Fistelstimme, Kopfstimme, auch Falset nennt man diejenigen höchsten Register der menschlichen Stimme, bei deren Erzeugung nicht vorzugsweise die Brust⸗ und Bauchhöhle, sondern vielmehr die Höhlungen oberhalb des Stimmorgans die Resonanz bilden. Hiernach unterscheidet man die Stimme in Brust⸗ und Kopfstimme. Die wertvollste von beiden und der eigentliche Maßstab für den Gehalt eines Gesangorgans ist die Brusttimme; ihr gegenüber nimmt die F. nur die Beeutung einer Stimme zweiten Ranges ein. Aber in der Gesangskunst sind sie gleich wichtig, und die Ausbildung und Verschmelzung beider Stimmweisen bildet eine der Hauptaufgaben der Gesangschule. In der neuern Zeit ist die F. hauptsächlich bei dem Frauensopran ausgebildet, weil die Komponisten sehr hoch aufsteigende Koloraturen fast ausschließlich für diese Stimme geschrieben haben. Hieraus ist die Meinung entstanden, daß die F. sich vorzugsweise für Sopran eigne und dieser Stimme besonders natürlich sei. Die Musikgeschichte lehrt aber, daß sie zuerst bei Männerstimmen ausgebildet wurde und dort eine Bedeutung erlangt hat, welche die der jetzigen Sopranfistel noch überwiegt. Als im Kunstgesange nur Männer und Knaben zur Verwendung kamen, was bis zum Jahre 1600 ausschließlich und im Kirchengesange noch mehr als hundert Jahre später geschah, bildete sich im Tenor ein hohes Register mit Hilfe der Kopfstimme aus, welches 4— auch den Namen «Alty (Altus, Alto, d. i. hoch) erhielt; die Singart, in der solches geschah, hieß Falsett, und die Sänger desselben, also die Alt-Tenoristen, wurden Falsettisten genannt. Von diesen alten männlichen Sängern rührt daher sowohl die Kunst wie der Name des Falsettgesangs her. Aus diesem Ursprunge folgt auch, daß die Unterschiede, welche man zwischen Falsett und männlicher Kopfstimme angenommen hat, auf Irrtum beruhen.