzprodukte aus den großen w +. im Innern des Landes benutzt werden. erhältnis zur nördl. Lage ist das Klima so wuld, daß kein anderes Land unter dem nämlichen Breitengrade, Skandinavien ausenommen, damit in Vergleich kommen kann. Die Fiotherme für 0² jährlicher mittlerer Temperatur beginnt in F. bei 66 (Torneä), während sie in den meisten andern Ländern bedeutend südlicher geht. Verursacht ist das durch die Nähe der angrenzenden Meere, wodurch auch ein ziemlich erheblicher Niederschläg, 61 em bei 162 Regentagen im Jahre, sich ergibt. Die jährliche mittlere Temperatur für Helsingfors beträgt 411 C. Das Land zählt Ende 1880) 2060 782 CE., also 6 auf den Quadratkilometer, und wird in folgende acht Läne (oder Gouvernements) geteilt: Nylands-Län (11871, am mit 202 806 C.), Abo und Björneborgs-Län (24 170,9 akm mit 344 649 CE.), Tawastehus-Län (21584,4 alm mit 221360 E.), Wiborgs-Län (43 054,7 ꝗgkm mit 301 975 CE.), St. Michels-Län (22840 qkm mit 167310 E.), Kuopio-Län (42 730, qkm mit 256 420 C.), Wasa-Län (41710,6 akm mit 358480 E.) und Uleäborgs-Län (165641 akm mit 207 782 CE.). Der überwiegend größere Teil der Bewohner (1756 381) gehört dem finn. Volksstamme an; Schweden (294876) bilden den größern Teil der gebildeten Klasse und die Küstenbevölkerung Nylands, der Alandsinseln und des südl. Teils von Österbotten. Außerdem gibt es noch 4195 Russen, 1720 Deutsche, 1000 Zigeuner und 961 Lappen in den nördlichsten Gegenden. Der Konfession nach sind 98 Proz. Lutheraner und 1,91 Proz. Griechen. Auf die 35 Städte kommen nur 7,8 Proz. der ganzen Bevölkerung, ein Verhältnis, welches darauf hinweist, wie sehr Ackerbau und Viehzucht alle andern Gewerbe überragen. Dennoch genügt der Getreideertrag nur selten den eigenen Bedürfnissen des Landes, denen eine Einfuhr aus Rußland zu Hilfe kommen muß. Nächstdem sind Fischerei und Forstwirtschaft die wesentlichsten Gewerbe des Landmanns. Der Bergbau wird an 23 Hohöfen und 44 Eisenhämmern betrieben und produziert (1879etwa 422 000 Ctr. Gußeisen und 317000 Ctr. Stangeneisen, wozu teils schwed. Bergerze benutzt werden, teils einheimisches See-Erz, woran F. einen ansehnlichen Reichtum hat. Andere Erze kommen nur in geringer Menge vor. Bedeutend ist in der letzten Zeit die eigentliche Fabrikindustrie gestiegen, wie an der ersten großen Industrieausstellung 1876 in Helsingfors unverkennbar ersichtlich war. Für 1876 wurde der ganze Produktionswert auf 60 Mill. finn. Mark geschätzt, wovon auf die Baumwollspinnereien 7,15 Mill., Branntweinbrennereien 8,2 Mill., Papierfabriken 7.3 Mill., Maschinenfabriken 731 Mill., Zuckersiedereien 5,2 Mill., Leinenfabriken 3Mill., Tabaksfabriken 3,1 Mill. kommen. Die Handelsflotte bestand 1880 aus 1980 Fahrzeugen mit 302000 t, worunter 152 Dampfer, die den Verkehr längs den Küsten und Binnenseen, sowie mit den Nachbarländern unterhalten. Ungefähr 70 Proz. des ganzen Warenumsatzes von F. mit dem Auslande wird durch finn. Fahrzeuge vermittelt. Die Einfuhr stieg 1881 auf 154,8 Mill. Mark, darunter Gewebe 17,3 Mill., Mill., Kaffee 12 Mill., Zucker 9,3 Mill., Baumwolle 7,s Mill., Tabak 4,8 Mill., Lederwaren 3,7 Mill., Ble 3,8 Mill., Weine 2,7 Mill., Salz 2,2Mill. Die Ausfuhr betrug 107,3 Mill. Mark, davon Holzprodukte 53,5 Mill., Butter 13,2 Mill., Gewebe 8,3 Mill., Eisen und Stahl 8,1 Mill., Getreide 7 Mill., Papier 7,2 Mill. Rindvieh 3,4 Mill., Glaswaren 2,3 Mill. Mark. Der bedeutendste Export geschah nach Rußland (49,9 Mill.), Großbritannien (20,7 Mill.), Frankreich (8,8 Mill.), Schweden⸗-Norwegen (7,8 Mill.), Spanien (6,2 Mill.), Deutschland (5,2 Mill.), Niederlande (4 Mill.), Dänemark (3,1 Mill.); importiert wurde (1881) aus Rußland für 68,4Mill., Deutschland 40,6 Mill., Großbritannien 17,4 Mill., Schweden-Norwegen 11/½2 Mill., Brasilien 4,3 Mill., den Vereinigten Staaten von Amerika 3, Mill. finn. Mark. Auch das Verkehrswesen hat in neuester Zeit wesentliche Verbesserungen erfahren. Durch Kanäle sind die großen Binnengewässer teils untereinander, teils mit der offenen See verbunden worden. Die Finländischen Eisenbahnen, deren wichtigste Punkte Helsingfors, Wiborg, Tawastehus, Tamerfors, Abo, Wasa und Hangö sind, haben (1882) eine Länge von 1170 km. Die Fortsetzung des Eisenbahnnetzes nach Uleäborg ist vom Landtage 1882 beschlossen und bereits in Angriff genommen. 8 Staatsverfassung ist konstitutionell-monarchisch, obwohl in einer etwas veralteten Form. Auf den alten schwed. Grundgesetzen von 1772 und 1789 beruhend, erhielt sie spätere Ergänzungen durch die Landtagsordnung von 1869. Die Gesetzgebung und das Besteuerungsrecht kommt dem Landtage zu, welcher wenigstens alle fünf Jahre einberufen wird und aus vier Ständen besteht: Adel, Geistlichkeit, Bürger und Bauern. Die höchste obrigkeitliche Behörde des Landes ist der Kaiserliche Senat, aus 20 vom Kaiser ernannten eingeborenen Männern bestehend, deren Vorsitzender der Generalgouverneur ist. Der Senat teilt sich in ein Justiz⸗ und ein Okonomiedepartement, von denen ersteres oberster Gerichtshof ist, letzteres die Verden in Peterdbur Die finn. Angelegenheiten werden in Petersburg von einem Minister-Staatssekretär dem Kaiser vorgetragen. Für die Rechtspflege bestehen drei Hofgerichte in Abo, Wasa und Wiborg, mit den ihnen untergeordneten Stadt- und Landgerichten. Die kirchliche Verwaltung handhabt der Erzbischof in Abo und zwei Bischöfe in Borgä und Kuopio, mit je einem Domkapitel ur Seite. Unter ihnen subordinieren 45 Propseien und 343 Pastorate. Für den höhern Unterricht hat F. eine Universität in Helsingfors mit ungefähr 700 Studenten. Der Elementarunterricht wird in 17 Lyceen erteilt, worunter 9 mit schwed. und 8 mit finn. Unterrichtssprache. Dazu kommen noch 7 Töchterschulen und mehrere Realschulen und niedere Unterrichtsanstalten. Für den Volksunterricht gibt es (1880) 578 Volksschulen mit 26 963 Schülern, deren Lehrer an 3 Volksschullehrer-Seminarien ausgebildet werden. Außerdem gibt es noch verschiedene Fachschulen: zwei landwirtschaft-Uche Institute und mehrere niedere landwirtschaftliche Schulen, ein Polytechnisches Institut, ein Forstinstitut, Navigations⸗ und Handelsschulen, verschiedene technische Schulen, ein Kadettenkorps u. s. w. Die Staatseinkünfte sind für 1882 auf 36 320 714 Mark, die Staatsausgaben auf 35 131146 Mark berechnet. Die Staatsschuld beträgt (1882) 61 422 865 Mill. finn. Mark und ist zum größten Teil für Eisenbahnbauten kontrahiert. F. besitzt verfassungsmäßig ein eigenes Heer und stellte bis zum Schlusse des Jahres 1880 außer einer Anzahl Lotsen im Frieden nur das finn. Leibgarde-Schützenbataillon, welches zum Gardekorps gehörte, jedoch in Helsingfors in Garnison lag, so- wie die zur baltischen Flotte gehörige Garde-Cquipage. Diese Truppen wurden durch Werbung ergänzt und bestehen auch nach der am 1. Jan. 1881 durch Gesetz vom 18. Dec. 1878 erfolgten Einführung der allgemeinen Wehrpflicht weiter fort; doch sind seitdem noch acht Bataillone finn. Schützen (von je 18 Offizieren, 4 Beamten und 505 Mann) errichtet worden, deren Ergänzung durch Aushebung bewirkt wird. Diese Bataillone, sowie das Leibgarde-Schützenbataillon stehen im Frieden (in einer Gesamtstärke von 4833 Mann) in F. und sind dem Kommando der finn. Truppen in Helsingfors unterstellt; das Offizierkorps besteht durchweg aus Finländern. Im Falle eines großen Kriegs sollen der militärischen Landeseinteilung entsprechend für die örtliche Verteidigung noch acht Landwehrbataillone, sowie zwei Ersatzbataillone für die Schützenbataillone aufgestellt werden. Seit 1882 ist die Organisation dieser Truppen auf dem Papiere vorbereitet. Außer den nationalen Truppen stehen an russischen innerhalb des Großfürstentums die 23. Infanteriedivision nebst der 23. Feldartilleriebrigade, ferner in Sweaborg 2 Reservecadre-Infanteriebataillone, welche bei der Mobilmachung auf 8 Reservebataillone ergänzt und als Besatzung dieser wichtigen Festung verwendet werden. Sweaborg ist jetzt fertig ausgebaut und bietet hinter seinen, mit schwerstem Geschütz armierten zehn Inselforts und Batterien eine jedem feindlichen Angriff entzogene Reede, auf welcher die baltische Flotte Rußlands Raum findet. Die Werke liegen auf den Inseln Harraka, Klein- und Groß-Ost-Swartö, West-Swartö, Wargön, Gustavs Swart, Skanslandet, Kuggen und Kungsholmen; für die Verteidigung der Durchfahrten ist die Anlage von Torpedosperren in Aussicht genommen, auch sind Vorrichtungen zur elektrischen Beleuchtung der Außenreede 1882 beschafft worden. Litteratur. Rein, Föreläsningar öfver Finlands historia (2 Bde., Helsingf. 1870—71); Ignatius, «Statistisk e handbok för F.» (Helsingf. 1872); Hallsten, Finlands historie och geografio (Helsingf. 1873); Koskinen, Finn. Geschichte v (deutsch, Lpz. 1873); Ignatius, «Statistiska anteckningar om F. „ (Helsingf. 1876); derselbe, „Statistisk Arsbok för E.v (Helsingf. 1881).