FeedFlechtenstärke
TechnikBrockhaus 1882

Flechtenstärke oder Lichenin ist der in heißem Wasser quellende, beim Erkalten gallertartig erstarrende Teil des Isländischen Mooses (s. d.). Es hat gleiche Zusammensetzung wie die gewöhnliche Stärke, unterscheidet sich von dieser aber dadurch, daß es nie in Körnern auftritt und durch Jodlösung gelb bis braun gefärbt wird. lechtwerke sind Vorrichtungen zum Schutze von Erdböschungen an Deichen, Dämmen, Einschnitten u. s. w., welche aus reihenweise in den Boden geschlagenen Pflöcken bestehen, zwischen welchen Reiser geflochten werden. In vielen Fällen wählt man für Pflöcke und Reiser auswuchsfähige Holzarten, welche im Boden Wurzel schlagen und damit den Bestand der Böschung sichern. Sie verhindern das Abbröckeln des Erdreichs, mildern die Kraft des herabströmenden Wassers, an Ufern mäßigen sie die verderbliche Einwirkung des Wellenschlags. Vielfach sind F. auch in Betten von Wildbächen zur Ausführung gelangt, um das Gerölle in den obern Teilen derselben zurückzuhalten, die Intensität des niederstürzenden Wassers teilweise zu vernichten. So hat man in der etwa 25 mutiefen Niederurner-Runs durch sechs bis acht Flechtzaunanlagen, die man successive je nach erfolgter Ausfüllung übereinander anlegte, Ausfüllungen von 10 m Höhe zu Stande gebracht. — Bei Flußbauten dienen F.“ häufig als Schlickfänge; es sind dies Anlagen, welche die Aufgabe haben, an zu verlandenden Stellen das Wasser zu beruhigen und zum Fallenlassen seiner Sinkstoffe zu nötigen. In der Architektur werden unter F. geflechtartige Ornamente verstanden, welche die Säulenbasen der griech., die Friese der röm. Baukunst schmücken und zu gleichem Zwecke sich an Bauten normann. und roman. Stils wiederfinden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 884Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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