FeedFlammenschutzmittel sind Materien
HeilkundeBrockhaus 1882

Flammenschutzmittel sind Materien, welche das Auflodern von Flammen bei der Entzündung von verbrennlichen Gegenständen verhindern und damit einem Umsichgreifen des Feuers vorbeugen sollen. Wie groß die Anzahl der jährlich durch Gardinenbrände hervorgerufenen Feuersbrünste ist, ist schwer anzugeben; wieviel Menschenleben jährlich verloren gehen, indem eine Flamme die leichten Kleiderstoffe von Kindern und Frauen ergreift, darüber fehlen statist. Angaben, zahlreiche Familien werden dadurch immer und immer wieder in Trauer versetzt; wieviel Lebensglück während der letzten Jahre durch Theaterbrände vernichtet worden, ist kaum zu berechnen. Berücksichtigt man, daß in England und Wales nach Ausweis der Civilstandsregister in fünf Jahren 9998 Menschen ihren Tod durch Verbrennung gefunden haben, daß in einer Kirche von San-Jago mehr als 2000 Frauen in einer Viertelstunde durch eine einzige Gasflamme umgekommen sind, so muß man die Frage aufwerfen, ob all dies Elend auf nicht zu vermeidende Zufalligkeiten zurückzuführen, ob es kein Mittel zur Abhilfe gibt. Es liegt in der Nader Sache, daß Gardinen, Tüllgewebe, leichte Kleiderstoffe, Theaterdekorationen, Schnüre nicht unverbrennbar zu machen sind, wohl aber hat die Wissenschaft Mittel nachgewiesen, die sich bei den schärfsten Proben praktisch bewährt haben, durch welche jede Bildung einer Flamme unterdrückt und damit dem Umsichgreifen des Feuers vorgebeugt wird. Fällt ein brennendes Streichholz auf ein damit präpariertes Tüllkleid, so wird ein schwarzer verkohlter Fleck entstehen, das Kleid wird verdorben, aber das Leben der Trägerin gerettet sein. Als F. für alle Arten von Geweben, welche nicht gebügelt zu werden brauchen, empfiehlt sich ein Eintauchen der trockenen Stoffe in eine Lösung von schwefelsaurem Ammoniak in einer Stärke von 1 Teil des Salzes auf 10 Teile Wasser; nach dem Auswringen und Trocknen sind sie wirksam geschützt. Für Kleiderstoffe, welche geplättet werden müssen, ist das von Versmann u. Oppenheim eingeführte wolframsaure Natron in 20prozentiger Lösung, welches in England unter dem Namen Damenlebenerhalter (Ladies Life Preserver) bekannt ist, nicht genug zu empfehlen. Nach Patera werden 4 Teile Borax und 3 Teile Bittersalz in 20—30 Teilen Wasser gelöst, in diese Lösung werden die trockenen Stoffe eingetaucht, ausgewrungen, getrocknet und gebügelt. Nach jeder Wäsche muß selbstverständlich die gleiche Behandlung wiederholt werden. Vgl. Versmann u. Oppenheim, «On rendering fabrics non inflammables (Lond. 1859); dieselben, Description of the Ladies Life Preservero (Lond.); Pattera, «über F.o (Wien 1872).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 873Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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