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BaukunstBau-Lexikon 1881

Grund entwässern. G. Auf Thon, Lehm, Pflanzenerde u. torfhaltige Erdarten, wenn sie sehr mächtig lagern, kann man direkt gründen; wenn die betreffende Schicht nicht mächtig genug od. das Gebäude zu schwer ist, durchgrabe man die Schicht od. lege Schwellrost; Pfahlrost ist unzweckmäßig; Lehm ist übrigens besser als Thon. H. Sumpf erfordert bei geringer Tiefe mindestens Pfeilergründung; größere Sicherheit gewährt jedoch jedenfalls die Rostgründung. Nicht schwere Gebäude kann man auf Faschinen gründen. II. Künstliche Gründungen. . Roste. 1. Liegender Rost, anzuwenden, wo der Baugrund zwar zusammenpreßbar ist, aber nicht seitlich ausweicht, auch so ziemlich gleichmäßig weich ist, od. doch die ungleich weichen Stellen ziemlich gleichmäßig vertheilt sind. Je nach Umständen kann man eine der folgenden Konstruktionsweisen wählen, beide aber sind nur von Dauer, wenn der Rost entweder immer naß oder immer trocken ist, oder wenn das dazu verwendete Holz durch geeignete Präparirung (s. darüber d. Art. Bauholz E. im 1. Bd.) vor Fäulnis geschützt wird. a) Bohlen⸗ oder Pfostenrost; eichene oder kieferne, etwa 7—8 em. dicke, 25—30 cm. breite Bohlen werden, ungefähr 25 6m. von einander entfernt, übers Kreuz (also in zwei Schichten) in den Baugrund hineingelegt, so daß sie mindestens 25 cm. auf jeder Seite vor der Grundmauer vorstehen, namentlich bei Thon und Triebsand anzuwenden. b) Schwellrost, auch Grundbühnung genannt, besteht aus mindestens 17—25 em. starken Balken oder besser Uunbehauenen Stämmen, welche als Langschwellen (Longrinen), 27—40 em. von einander entfernt, auf Querschwellen od. Traversinen (höchstens 1½ m. aus einander) gelegt werden; die Querschwellen müssen so lang sein, daß sie auf jeder Seite noch mit einem mindestens 15 em. langen Ende, Vorstoß, über die Langschwellen vorragen. Vielfach pflegt man die Langschwellen auf die Querschwellen einzukämmen ; dies ist jedoch nicht vortheilhaft wegen der Zerstörung der Holzfasern durch die Einkimmung am besten ist eine Verdobelung od. Befestigung durch Bolzen, doch reicht es schon hin, wenn nur die Schwellen aneinander mittels hölzerner Nägel befestigt sind; die Felder füllt man mit Steinen oder Kies in Thon oder Lehm aus; besser ist jedoch noch Ausmauerung der Felder in Cement oder Vergießung derselben mit Beton. Auf die Langschwellen kommt noch ein Beleg von Pfosten; weniger sicher gegen seitliche Wankungen, aber sicherer gegen ungleichmäßige Senkung einzelner Längentheile der Mauer ist es, die Langschwellen zunächst in die Grundgrube zu legen, worauf die Querschwellen so weit in die Langschwellen eingeblattet werden, daß sie nur um die Stärke der Pfosten von jenen vorstehen, die somit als Beleg über die Langschwellen gelegt, dann oben mit den Querschwellen bündig sind; die Rostfelder unter dem Beleg werden ausgegossen. Bei Gebäuden, deren Mauern sich, in verschiedenen Richtungen laufend, treffen oder kreuzen, wird man am besten thun, beide Konstruktionen vereinigt anzuwenden, so daß bei der Mauer der einen Richtung die Langschwellen unten liegen, und da, wo eine Mauer der andern Richtung die erstere trifft, als Querschwellen unter jene hineinragen und mit Langschwellen bedeckt werden etc. Unzweckmäßig ist die in Süddeutschland noch hier und da gebräuchliche Verblattung auf halbe Stärke. c) Rost mit Spundwänden. Ist der Baugrund sehr starkem Wasserandrang ausgesetzt, so sichert man den Rost durch eine Spundwand, welche entweder nach Fig. 2065 direkt an die äußere Langschwelle angesetzt wird, oder so, daß der Holm der Spundwand als Langschwelle an die Hirnenden der Duerschwellen durch Klammern oder Schrauben befestigt wird. Die die Spundwand bildenden Pfähle oder Bohlen werden mit der Handramme eingetrieben. Bei 1—. quelligem Boden werden in Entfernungen von je 1½.—2,% m. Pfähle eingetrieben, dazwischen aber Bohlen blos so tief eingesetzt, als nöthig ist, um den Wasserdurchgang zu verhindern. An die Oberenden der Pfähle legt man doppelte Holme, meist über dem Bohlenbeleg, Und verblattet und verschraubt sie mit den Pfählen, so daß ihr Zwischenraum gleich der Stärke der Bohlen ist, die nun zwischen ihnen eingesetzt und eingetrieben werden. Pfähle und Bohlen können durch halbe oder ganze durch Nuth und Feder oder dergl. verbunden werden. — 2. Pfahlrost, stehender Rost, Bürstenrost „pilotirter Rost. Derselbe wird meist da anenn wo der Baugrund auf ziemlich bedeutende Tiefe sumpfig oder sonst beweglich ist. Man glaubt nämlich durch das Einschlagen der Pfähle eine Verdichtung dieses Bodens zu bewirken. Unter Umständen, d. h. wenn der Boden am seitlichen Ausweichen verhindert ist, wird dies auch erreicht; ist aber der Untergrund noch auf größere Tiefe, als die Pfahlspitzen erreichen, weich, oder treffen nur einige der Pfähle harten Untergrund, andere weichere Stellen, so wird man bei Anwendung des Pfahlrostes eine bei weitem ungleichmäßigere Zu Art, Grundbau. l. D. Fig. 2064. Senkung erreichen, als bei Anwendung des Schwellrostes nach vorheriger Bodenauswechselung. Das beste Holz zu Ausführung des Pfahlrostes ist Cedernholz, jetzt freilich zu theuer. Bei immerwährender Nässe bietet Eichenholz die längste Dauer, ihm zunächst steht Erlenholz. Bei wechselnder Nässe u. Trockenheit sind Lärchen⸗ u. Kiefernholz dem Laubholz vorzuziehen, besonders wenn sie mit Schwefelbarium und Eisenvitriol oder dergl imprägnirt sind. Ueber das Eintreiben der Pfähle s. Ramme. Werden sie ganz in den Boden getrieben, so daß der darauf liegende Rost noch auf hen Baugrund zu liegen kommt, 0 heißen sie Grundpfähle; ragt aber ein Theil noch über den Boden vor, so nennt man sie Langpfähle; bilden sie, dicht stehend, Wände, so heißen sie Spundpfähle oder Bürsten. Die Stärke ist nach den speziellen Umständen zu bemessen, beträgt aber meist bei 2, —4 m. Lünge 22—25 m. für je 60 em. mehr Cänge em. mehr Stärke, bei Langpfählen noch 3 em mehr. Die Pfühle werden entrindet, geglätiet und zugespitzt, meist vierseitig, was sehr genau geschehen muß. Bei schottrigem und steinigem Baugrund wird dieselbe Spitze mit einem schmiedeeisernen Schuh versehen, der Kopf des Pfahls aber mit einem eisernen Ring. Bei längerem Schlagen auf denselben Pfahl muß trotz des Ringes der Bart des Hirnholzes von Zeit zu Zeit abgesägt bliotnek Heidelberg DFC werden. Das Gewicht, womit der Rammklotz auf den Pfahl wirkt, soll das Doppelte der künftig auf den Pfahl kommenden Belastung sein. Beim Eintreiben mehrerer Reihen von Pfählen rammt man zuerst die äußeren ein. Sind die Pfähle alle eingerammt und will man sie zu einem Rost verbinden, so schneidet man sie in gleichmäßiger Höhe ab und zupft einen Schwellrost darauf, indem man zunächst die Langschwellen aufbringt, auf diese die Querschwellen, so daß die Durchkreuzungen sich gerade über den Pfählen hefinden. Die Zapfenlöcher in den Langschwellen macht man gern schwalbenschwanzförmig und setzt dem entsprechende Keile in die Zapfen der Pfähle ein. Bei Fundamentirungen unter Wasser schneidet man die Pfähle mit der Grundsäge (s. d.) ab. — 3. Massivrost oder Steinvost besteht aus zwei Lagen von langen Steinen, die einander kreuzen, also einen steinernen Schwellrost bilden. B. Verdichtung des Zodens. Piloten oder Verdichtungspfähle werden unregelmäßig eingeschlagen, so lange sie kriechen, und die Zwischenräume mit Steinen und Lehm ausgefüllt. O. Auswechselung des Bodens, s. d. betr. Art. 1,namentlich da anwendbar, wo Holz u. Steine sehr theuer sind. Dahin gehört auch die Gründung auf Füllmund, die Ausfüllung der Grundgruben mit kleinen Steinen und Mörtel, mit Beton (s. d.), mit großen Steinen ohne Mörtel etc. Man kann auch Bauschutt dazu verwenden, ja selbst Sand,. schichtenweise eingebracht, mit Wasser begossen und gerammt, thut gute Dienste. D. Brunnengründnug, Gründung auf Lenkschächlen, ver. senkte Brunnenmauerung, auch umgekehrte Schachtmauerung, Brunnensenkung und Sinkwerk genannt, namentlich in mächtigen weichen Erd⸗ oder Sandschichten anwendbar. Die Anlage gleicht ganz der eines Brunnens; die Brunnenmauerung wird versenkt, bis sie auf fester Sohle ankommt; sodann wird ein runder Bretboden in den Brunnen hinabgelassen, mit großen Steinen, etwas Mauerschutt und Mörtel beworfen, am besten mit Beton oder Cement, und domit abwechselnd fortgefahren, bis das Niveau des Grundwassers erreicht ist, und dann wird der Schacht weiter ausgemauert. Diese Gründung ist hauptsächlich da anzuwenden, wo das Holz zum Pfahlrost zu theuer ist od. der weiche Boden abwechselnd trocken u. naß wird; s. übr. Brunnengründung und d. Art. Brunnen. E. Gründung im Wasser. 1. Mit Senkkästen. Der Boden des Wassers wird geebnet, hierauf wird außerhalb des Wassers ein Schwellrost verfertigt, auf dem ein Bohlenboden befestigt ist. Auf diesen werden die Wände aus Pfosten, möglichst dicht gearbeitet und kalfatert, befestigt, dann das Ganze in das Wasser gebracht, gleich einem Kahn an Ort und Stelle gefahren und dort verankert. Hierauf fängt man im Innern an zu mauern, wodurch sich der Kasten senkt. Diese Gründung ist sehr theuer. — 2. Gründung in Wassermit Fangedamm, s.d. Art. 510 edamm und Kastendamm. — 3. Gründung in 1 ohne Fangedamm undohne Senkkästen, kann auf verschiedene Weise geschehen. a) Bei veränderlichem Wasserstand kommt die Baustelle während der Ebbe manchmal ins Trockene, und kann dann bei einiger Eile eine gewöhnliche Gründung stückweise eingebracht werden. p) Nach Ablaß des Wassers durch Stauwerk kann man im Trockenen arbeiten. c) Auf Pfahlrost. d) Auf Massivrost, Bettungen von Grobmörtel etc. e) Auf Faschinenrost, Faschinenbettungen u. Faschinengrundlagen. k) Steinwurf, entweder direlkt auf dem Grund oder auf Faschinengrundlagen, und zwar entweder lose, indem man an den Rändern große und flache, nach der Mitte des Grundkörpers hin kleinere Steine in das Wasser hineinwirft. Einem solchen Steinwurf muß man Zeit lassen zum Senken, ehe man darauf gründet. Oder in Senkkästen, was aber sehr unzuverlässig ist. g) Sinkstückbau. Jedes Sinkstück hat ungefähr 5—7 m. ins Geviert und 1—1,% m. Stärke, besteht aus Faschinen, zwischen zwei Netzen von Wippen oder Würsten (langen, schmalen Wippen). Diejenigen Wippen, welche quer gegen die Stromrichtung gehen, müssen zu unterst liegen und an die Roste gehörig durch Seile verbunden sein. An der Oberfläche des Sinkstücks werden Gangborde Brüstungen) angebracht. Das Sinkstück wird dann ins Wasser gebracht, an Ort u. Stelle geschafft, an seinen vier Seiten mit vier Fahrzeugen umgeben und hierauf von diesen Fahrzeugen aus durch Aufwerfen von Steinen belastet, die Senkung aber durch Seile geregelt; s. übrigens auch d. Art. Brücke. — 4. Faschinengründung s. d. Art. Faschinen. F. Erdbogen (s. d.); wenn man die Erdbogen nicht verkehrt stellt, so kann man dieselben auf Pfeiler oder Brunnen gründen. G. Betougründung, s. d. betr. Art. Zuvörderst wird eine Spundwand äußerlich rings um das Fundament, etwa 1—1½86 M. davon entfernt, eingeschlagen, innerlich aber die Grundgrube ausgeschalt; der Zwischenraum wird ausgebaggert u. abgeglichen. Wo die Bétongründung an den Boden anstößt, muß dieser senkrecht abgearbeitet werden. Man bereite niemals mehr Beton zu, als ohne Unterbrechung verarbeitet werden kann, stürze ihn dann in möglichst großen Massen plötzlich ins Wasser, so daß er möglichst wenig lange durch Wasser falle; zu diesem Behuf bringt man ihn entweder in Kästen über das Wasser, bei tiefem Wafsser in dasselbe, und entfernt dann schnell den Boden des Hastens, bemerkt sich auf dem Gerüst die Stelle, wo der letzte Kasten geöffnet wurde, und rückt so allmählich weiter, um die Betonlage gleichmäßig einzubringen; gleich nach dem Einschütten wird der Beton mit breiten eisernen Stößern niedergedrückt, nicht gestampft. Nachdem auf diese Weise eine Lage angebracht worden, bildet man aus zwei Reihen von 1½—5 em. starken, unten zugeschärften Pfählen, die mit einander durch Zangen verbunden und gegen die Spundwände durch Spreizen gestützt werden, Formkästen nach der gewünschten Gestalt der Fundamentmauer, und gießt diese mit Béton bis 30 em. über den höchsten Wasserstand aus. H. Cementmanerwerk, auch Cementhongret genannt. Zu seiner Herstellung wird der Cement ähnlich wie der Beton verwendet; s. daher d. betr. Art.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 538Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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