Azotea, f. span., Söller. azlekische Baukunst, f. frz. architecture aztéquienne, engl. architecture of the Astecs. Die Aztekas, ein kräftiger, kriegerischer Volksstamm, erschienen unter 6Häuptlingen, auf langer Wanderung von Norden kommend, zu Ende des 12. Jahrh. in Anahuak, dem Hochland Mexiko's, schlossen sich den kurz vorher (um 1160) eingewanderten Chichimekas an, wurden von diesen mehr u. mehr unterjocht, befreiten sich aber um 1320 u. gründeten Tenochtitlan (die jetzige Stadt Mexiko). Vom Ende des 14. Jahrh. an beherrschten sie ganz Anahuak bis zur Zeit des Ferdinand Cortez. Ihre Religion war Sternendienst, ihr Hauptgott dieSonne, Vitzliputzli(Huitzlipochtli),zugleichKriegsgott; der Sonne und genossen als solche göttliche Verehrung; Gah Leichen wurden in kolossalen Grabhügeln beigesetzt; kurz, ihre Religion und demgemäß auch ihre Kunst hatte dieselben Grundzüge wie die der Tolteken und der Olmeken, s.d. betr. Art.; nur waren sie eben kräftiger als die Tolteken und höher kultivirt als die Olmeken. Sie malten z. B. auf Papier von Agave- und Palmfasern od. auf baumwollene Gewebe, die geglättet waren; wahrscheinlich hatten diese Bilder hieroglyphische Bedeutung; die Farben sind an sich lebhaft und grell neben einander gestellt u. hatten wahrscheinlich ebenfalls ihre Bedeutung; Geräthschaften u. Waffen, vielfach noch erhalten, sind nicht ohne Geschmack, Schnitzereien sehr sauber ausgeführt. Die historischen Berichte, sowohl des Volkes selbst als die Berichte der spanischen Eroberer, reden viel von umfänglichen und prächtigen Bauten. Dennoch ist unsere Kenntnis derselben, infolge der barbarischen Zerstörungen der Spanier, nicht vollständig. 1. Teocallis, Tempel. Dieselben sind genau orientirt u. liegen auf künstlichen od. natürlichen Hügeln von konischer Form oder in Terrassen abgetheilt. Von den frühesten Bauten am Fluß Gila (um 1170), dann von den Casas Grandes unter 290 nördl. Br. sind noch Ruinen vorhanden, von den ersteren freilich nur unförmliche Trümmer hügel u. Reste von bun ten Steingutfliesen; die letzteren bildeten 3 ter werke, deren zweites den Eingang enthielt, und waren mit einem Dach S aus Fichtenholz bedeckt, schen Bauten (s. d.), welches 1789 noch vorhanden war. Thürme erhoben sich noch in weiteren 4 Stockwerken über die Hauptmasse der Gebäu-Unterbau aus einem Felsen, der in eine Pyramide von Ter: 5 Stufen durch Futtermauern umgewandelt u. von einem die Graben umgeben ist, der, mit polirten Steinen escarpirt,‚ der; äußerlich 850 m. auf der Süd⸗ u. Nordseite, 990 m. auf The der Ost- u. Westseite mißt. Der Pyramidenunterbau ist beise 117m. hoch, enthält auf seiner Nordseite eine Reihe Zimmer den wurden; Fig. 304 stellt einen Diese Disposition kehrte Wütheichn wieder. Bei Tempels Götterstatuen hier u. da traten diese, nebst den Hrden für die heiligen Feuer, Fig.305,an dieStelle des Tempels selbst. Unter der Plattform waren Souterrains angebracht, z. Theil in lebendigen Fels hineingetrieben, zum Theil auch mit Werkstücken überdeckt, die, über einander überkragend u. schräg abgearbeitet, eine Art konisches Gewölbe, ähnlich den Decken der griechischen Schatzhäuser, bilden. Die Beschreibungen des Cortez und seiner Begleiter, zum Theil durch Zeichnungen erläutert, sowie die noch vorhandenen kümmerlichen Reste haben uns in den Stand gesetzt, den 1482 begonnenen, 1505 vollendeten und 1521 zerstörten Hauptteocalli von Mexiko mit der ihn in einem Viereck von ca. 200 m. Breite und 300 m. Länge umschließenden Schlangenmauer zu restauriren, s. Fig. 306 u. 307. Der so gebildete Bezirk, Teopan, Platz Gottes, enthielt also zunächst den erwähnten Haupttempel! des Huitzlipochtli u. Tezcatlipoca; die Außenflächen der 5 stufenförmig sich zurückziehenden Stockwerke waren mit behauenen kleinere Tempel verschiedener Größe und Form, darunter der runde Tempel des Quetzalkoatl, dessen Portal ein Drachenmaul darstellte, Fasthäuser für König u. Priester, Wohnungen für Oberpriester und Priester, Schulen für die erwachsene Jugend beider Geschlechter, Badeteiche, Brunnen etc., Schädelhäuser, Käfige für erbeutete Götzen, Ställe für Opferthiere etc. 2. Grabmäler. Die Grabmäler der Könige waren, ähnlich den Teocallis, pyramidal gestaltet, nur meist schmäler und ohne den Tempelbau auf der Plattform. Um sie oder um die Teoeallis scharten sich dann, meist in regelmäßigen Reihen, von Nord nach Süd stehend, Hügel und Pyramiden, wahrscheinlich Privatgrabmäler. Die Teocallis der Begräbnisplätze sind in der Regel gepärt, eines für den Sonnengott Tonatiuh, eines für die Mondgöttin Meztli. 3. Städteanlagen, Befestigungen etc. In der Mitte der Stadt lag, wie schon erwähnt, der Haupttempel, umgeben in einem Viereck von starker Umfassungsmauer mit stufenförmigen Zinnen, in deren Nischen steinerne Schlangenfiguren standen; vier Thore nach den vier Haupthimmelsgegenden führten nach den vier Hauptstraßen der umgebenden Stadt; über jedem Thor erhob sich ein Aufbau als Waffensäl; der Hof war mit polirten Platten belegt, und von ihm führte die große Freitreppe an der Tempelpyramide hinauf, deren schmale Seite nach Osten gekehrt war; die Befestigungsmauern waren stärker als hoch. Auf unserer Abbildung Fig. 307 ist diese ganze Anlage nach einer in Gomara's Beschreibung von Cortez' Kriegszügen enthaltenen Karte dargestellt. Dem unteren (westlichen) Thor gegenüber erblickt man das Huitzompan, d. h. die 46 m. lange Schädelpyramide, aus 136000 Schädeln von geopferten Gefangenen aufgeführt; links davon erhebt sich der königliche Palast, Tepak, mit seinen 2Thürmen, hinter dessen Park die Höfchen des zoologischen Gartens hervorschauen; vor dem nördlichen Thor dehnt sich ein großer freier Platz, der Markt; an diesem, sowie in der Nähe der anderen Thore, liegen öffentliche Gebäude. Die Berichte erwähnen außer dem Palast und der Menagerie das Vogelhaus, das Fischhaus, einHaus für Krüppel, Zwerge etc., einen Park, Bäder, ein Zeughaus, die Häuser der Innungen (Goldschmiede, Mosaicisten, Bildhauer, Maler etc.), öffentliche Speicher für Fälle der Hungersnoth etc. Die Straßen der Stadt wurden täglich gekehrt. In der Stadt Tenochtitlan, welche 300000 Einwohner hatte, waren außer der Haupttempelanlage noch 8 große u. nahe an 2000 kleine Tempel vertheilt. Diese Residenzstadt war durch ihre Lage im Seoschon befestigt. Andere Städte, die künstlicher Befestigung bedurften, wurden mit Mauern von 3—4 m. Stärke u. 1—6 m. Höhe umgeben, od. auch wie Tlascala mit Wällen von 6 m. Stärke und 2½ un. Höhe exel. der Brustwehr. Bei Molcaxan liegen Ruinen von Schanzen, deren vierfache Mauern auf dem Abhang des Berges sich herumziehen. 4. Nutzbauten. Die Kornspeicher waren viereckig, nach Art der Blockhäuser von Holz aufgebaut, und hatten 2 Eingänge über einander. Der obere, größere diente zum Hineinschaffen, der untere zum Herausnehmen des Getreides. — Auf den Feldern waren Wachtthürme von Holz vertheilt. — An den Straßen, welche jährlich nach der Regenzeitausgebessert wurden, waren in unbewohnten Gegenden Herbergen vertheilt, und Brücken und Fähren fehlten nicht. Die Brücken waren meist aus Stricken errichtet, doch kamen auch gewölbte Steinbrücken von 13, 47, ja 67 Bogen, bei 18 m. Weite u. 32 m. Höhe u. 920 m. Totallänge vor. Die öffentlichen Lokale zum Ballspiel IBLIOTHHEK sind hier u. da noch in Trümmern erhalten. Die Wasserleitungen waren viele Meilen lang v. Stein u. Mörtel als offeneKanäle hergestellt. Sogar Dampfbäder fehlten nicht. 5. Paläste und Wohnhäuser. Der aus Steinen mit Kalkmörtel aufgeführte Königspalast hatte 20 Thore, drei große u. viele kleine Höfe, deren einen, durch einen Springbrunnen geziert, 100 Zimmer umgaben; in einigen dieser Zimmer waren die Wände mit Marmor u. Fliesen bekleidet, die Balken aus Cedern-u. Cypressenholz gearbeitet u.zierlich geschnitzt. Die Haupthalle faßte 300 Menschen. Die Häuser der Reichen u. Vornehmen erhoben sich in 2—3 Stockwerken, hatten plattes Dach, oft durch Thürme bekrönt, hatten 2 Eingänge, einen nach der Straße, den andern nach einem Kanal etc. Die Spanier erzählen, daß die Decken, aus Ceder, Kiefer, Cypresse etc. gearbeitet, von Säulen aus Marmor, Alabaster u. Jaspis getragen worden wären. Hauptmaterial war ein rother Kalktuff. Die Häuser der Armen waren zwar v. Lehmziegeln aufgebaut, od. von Steinen mit Schlammmörtel (in Pisé) errichtet, mit Rohr eingedeckt, aber gleich den Häusern der Reichen bunt bemalt. Wir können in Fig.308 u.309 die Abbildung von zwei solchen Häusern nach einem aztekischen Relief mittheilen. Viele hatten in ihren Häusern eigene Dampfbadezimmer, selbst der Aermste hatte eine Badezelle in seiner Hütte. Nach eigentlich künstlerischer Seite hin waren die Aztekenbauten ganz ähnlich denen der Tolteken (s. d.).