FeedFlachstichel
ReligionBrockhaus 1882

Flachstichel (frz. echoppe plate, engl. flat sculpter), ein im Durchschnitt trapezförmiger Grabstichel, welcher zwei breite Seitenflächen, eine schmale Fläche als Bahn und eine noch chmalere als Rücken hat und mit einer schmalen, geradlinigen Schneide versehen ist. der streitbarsten Führer der streng luth. Nichtung des Reformationszeitalters, geb. 3. März 1520 zu Albona in Illyrien (daher der Beiname Illyricus), studierte in Venedig Humaniora und wollte Mönch und kath. Theolog werden, als ein frommer ihn auf Luther hinwies und ihn veranlaßte, na Deutschland zu gehen. F. begab sich 1539 nach Basel, 1540 nach Tübingen, 1541 nach Wittenberg setzte zunächst seine Sprachstudien fort, wandte sich unter Luthers Einfluß der evang. Lehre von der Rechtfertigung aus dem Glauben zu und wurde 1544 Professor der hebr. Sprache zu Wittenberg. Neben dem Alten Testament las er auch über die Paulinischen Briefe und über Aristoteles. Während des Schmalkaldischen Kriegs floh F. nach Braunschweig, wurde jedoch von Kurfürst Moritz sofort zurückgerufen. Als das Augsburger Interim 15. Mai 1548 verkündet wurde und Melanchthon wenigstens in das Leipziger Interim willigte, verließ F., der darin eine Verleugnung des Protestantismus sah, Ostern 1549 Wittenberg und eröffnete von Magdeburg aus einen maßlos heftigen Kampf gegen Melanchthon und dessen Schule. Seitdem galt er neben Amsdorf (s. d.) als Wortführer der Profe luth. Partei. Als solcher ward F. 1558 als Professor an die neu begründete Universität Jena berufen. Sein Einfluß auf den Herzog Johann Friedrich brachte die Einigungsversuche der evang. Fürsten zu Frankfurt (1558) und zu Naumburg (1561) zum Scheitern. Er veranlaßte das sog. Konfutationsbuch (1558) «Solida confutatio et condemnatio praecipuarum corruptelarum, sectarum eteo, eine Verdammung aller Abweichungen von der luth. Lehre, worauf alle Prediger und Lehrer des Landes verpflichtet werden sollten. Dieser Eifer entfremdete ihm manche seiner Gesinnungsgenossen. Dazu kam der synergistische Streit (s. d.) mit seinem Kollegen Victorin Strigel (s. d.). Anfangs verhaftete der Herzog den letztern, aber nach dem Kolloquium zu Weimar 1560, wo F. die Außerung that, die Erbsünde sei die Substanz des Menschen, wandte er Strigel seine Gunst zu. F. wurde 1561 seines Amtes nach Er ging zuerst nach Regensburg, 1566 nach Antwerpen, 1567 nach Frankfurt, darauf nach Straßburg, 1574 wieder nach Frankfurt ins Kloster zu den Weißen Frauen, wo er 11. März 1575 starb. Einst von den Tuleht Lutheranern als Orakel verehrt, sah sich F. zuletzt um seiner Lehre willen, daß die Erbsünde zur Substanz der gefallenen Menschennatur gehöre, auch von seinen treuesten Anhängern verlassen. Um die theol. Wissenschaft hat er sich als Hauptmitarbeiter an der ältesten prot. Kirchengeschichte, den sog. Magdeburger Centurien, durch seinen Catalogus testium veritatiso (1556) und seine Clavis scripturae sacraer (1567), ein biblisches Wörterbuch mit Abhandlungen über die Grundsätze der chen nrr verdient gemacht. Vgl. Ritter, F. Leben und Todo (Frankf. 17²⁵½; Preger, »Matthias F. Illyricus und seine Zeitv (2 Bde., Erlangen 1859—61); «Mattia Flacio Istriano di Albona (Pola 1869). ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 867Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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