Flandrin (Jean Hippolyte), franz. Maler, geb. 23. März 1809 zu Lyon, genoß den ersten Unterricht in der Kunstschule seiner Vaterstadt und kam 1829 nach Paris, wo er bei Ingres als Schüler eintrat. Er gewann 1832 den ersten großen Preis der Malerei und das damit verbundene Staatsstipendium für den fünfjährigen Studienaufenthalt in Rom. Seine Arbeiten, die er aus Rom einsandte, verschafften ihm einflußreiche Gönner. Nach seiner Rückkehr nach Paris wurde er bald zu umfassenden Arbeiten berufen. Im Auftrage des pariser Stadtrats besorgte er die Ausmalung des Chors und Mittelschiffs von St.⸗Germain-des-Pres und des großen um das Hauptschiff von St.: Vincent-de-Paul herumlaufenden Frieses, wo er eine Art Allerheiligenzug von 150 Figuren darstellte, welchen der Künstler selbst lithographiert hat. Diese Werke sind unstreitig das Bedeutendste, was die monumentale Malerei neuester Zeit in Frankreich hervorgebracht hat. Er dekorierte ebenso die Kirchen zu St.⸗Paul in Nimes, Ainay bei Lyon und St.⸗Severin. Abgesehen von seinen monumentalen Malereien, hat er seine künstlerische Eigentümlichkeit am besten in Porträts dargelegt, die in feiner, sorgsamer Auffassung, Zeichnung, Modellierung und Durchbildung so vollendet sind, daß hinter diesen Vorzügen der Mangel eines glänzenden Kolorits zurücktritt; Beifall fanden namentlich das Mädchen mit der Nelke (1859) und die Bildnisse Napoleons III., des Prinzen Napoleon, des Barons Rotschild u. a. F. wurde 1853 Mitglied des Instituts. Er starb auf der Reise zu Rom 21. März 1864. Vgl. de Laborde, Lettres et pensées de Hippolyte F.v (mit einer biographischen Notiz, Par. 1865); Jouni, «Hippolyte F., les trises de saint Vincent de Paulo (Par. 1873). Jean Paul F., Bruder des vorigen, Landschaftsmaler, geb. 8. Mai 1811 zu Lyon, bildete sich unter der Leitung von Ingres, wobei er wesentlich sich der idealen Landschaft zuwandte. Zu den bekanntern Gemälden F.s gehören: der Abschied eines Verbannten, Ansicht der Villa Borghese, Alpenansicht, in den Bergen (1835—54); ferner aus der spätern Zeit: eine Nymphe, die Ufer des Gardon, Landschaft in Languedoc (1866), die Einsamkeit (1867), Fichtenwald in Pornic (1875) u. s. w. . Juseln, s. Azoren (Geschichtiches).