Fische bilden die niedrigste Klasse der Wirheltiere und unterscheiden sich von den übrigen dadurch, daß sie, meist eierlegend, mit kaltem Blute versehen sind, während des ganzen Lebens durch Kiemen atmen, ein nur aus zwei Abteilungen bestehendes Herz und nach hinten geschlossene blindsackähnliche Nasengruben besitzen, entweder gar keine äußern Glieder oder Flossen und eine entweder nackte oder beschuppte Haut haben. Zwar kann kein völlig skelettlos sein, allein in der Bildung und ärte des Knochengerüstes finden so viele Abstufungen statt, daß die unvollkommensten F. außer einer weichknorpeligen Wirbelsaite (Chorda) gar kein Skelett besitzen. Von der ungegliederten, einem vorn und hinten etwas zugespitzten Stabe ähnlichen Wirbelsaite aus bildet sich nach und nach die Wirbelsäule mit den einzelnen Wirbelkörpern und deren Ausstrahlungen, das anfangs nur knorpelige Kopfskelett nebst dem Kiemengerüst und den Flossen. Je nach der Verknöcherung des Skeletts hat man Knochen- und Knorpelsische unterschieden. Was man im gemeinen Leben Gräten nennt, sind sowohl die oft sehr zahlreichen Rippen der F. als auch namentlich eigene Hilfsknochen, welche in die Sehnenbänder eingeheftet sind, durch welche die großen Seitenmuskeln zusammengehalten werden. Die Flossen teilt man in paarige und unpaare, senkrechte. Die paarigen Flossen fehlen den Rundmäulern und Röhrenherzen ganz; bei den übrigen F. entsprechen sie den Vorder⸗ und Hintergliedern der höhern Wirbeltiere, von welchen sie sich durch eine große Anzahl von Endstrahlen unterscheiden, während bei den übrigen Wirbeltieren im höchsten Falle nur fünf Endstrahlen (Finger) vorhanden sind. Die Brustflossen bestehen aus einem ringförmigen Schultergürtel, der stets mit dem Hinterkopfe verbunden ist und nach außen zu beiden Seiten die den Vorderfüßen der übrigen Wirbeltiere entsprechenden Brustflossen trägt. Die hintern Glieder (Bauchllossen), welche bisweilen ganz (z. B. beim Aale) fehlen, bestehen aus wenigen und einfachen Knochen, sind nur in den Bauchmuskeln 3ur den 5 und stehen entweder (bei Kehlflossern) vor den rustflossen, oder unter denselben (Brustflosser), oder hinter denselben (Bauchflosser). Die größte Entwickelung der Brustflossen trifft man bei den Rochen, wo sie weit mehr Oberfläche als der Körper selbst haben. Außer diesen paarigen Flossen finden sich noch unpaare oder senkrechte Flossen, die aus einer den ganzen Körper des Embryos umgebenden Hautfalte hervorgehen und die Rücken⸗, Schwanz⸗ und Afterflosse genannt werden. Rücken⸗ und Afterflosse können mehrfach vorhanden, die Schwanzflosse bald rundlich oder gerade abgeschnitten, bald gabelig ausgeschnitten sein. Die Flossen sind von Knochenstrahlen gestützt, welche bald einfach und stachelig, bald weich und gegliedert sind. Artedi und nach ihm Cuvier hatten diese Beschaffenheit der Strahlen, namentlich in der Rückenflosse, zur Grundlage ihrer Einteilung der Knochenfische benutzt und diese in Weichflosser und Stachelflosser getrennt. Zuweilen kommt auch (bei Forellen und Welsen) eine nicht von Strahlen gestützte Rückenflosse vor, welche man dann Fettflosse nennt. Die eigentliche Masse der Bewegungsmuskeln liegt an den Seiten des Körpers und bildet vom Kopfe bis zur Basis der Schwanzflosse eine aus tutenförmig ineinander geschachtelten Streifen bestehende Schicht. Das Auf- und Absteigen im Wasser wird durch die Schwimmblase unterstützt, welche meist ein abgesondertes Gasgemisch enthält und dazu dient, das spezifische Gewicht des Fisches zu vermindern, indem'sie ausgedehnt wird, oder umgekehrt dasselbe zu vermehcen, indem sie zusammengedrückt wird. Indessen ist sie nicht unbedingt nötig, da sie vielen F. fehlt, wie dem Rochen und mehrern rasch schwimmenden Knochenfischen. Dieselbe bildet sich aus einer Ausstülpung des Darms und entspricht morphologisch der Lunge, erhält aber die Atemfunktion nur bei wenigen F. Je nachdem der Verbindungsgang mit dem Schlunde offen oder verwachsen ist, unterscheidet man Physostomen mit offenem und Physoklisten mit geschlossenem Luftgange. Die Haut der F. ist entweder ganz nackt oder mit Schuppen bekleidet, die in eigenen Taschen der Oberhaut entstehen und sehr verschiedener Bildung sein können. Meist sind es aus dünnem, hornartigem Gewebe gebildete lättchen, deren hinterer Rand bald ganz, bald mit Zahnspitzen besetzt ist, sodaß der Körper beim Anfühlen ganz rauh erscheint. In andern Fällen sind es wahre Knochenstücke, die häusig mit einer Art Schmelz überzogen sind, in noch andern Fällen, wie z. B. bei Rochen, wahre Hautzähne. Agassiz hatte, auf diese Verschiedenheit gegründet, die F. in vier Ordnungen eingeteilt: Plattenschupper (Placoiden), Schmelzschupper (Ganoiden), Rundschupper (Cykloiden) und Kammschupper (Ctenoiden): eine Einteilung, die längst wieder aufgegeben worden ist. Der Schädel der F. ist ursprünglich eine ungeteilte Knorpelkapsel, setzt sich aber durch die Verknöcherung aus einer großen Menge von Knochenstücken zusammen, die untereinander nicht verwachsen sind und sich keineswegs alle auf entsprechende Teile des Säugetierschädels zurückführen lassen. Das meist sehr zusammengezogene Schädelgewölbe birgt das relativ sehr kleine, in sehr verschiedener Weise ausgebildete Gehirn, das wie der Schädel den Lanzettfischen gänzlich fehlt. Das zuweilen fehlende Auge ist oft relativ sehr groß und bietet in seiner Struktur viele sehr erhebliche Eigentümlichkeiten. Ein äußeres und mittleres Ohr fehlt, und das innere, in dem Schädel verborgene ist einfachen Baues; dennoch hören F., wie jeder Angler weiß, sehr scharf. So ist auch das Geruchsorgan keineswegs komplizierter Art; indes lehrt die Erfahrung, daß F. gegen Gerüche empfindlich sind. Nur der Geschmack mag sehr stumpf sein, denn einerseits ist die Zunge oft ganz knochig, und außerdem verschlingen F. ihre Nahrung stets ungekaut, indem die vielartigen Zähne ihnen meist nur als Werkzeuge des Ergreifens und Festhaltens und nur selten zum Zermalmen oder Zerkleinern dienen. Ihre Nahrung entnehmen sie meist dem Tierreiche; die größern unter ihnen sind wahre Kannibalen der Gewässer und selbst für den Menschen gefährliche Raubtiere; viele nähren sich aber auch von Pflanzenstoffen. Die Atmung geschieht durch Kiemen, auf deren mannigfacher Struktur und Anheftung ein Teil der systematischen Anordnungen der ganzen Klasse basiert worden ist. Diese gewöhnlich zu beiden Seiten des Kopfes liegenden, bei den Knochenfischen vom Kiemendeckel geschützten Organe sind nichts anderes als gefäßreiche Blättchen, welche parallel nebeneinander wie die Zähne eines Kamms, und zwar bei den Knochenfischen auf besondern durch von außen bis in den Schlund reichende Kiemenspalten getrennten Knochenbogen stehen, und auf denen sämtliches, aus dem Herzen durch die Kiemenarterie ausgetriebene Blut in Haargefäßen eirkuliert, die sich dann zu der großen Körperarterie (Aorta) sammeln, welche das in Berührung mit dem lufthaltigen Wasser gewesene Blut wieder in den Körper verteilt. Wenn die Kiemen eintrocknen, ö hört die Cirkulation auf, daher ersticken F. außer dem Wasser, wenn nicht durch besondere Vorkehrungen für Feuchthaltung jener Organe gesorgt ist, wie z. B. beim Aal, der daher einige Zeit auf dem Lande leben kann. Einige ausländische F. vermögen wirklich das Wasser zu verlassen und längere Zeit außerhalb ihres natürlichen Elements zuzubringen; diese besitzen gewöhnlich besondere, in der Nähe der Kiemen gelegene, Wasser enthaltende Höhlen, durch welches das Vertrocknen der Kiemen verhindert wird. Die Geschlechter sind bei den F. fast immer getrennt. In den allermeisten Fällen werden die Eier (Rogen) außerhalb des Mutterkörpers befruchtet; die Hoden der F. sind die sog. Milche. Nur einige Arten von Rochen, Haien, Schleimfischen, Meergrundeln u. s. w. gebären ausgebildete Junge. Die Fruchtbarkeit der F. ist unglaublich groß; Cuvier und Bloch sprechen von Hunderttausenden von Eiern in Einem Individuum, Blumenbach und Lacepede von Millionen. Die meisten F. sorgen nicht weiter für die abgelegten Eier oder Jungen; einige aber, wie die Stichlinge, bauen Nester, hüten die Dungen, sogar im Maule (Chromis), oder brüten dieselben auch, wie z. B. die Seepferdchen, in äußern Taschen aus. Die Lebensdauer der F. scheint groß; auffallend ist bei vielen die Lebenszähigkeit. Bezüglich der Mannigfaltigkeit der Gestaltung übertreffen die F. die andern Wirbeltiere ebenso wie hinsichtlich ihrer freilich sehr vergänglichen Farbenpracht. an teilt die Klasse der F. jetzt in folgende Ordnungen: Knochenfische (Teleostii, s. Tafel: Fische I, Fig. 11—17; II, III, IV) mit freien Kiemen, Kiemendeckel und knöchernem Skelett: hierher gehören fast alle unsere Süßwasserfische; Schmelzschupper (Ganoidéi, Taf. I, Fig. 7, 8, 9) mit oft knorpeligem Skelett und vielen Klappen im Aortenstiel: dahin gehören die Störe, die Flössel⸗ und Knochenhechte; Doppelatmer (Dipnoi, Taf. I, Fig. 10), den ÜUbergang zu den Amphibien vermittelnd, mit Kiemen und Lungen versehen und nur durch drei Gattungen (Lepidosiren, Protopterus, Ceratodus) repräsentiert; Knorpelfische (Selachii, Taf. I, Fig. 4, 5, 6) mit angewachsenen Kiemen, ohne Kiemendeckel und mit knorpeligem Skelett, die Chimären, Haie und Rochen begreifend; Rundmäuler (Cyclostomi, Taf. I, Fig. 2, 3) mit rundem Saugmund und angewachsenen Kiemen, die Lampreten und Inger enthaltend; endlich die niedrigsten, die Röhrenherzen (Leptocardia, Taf. I, Fig. 1), kleine Fischchen ohne Schädel, Hirn und Herz, mit in der Bauchhöhle gelegenen Kiemen und farblosem Blute. Neuerdings hat man die beiden letztern Ordnungen, die keine paarigen Flossen besitzen, von den F. getrennt und als eigene Klassen aufgestellt. Einige F., z. B. der Zitterrochen, Zitterwels, Zitteraal, haben das eigentümliche Vermögen, elektrische Schläge zu erteilen. Das Merkwürdigste bei dieser Elektricitätserregung ist die Willkürlichkeit derselben und ihr Abnehmen durch Ermüdung, und somit das Interesse, welches diese Erscheinung für den Zusammenhang zwischen dem animalischen Nervenleben und elektrischen Strömungen darbietet. Am genauesten sind der Zitterrochen und Zitteraal untersucht. Muschenbroek wies zuerst die elektrische Natur der Schläge nach. Später untersuchten Walsh, Davy, Becquerel, Breschet, Humboldt, Bonpland, Matteucci, Faraday, Schönbein und Du Bois-Reymond die Erscheinung. Man weiß jetzt gewiß, daß die von diesen F. erzeugten elektrischen Strömungen mit den galvanischen übereinkommen, und daß die F. dazu besondere Organe haben, welche beim Zitterrochen in der Nähe der Kiemen, beim Zitteraal zu beiden Seiten des Körpers liegen und aus einer großen Anzahl von Säulchen bestehen, die wieder wie kleine elektrische Säulen aus übereinander geschichteten Blättchen zusammengesetzt sind. Das ganze Organ ist sehr reichlich mit Nerven versehen. (S. Zitterfische.) Die F. sind die ältesten Wirbeltiere. Man hat Reste derselben schon in den silurischen Schichten gefunden. Bis zum Jura gab es nur Selachier und Ganoiden; die Knochenfische treten erst in den obersten Juraschichten auf. Hauptwerk über die fossilen F. ist dasjenige von Agassiz, während die Werke von Cuvier und Valenciennes (Histoire naturelle des poissonso (22 Bde., Par. 1828—49), Joh. Müller und Günther für die Fischkunde oder Ichthyologie maßgebend sind. Vgl. auch noch: Siebold, «Die Süßwasserfische von Mitteleuropap (Lpz. 1863), und Mulde-Bosgoed, «Bibliotheca ichthyologica et piscatoriao (Harlem 1874). In Bezug auf Nützlichkeit für den Menschen folgen die F. unmittelbar auf die Säugetiere. Denn nicht allein erhalten sich rohere Völker, zumal wenn sie sehr arme und unfruchtbare Länder bewohnen, oft nur durch F., sondern es ist der Fischfang auch für große und gebildete Nationen eine Quelle des Reichtums und der Macht. In dem alten Rom waren die F. selbst Gegenstände eines höchst verfeinerten Lurus geworden, und der jetzt noch immer geschätzte Rotbart des Mittelmeers wurde damals fast mit Gold aufgewogen. (Vgl. auch Fischerei und Fischzucht.)