Flußspat (Fluorcalcium), im Kryolith (Fluoraluminium mit Fluornatrium), in geringen Mengen im Topas und in den meisten natürlich vorkommenden phosphorsauren Salzen, wie in dem Apatit und Phosphorit, und in einigen Feldspat- und Glimmerarten. Es findet sich ferner spurenweis im Meerwasser und vielen Mineralwässern. Im tierischen Organismus kommt es in den Knochen und in dem Schmelz der Zähne vor, es ist ferner unter den Aschenbestandteilen einiger Pflanzen nachgewiesen worden, doch muß sein Vorkommen im Pflanzenreich ein allgemeineres sein, als man gewöhnlich annimmt, da sonst seine regelmäßige Anwesenheit im Tierkörper gänzlich unerklärbar sein würde. Das reine F. ist noch nicht bekannt. Zwar hat es nicht an Versuchen gefehlt, es aus seinen Verbindungen abzuscheiden, . haben diese bislang zu keinem Resultat geführt, da das freie F. alle Gefäße, die man verwenden kann, sofort zerstört und Verbindungen verschiedenster Art eingeht. Daher kommt es auch, daß die Angaben derer, welche glauben, es in reiner Form in der Hand gehabt zu haben, über seine Eigenschaften weit auseinander gehen. Bezüglich der Verbindungen des F. ist zu bemerken, daß dasselbe zu allen metallischen Elementen die größten Affinitäten zeigt, dagegen eine große Indifferenz zu den meisten nicht metallischen Elementen hat. Es verbindet sich weder mit Sauerstoff noch mit Schwefel, Kohlenstoff, Stickstoff, Chlor, Brom oder Jod. Nur mit Wasserstoff, mit Silicium und Bor gcht es Verbindungen ein. Mit Wasserstoff verbunden bildet das F. die Fluorwasserttoffsäure UHE oder Flußsäure, die man durch Erwärmen von gepulvertem Flußspat oder von Kryolith mit konzentrierter Schwefelsäure in einem Destillierapparat von Blei oder Platin erhält. Die Vorlage, in der man die übergehende Säure, gewöhnlich in Wasser, auffängt, muß gleichfalls von Blei oder Platin sein. Man bewahrt sie in Flaschen aus Blei oder Guttapercha auf. Sie ist farblos, flüssig, Lackmus rötend, von stechendem Geruch und äußerst ätzendem Geschmack. Sie zerstört augenblicklich animalische Substanzen und verursacht auf der Haut gefährliche Geschwüre. Beim Arbeiten mit konzentrierten Lösungen ist die allergrößte Vorsicht geboten, ihr Dampf, eingeatmet, wirkt als tödliches Gift, welchem Nickles in Nancy bei Versuchen, das F. daraus abzuscheiden, erlag. An der Luft verbreitet sie weiße Dämpfe. Platin, Gold und Blei werden von ihr nicht angegriffen, Wachs, Paraffin und Guttapercha gleichfalls nicht. Sie greift Glas an, indem sie demselben die Kieselsäure entzieht und mit derselben Kieselflußsäure bildet, daher ihre Anwendung zum Atzen des Glases. Letztere Verwendbarleit wurde bereits 1670 von Schwankard in Nürnberg entdeckt. Sie beruht darauf, daß die Fluorwasserstoffsäure die Kieselsäure des Glases in gasförmiges Fluorsilicium Sib verwandelt. In gleicher Weise verhält sie sich gegenüber den künstlichen und natürlichen Silicaten und ist daher ein sehr geschätztes Mittel der analytischen Chemie, den Silicaten die Kieselsäure zu entziehen. Mit Silicium bildet das F. das Fluorsilicium, welches mit Wasser zusammengebracht in Kieselsäure und in Kieselfluorwasserstoffsäure zerfällt, welche letztere in der analytischen Chemie zum Fällen von Kali und Baryt Anwendung findet. Außer diesen Verbindungen sind noch nennenswert: das Fluorkalium KE und das Fluorammonium NIIF, zwei Salze, welche durch Neutralisieren von Fluorwasserstoffsäure mit Kalihydrat, resp. mit Ammoniak erhalten werden und zur Atzung des Glases statt kor5664 Verwendung finden. [korrhöe. Eluor albus (Weißer Fluß), s. Leuhydrid C0H120; bildet sich, wenn man 7 Teile Resorcin (s. d.) mit 5 Teilen Phtalsäureanhydrid so lange auf 195 —200 erhitzt, bis die Masse fest geworden ist. Der Rückstand wird mit kaltem Alkohol von fremden Stoffen befreit, dann in verdünntem Alkali gelöst, die klare Flüssigkeit mit Schwefelsäure neutralisiert, wodurch F. gefällt wird, und dieses wird aus heißem Alkohol umkrystallisiert. Es scheidet sich in kleinen Krystallen ab, deren ammoniakalische Lösun durch eineprachtvolle grüne und äußerst intensive Hiusresyemz sich auszeichnet. Mit Brom behandelt, entsteht aus dem F. das Tetrabromfluoreszein, dessen Kaliumverbindung das prächtige morgenrote Eosin (s. d.) bildet, welches in der Seiden- und Wollfärberei ausgedehnte Anwendung findet. Eine bläuliche Modifikation des Eosin heißt Primerose. Fluoreszenz (lat.) nennt man in der Optik eine an verschiedenen Stoffen beobachtete eigentümliche Lichterscheinung, welche darin besteht, daß diese Stoffe im Stande sind, Licht, womit man sie beleuchtet, als ganz anders gefärbtes Licht von ihrer Oberfläche und den zunächst darunter liegenden Schichten zu reflektieren, sodaß dadurch ein eigentümlicher Farbenschiller entsteht. Obwohl vorherrschend blaues, violettes und überviolettes Licht die F. erregen, so gibt es (nach neuern Versuchen) doch Stoffe, wo auch die grünen, gelben und roten Strahlen F. bewirken. Zuerst ist die F. an Krystallen von Flußspat (Fluorcalcium) untersucht worden, daher ihr Name. Schön und zwar grün fluoreszieren die gelben Uransalze und das mit Uranoryd gelbgefärbte sog. Canarienglas. Mehr als feste Stoffe fluoreszieren Flüssigkeiten, so z. B. fluoreszieren schwefelsaure Chininlösung und Asculinlösung (Aufguß von Roßkastanienrinde) himmelblau, Blattgrün blutrot, die gelbe Curcumatinktur grün. Die Erscheinung zeigt sich schon im Tageslicht, aber am auffallendsten, wenn man (s.nebenstehende Rrenn mit einem rennglas ein konzentriertes Bündel Sonnenstrahlen auf den fluoreszierenden Körper fallen läßt. So z. B. zeigt sich ein Strahlenkegel, der in solcher Weise durch eine Chinin-oder Asculinlösung gesendet wird, blau leuchtend; in einer ätherischen Blattgrünlösung erscheint er rot u. dgl. m. Verschiedene Lichtquellen wirken verschieden stark fluoreszenzerregend, besonders kräftig das Sonnenlicht, das elektrische und das Magnesiumlicht; er dtcgel wirken die photochem. Lichtstrahlen in der Regel auch fluoreszierend. Die Fluoreszenzerscheinungen wurden zuerst 1852 von dem Engländer Stokes genauer untersucht undvon Pisko (Wien behandelt. Die F. läßt sich als eine Resonanz des Lichts auffassen und Lommel hat 1871 hierauf seine Fluoreszenztheorie gegründet. sunter Fluor. luoride oder Fluor-Verbindungen, s. uorit, s. Flußspat. Tiucg Fluor. ö luor⸗ Verbindungen oder Fluoride, s. ur, Feldflur, ursprünglich Bezeichnung für das landwirtschaftlich benutzte Feld, Acker, Wiesen, Weiden im allgemeinen; später nannte man F. oder Feldmark im engern Sinne die einer Gemeinde zugehörigen Grundstücke, also mit dem Sinne der Begrenzung nach außen. Bei der Felderwirtschaft heißt F. die in gleicher Weise benutzte Fläche; so gibt es z. B. bei der Dreifelderwirtschaft drei F. Viele zusammengesetzte Benennungen verdanken dem Worte F. ihren Ursprung: Flurschütz, Flurzwang. ½½ s. Kataster. lurzwang, ein liberrest der Feldgemeinschaft (s. d.), t die Beschränkung des Grundbesitzes in der Benutzung seiner Cim Gemengey liegenden Grundstücke, namentlich der Zwang, dieselben nach dem von der ganzen Dorfgemeinde angenommenen Wirtschaftssystem, gewöhnlich der Dreifelderwirt-⸗ schaft, zu bestellen, die gemeinschaftliche Brachweide zuzulassen und die Überfahrt zu gestatten. Die Gemengelage selbst, welche dieses System zu einer Notwendigkeit macht, ist dadurch entstanden, daß ursprünglich jeder Hufenbesitzer in jedem Gewann ö einen Streifen erhielt und daß diese Stücke immer weiter geteilt wurden. In der neuern Zeit ist der F. durch Verkoppelung oder Separation in den meisten Gemeinden aufgehoben worden, jedoch noch immer nicht vollständig ver rschwunden. In Gegenden mit sehr intensiver Wirtschaft und Stallfütterung ist er trotz großer alnthatdachüh gen vielfach ohne besondere Maßregein thatsächlich au gegeben worden. Auf eschidn Höfe hat er kürlich nie Anwendung gefunden.