Amphioxus (Branchiostöma), ein kleines, höchstens 5 em langes, durchsichtiges Wirbeltier, welches einige zu den Fischen rechnen, das aber als Repräsentant einer eigenen Klasse (Leptocardia) der Wirbeltiere angesehen werden muß. Das Tierchen hat eine lanzettförmige (daher auch der Artname A. lanceolatus), seitlich plattgedrückte Gestalt, ist vollkommen durchsichtig und lebt im Sande der Küsten fel aller Meere, besonders häufig am Pausilippo bei Neapel und bei Messina. Es unterscheidet sich von allen übrigen Wirbeltieren durch den Mangel eines Gehirns und einer dasselbe umschließenden Schädelkapsel (Acrania), von Augen und Ohren, von Herz und rotem Blute. Die Lagerung der Organe ist wie bei den übrigen Wirbeltieren. In der Achse des Körpers befindet sich die Wirbelsaite (Chorda dorsalis), die von einem Ende des Körpers zum andern sich erstreckt und von einer Haherfn Scheide umgeben ist, die nach oben eine Röhre für das Rückenmark und seitliche Scheidewände abgibt, an welche sich die Muskelmassen des Leibes ansetzen, sodaß dieselben eine ähnlich gegliederte Zeichnung bilden wie bei den Fischen. Eine kontinuierliche Flosse ohne Strahlen umfaßt den hintern Teil des Körpers. Der Mund liegt auf der Bauchseite hinter dem blattartigen Vorderende, das oben eine kleine, auf der linken Seite gelegene Wimpergrube trägt, die als Geruchsorgan angesehen wird. Der Mund bildet eine, von reusenförmig gestellten Cirrhen umgebenen Spalte und führt in einen weiten Kiemenkorb, der aus sehr vielen Knorpelstäben gebildet ist und wimpernde Spalten zeigt, durch welche das Wasser aus dem Innern in die Leibeshöhle abfließt, die durch eine weite offnung (Porus abdominalis) nach außen geöffnet ist. Im Grunde dieses Kiemensackes liegt die eigentliche Mundöffnung, welche in einen kurzen, geraden, mit einem seitlichen Blinddarm versehenen Darm führt, der sich vor der Schwanzflosse durch einen After öffnet. Das Blut ist farblos; ein Herz existiert nicht, alle großen Gefäßstämme pulsieren wie bei den Würmern. Wenn Nieren vorhanden, so sind sie höchst rudimentär. Bei Männchen und Weibchen liegen die besonderer 2un derLeideawant entbehrenden Geschlechtsorgane an der Leibeswand an. Die Produkte werden durch den Porus abdominalis nach außen befördert. — Das Tierchen hat deshalb eine hohe Ro eing n Bedeutung gewonnen, weil Kowalewsky eine gewisse AÄhnlichkeit seiner Entwickelung aus dem Ei mit derjenigen der Ascidien (s. d.) er bat drz und man darauf die Ansicht gegründet hat, daß die Wirbeltiere von den Ascidien abstammen. Andererseits sind aber auch viele der gemeinsamen Charaktere den Würmern nicht fremd, und da diese mit A. und andern Wirbeltieren außerdem noch einige Charaktere gemeinsam besitzen, so ist in neuerer Zeit die Ansicht, daß die Wirbeltiere eher von den Würmern stammen, mehr in den Vordergrund getreten. „Amphipoden, Flohkrebse, nennt man meist kleine Krebstierchen mit dünner, lederartiger Schale, deren Kopf mit dem ersten Brustringe verschmolzen ist und zwei Paar Fühlhörner, ein Paar zusammengesetzter, sitzender Augen und ein Paar Kieferfüße neben drei Kieferpaaren trägt. Die Gangbeine bestehen aus sieben Paaren, von denen fünf meist blattartige Kiemen tragen und zwei den hintern Brustringen, die andern dem Hinterleib an-Arterfen Häufig finden sich an dem Hinterteil Ifterfüße, die zu wahren Springstangen umgewandelt sind, wie bei den Sandhüpfern (Talitrus, Orchestia). Die meisten Arten leben im Meere; einige in selbstgefertigten Gehäusen (Cerapus), andereé, Quallenflöhe genannt, meist mit dickem, unförmlichem Kopfe (Hyperia) an und in andern Meertieren oder in leeren Gallerthülsen (Phronima), die sie schwimmend umherstoßen; noch andere (Orchestia) unter Steinen am Strande. Diese letztern gehören zu derselben Familie wie die in unsern süßen Gewässern lebenden Flohkrebse (Gammarus). Die Arten schwimmen seitlich in springenden Bewegungen und dienen vielen Fischen, besonders den Forellen, als Nahrung, welche davon die rötlichgelbe Färbung des Fleisches erhalten sollen. Um die Kenntnis dieser Tiere haben sich besonders Kroyer, Spence Bate und La Valette bemüht. In neuerer Zeit wurde von der Challenger-Expedition eine ganz durchsichtige riesige Gattung (Thaumops) mit ungeheuern Augen und von 1 dem Länge gefischt. ů