FeedBernsteinfirniß
NaturlehreBau-Lexikon 1881

Bernsteinfirniß, m., frz. vernis m. au succin, engl. amber-varnish, ist zu vielen Anstrich-und Lackarbeiten von großem Nutzen, trotz des störenden Umstands, daß der Bernstein an sich nicht in Alkohol, Aether oder ätherischen Oelen lösbar ist, sondern stets geschmolzen werden muß, wobei er dunkler wird und an Härte verliert; wird auf verschiedene Art bereitet. 1. Man bringt 1 Gewichtsth. Bernstein, welcher erst bei hoher Temperatur schmilzt, in einen Behälter, der oben verschlossen u. gedichtet, an seinem untern Theil aber mit einer kegelförmigen Röhre versehen ist, auf welcher ein Sieb befestigt wird, um den geschmolzenen Bernstein von den in ihm enthaltenen Unreinigkeiten zu trennen; das Gefäß steht auf einem Ofen, in welchen sein kegelförmiger Boden einige em. hineinreicht; nachdem die Erwärmung hinreichend gesteigert worden ist, schmilzt der Bernstein u. läuft, von seinen Unreinigkeiten befreit, in einen unten angebrachten großen Behälter, welcher zu ¾/ mit ½ Gewichtsth. Leinölfirniß gefüllt ist; die Wärme begünstigt die Vereinigung des geschmolzenen Bernsteins mit dem Oel; nach erfolgter Vereinigung setzt man Terpentinöl zu, bis zu 2 Gewichtsth. je nach Bedarf. Diese Methode gewährt alle Vortheile: der Bernstein schmilzt vollständig, verdunstet sehr wenig oder gar nicht, und man ist dabei gegen Feuersgefahr gesichert; starke kupferne Gefäße sind hierbei den aus Thon gefertigten allemal vorzuziehen. — 2. 100 Gewichtsth. Bernstein werden zu erbsengroßen Stücken gestoßen, mit Terpentinöl befeuchtet und über Kohlen geschmolzen; wenn er sich aufbläht, rührt man ihn um, nimmt ihn vom Feuer u. setzt unter beständigem Umrühren tropfenweise Terpentinöl zu; nachdem die Masse Sirupskonsistenz erlangt hat, setzt man sie aufs Feuer, läßt sie auskochen, fügt dabei Terpentinöl hinzu, und wenn der Firniß klar ist, werden 120 Gewichtsth. geschmolzener

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 349Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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